Immuntherapie bei Brustkrebs

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Die Stanzbiopsie (hier in einer Klinik in Chemnitz), bei der auffälliges Gewebe entnommen wird, gibt einen ersten Hinweis darauf, welche Therapie für die Patientin in Frage kommt.

Durch neue Antikörper haben sich die Überlebenschancen der betroffenen Frauen sehr erhöht

Brustkrebs ist in den westlichen Nationen die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Allein in Deutschland werden jedes Jahr rund 60 000 neu erkrankte Frauen registriert. Im Brustkrebszentrum am Elisabeth-Krankenhaus in Kassel wurden im vergangenen Jahr 450 neuerkrankte Brustkrebspatientinnen behandelt.

Trotz der Anzahl gibt es keinen Grund zur Panik. Denn in den vergangenen Jahren hat sich in der Therapie der bösartigen Erkrankung so viel Positives getan, dass die Überlebenschancen der Patientinnen sehr gestiegen sind. Ein großer Schritt ist hier mit der Immuntherapie getan, die gezielt die bösartigen Zellen angreift und deren Teilung verhindern soll. Hier gibt es verschiedene Wirkstoffe, die zum Teil schon ausgiebig getestet wurden, wie Trastuzumab, Pertuzumab oder Denusumab.

Ein neuer Antikörper gegen den Rank-Ligand kommt aus der Osteoporose-Behandlung und soll vor allem Frauen helfen, die bereits Knochenmetastasen haben. Small-molecules dringen in die degenerierte Zelle ein und greifen deren Stoffwechsel an. Diese Wirkstoffe heißen unter anderem Lapatinib, Sorafenib oder Sunitinib.

Am Brustkrebszentrum im Elisabeth-Krankenhaus läuft jetzt eine Studie zu einem ganz neuen Antikörper an, der den Namen Pertuzumab trägt.

Über die verschiedenen Therapien beantwortete die Chefärztin des Brustkrebszentrums am Elisabeth-Krankenhaus, Dr. Bettina Conrad, Fragen unserer Leserinnen.

Ich hatte vor acht Jahren Brustkrebs, bin operiert worden und hatte dann eine Chemotherapie und Bestrahlungen. Danach habe ich fünf Jahre lang eine Antihormontherapie gemacht. Ich nehme Alendronsäure, habe aber jetzt eine starke Osteoporose entwickelt. Was kann man dagegen tun?

Conrad: Alendronsäure ist ein Bisphosphonat, das das Auftreten von Knochenmetastasen verhindern soll und auch gegen Osteoporose wirkt. Es gibt einen neuen Antikörper, der den Rank-Ligand stoppt. Dieser Botenstoff ist essentiell für die Regulation der Zellen, die für den Knochenabbau verantwortlich sind. Dieser Antikörper heißt Denosumab. Nachteilig ist, dass man ihn nicht in Tablettenform nehmen kann, sondern der Wirkstoff beim Arzt gespritzt werden muss. Das Medikament ist aber besser verträglich als Bisphosphonate und ist vor allem nierenschonender.

Ich habe seit fünf Jahren Brustkrebs, bin vor zwei Jahren brusterhaltend operiert worden und im November, nachdem ein Rezidiv aufgetreten war, noch einmal operiert worden. Mein Arzt hat mir jetzt eine Hormontherapie empfohlen. Die möchte ich aber nicht machen. Käme für mich eine Immuntherapie infrage?

Conrad: Eine Immuntherapie kommt nur für erkrankte Frauen infrage, deren Tumoren Her-2/neu-Rezeptoren aufweisen. Diese Rezeptoren fördern das Zellwachstum und die -teilung und können an der Entstehung von Mammakarzinomen beteiligt sein. Bereits bei der Biopsie kann man feststellen, ob der Tumor vermehrt die Her-2/neu-Rezeptoren trägt. Ist das der Fall, gibt man einen Antikörper, der die Zellteilungsrate und damit das Tumorwachstum vermindert. Er greift sogar auch ruhende Tumorzellen an, die gerade nicht teilungsaktiv sind. Besprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt, ob für Sie eine Antikörpertherapie möglich ist. Es gibt da verschiedene Therapien, auch ganz neue Wirkstoffe, die allerdings nur gegeben werden, wenn der Krebs weit fortgeschritten ist und Metastasen in anderen Organen gebildet hat.

Ich habe Brustkrebs und nehme seit einem Jahr an einer Antikörper-Therapie teil. In letzter Zeit tränen mir andauern die Augen, ich sehe verschwommen und oft auch doppelt. Kann das von dem Medikament kommen?

Conrad: Ja, das ist möglich. Sie sollten umgehend einen Augenarzt aufsuchen und dort andere Ursachen ausschließen lassen. Sprechen Sie dann mit ihrem behandelnden Frauenarzt, der Ihnen Alternativen nennen kann.

Ich bin vor drei Jahren an einem bösartigen Mammakarzinom operiert worden. Ich mache eine Hormontherapie mit Tamoxifen und bekomme alle sechs Monate eine Infusion mit einem Bisphosphonat. Ich vertrage die nicht richtig gut. Wie lange muss ich diese Infusionen und das Tamoxifen nehmen?

Conrad: Sie sollten sie insgesamt zwei bis drei Jahre bekommen. Die Infusionen sind wichtig, weil sie auch der Bildung von Knochenmetastasen entgegenwirken. Die Hormontherapie sollte fünf Jahre lang erfolgen.

Ich bin 52 Jahre alt und habe im Oktober an dem Brustkrebs-Screening teilgenommen. Dabei wurde ein Befund festgestellt. Bei der Biopsie gab es kein Ergebnis, weil der befallene Bereich nicht getroffen wurde. Der Arzt lehnt eine weitere Biopsie ab und rät gleich zur Operation. Ist das nötig?

Conrad: Ja. Wenn ein Verdacht besteht, der durch die Biopsie nicht geklärt wurde, sollte operiert werden. Sie brauchen vor der Operation keine Angst zu haben, denn die wird in Vollnarkose gemacht. Stellen Sie sich am besten in einer Klinik vor und bringen Sie die Aufnahmen von der Mammographie mit.

Im vergangenen Mai wurde bei mir ein DCIS, eine Krebsvorstufe, festgestellt und operiert. Ich habe 25 Bestrahlungen bekommen und soll jetzt fünf Jahre lang Tamoxifen nehmen. Ist das nicht ein bisschen viel?

Conrad: Das ist die Standardbehandlung bei dieser Vorstufe und durchaus sinnvoll. Das Medikament kann auch das Auftreten eines weiteren DCIS auf der Gegenseite der betroffenen Brust verhindern. Eine engmaschige Nachsorge mit halbjährlicher Mammographie der befallenen Brust und jährlichen Mammographie der gesunden Brust gehören ebenfalls dazu.

Von Susanne Seidenfaden

Quelle: HNA

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