Hyperthermie: Vom Segen des Fiebers

Entgegen einem häufig vorkommenden Missverständnis ist Fieber in den meisten Fällen nicht die Ursache einer Erkrankung, sondern eine gesunde Reaktion des Organismus, bei dem Versuch mit einer Krankheit fertig zu werden.

„Senken wir ein Fieber vorzeitig oder unsachgemäß, meist aus Angst oder Unwissenheit heraus, so nehmen wir dem Menschen geradezu die Möglichkeit, sich schnell und effektiv mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen“, sagt Dr. Christian Büttner, Allgemeinmediziner aus Kassel. Mittel- und langfristig würde der Schaden durch vorschnelle Fiebersenkung noch größer, erklärt er. Man müsse bedenken, dass durch Fieber eine ganze Kaskade immunologischer Reaktionen im Körper ausgelöst wird, durch die dem angeborenen Teil unseres Immunsystems eine eigenständig erworbene Immunität beigefügt wird.

„Ein starkes Immunsystem wird durch aktives und wiederholtes Training geschaffen, nicht durch die Verhinderung von Auseinandersetzungen“, sagt Dr. Büttner. „Gerade im Kindesalter, wo die Basis einer umfassenden Immunität geschaffen wird, verstoßen wir immer wieder gegen dieses Prinzip.“

Vielen chronischen Erkrankungen wie Allergien, Hautkrankheiten, rheumatischen Erkrankungen und Krebs liegen Fehlfunktionen des Immunsystems des Menschen zugrunde. Entweder liegt eine Schwächung der Immunität vor oder es kommt zu überschießenden immunologischen Reaktionen, die den eigenen Körper schädigen (so genannten Autoimmunerkrankungen). „In der Folge kommt es nicht mehr zu ‘gesunden’, das heißt akuten fieberhaften Erkrankungen, sondern immer mehr zu chronischen, oft längere Zeit unbemerkt bleibenden Entzündungsherden im Körper“, sagt der Arzt. Diese sind häufig der Nährboden, auf dem sich dann chronische Krankheiten entwickeln können.

Selbstheilungskräfte anregen

Der Körper muss also in vielen Fällen wieder angeregt werden, Fieber zu erzeugen, um sich besser mit Krankheiten auseinandersetzen zu können. „Eine der effektivsten Methoden in dieser Hinsicht ist die so genannte Ganzkörperhyperthermie, durch die in einem Fieberbett über mehrere Stunden Temperaturen bis zirka 40 Grad erzeugt werden“, sagt Dr. Büttner. Dies sei gewissermaßen eine Art Trainingslager für das Immunsystem.

„Idealerweise wird diese Behandlung zur Gesundheitsvorbeugung oder im Anfangsstadium von chronischen Erkrankungen eingesetzt, sie kann aber auch zur Begleitung und Unterstützung anderer Therapien bei Fibromyalgie-Syndrom, rheumatischen Erkrankungen, Allergien, Hautkrankheiten, chronischen Infektionen wie Borreliose oder Krebserkrankungen eingesetzt werden“, beschreibt der Arzt. Er zitiert Prof. Axel Ullrich, Leiter einer Abteilung des Max-Planck-Institutes, München mit dem Satz: „Unser Immunsystem ist immer noch der beste Therapeut.“ Es lohne sich also, rechtzeitig dafür zu sorgen, dass dieser beste Therapeut immer wach, aktiv und gut trainiert ist. Das Fieber ist ein mächtiges Instrument im Dienste unseres besten Therapeuten. (nh)

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Quelle: HNA

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