Hornhaut: Mini-Implantat erspart kompletten Austausch

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Getrübte Sicht: Wenn die Hornhaut geschädigt ist, lässt die Sehkraft nach. Eine Untersuchung der Augen gibt Auskunft über den Zustand.

Die Hornhaut ist sozusagen die Windschutzscheibe und der vordere Abschluss des Auges. Wie bei jeder Glas- oder Frontscheibe ist scharfes Sehen nur dann möglich, wenn die Hornhaut klar und durchsichtig ist.

Erkrankt das „Fenster des Auges“ irreversibel, beispielsweise durch genetische oder altersbedingte Faktoren oder durch Entzündungen und Infektionen, trübt sich die Hornhaut ein und klares Sehen wird unmöglich.

Dann hilft nur eine Hornhauttransplantation. Sie ist mit etwa 5.000 Eingriffen pro Jahr die häufigste Gewebetransplantation beim Menschen. Heute gibt es ein neues Verfahren, bei dem Augenchirurgen nur eine dünne Schicht der Hornhaut transplantieren und so dem Patienten einen Austausch der gesamten Hornhaut ersparen. Das sogenannte DMEK-Verfahren  (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty) hat weniger Nebenwirkungen, verkürzt die Heilung und führt zu besseren Sehergebnissen.

Die Hornhaut selbst ist nur circa einen halben Millimeter dick. Zwischen einer dünnen Außenschicht und einer extrem dünnen Innenschicht liegt die tragende mittlere Gewebeschicht. Die innere Zellschicht ist mit kleinen Pumpen ausgestattet, die Wasser aus der Hornhaut befördern. Nur wenn diese Pumpen rund um die Uhr zuverlässig funktionieren und die Mittelschickt „trocken“ halten, ist klares Sehen möglich.

„Jede einzelne Schicht der Hornhaut kann erkranken“, erklärt Dr. Ulrich Jung, ärztlicher Leiter der Artemis Augenklinik Dillenburg. „Zwar lassen sich die meisten gut mit Medikamenten behandeln, Erkrankungen der Innenschicht führen aber in der Regel zu dauerhaften Eintrübungen, weil die Pumpen ihren Dienst versagen und sich nicht regenerieren können.“ Ursächlich sind genetische Erkrankungen wie die Fuchs´sche Endotheldystrophie oder auch entzündliche oder chirurgische Schädigungen. Patienten mit einer schadhaften Innenschicht klagen oft über verringerte Gesichtsschärfe mit Tränenfluss, Lichtüberempfindlichkeit und mitunter Schmerzen.

Bei der Behandlung gewinnt das DMEK-Verfahren heute immer mehr an Bedeutung. Die Hornhaut wird dabei nicht mehr in ganzer Dicke ersetzt, sondern es wird nur noch die ultradünne Innenschicht getauscht. Dieses Implantat wird aus einer Spenderhornhaut gewonnen. Das Verfahren ist für den Patienten schonender, da sich die Heilungsdauer extrem verkürzt. „Oft erreichen wir bereits einige Tage nach dem Eingriff eine Sehstärke ohne Brille von etwa 50 Prozent, die sich in den Wochen nach der Operation weiter bessert.“

Beim herkömmlichen Verfahren dauert die Heilung bis zu eineinhalb Jahre. Das Verfahren ist zudem nebenwirkungsarm, denn es treten 15-Mal seltener Abstoßungsreaktionen auf als bei kompletten Transplantationen. Ebenso entfallen die früher oft störenden Hornhautverkrümmungen, da nun nicht mehr genäht werden muss. „Das DMEK-Verfahren führt in der Regel zu einer nahezu vollständigen Wiederherstellung der Sehschärfe mit einer ausgezeichneten Langzeitprognose“, fasst Dr. Jung zusammen.

Weitere Informationen unter www.bessersehen.de

Quelle: HNA

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