Die Hormone sind am Hüftspeck schuld

+

Nach der erfolgreichen Diät sein Traumgewicht zu halten - das ist die große Herausforderung. Kein Wunder: Noch ein Jahr nach dem Abnehmen schreien die Hormone nach Essen, wie eine australische Studie ergab.

Wer nach der Diät wieder Gewicht ansetzt, ist damit nicht unbedingt wieder willensschwach zu alten Essgewohnheiten übergegangen, sondern kämpft gegen ein andauerndes biologisches Verlangen.

"Leute, die wieder zunehmen, sollten nicht zu hart mit sich sein", meint Joseph Proietto von der Universität Melbourne in Australien, einer der Autoren der im "New England Journal of Medicine" veröffentlichten Studie. Das Anliegen seiner Untersuchungen war die Frage, was hinter dem alt bekannten Problem steht, dass das Gewicht nach einer Diät so gerne wieder nach oben schnellt.

Proietto und seine Kollegen beobachteten 50 übergewichtige oder fettleibige Teilnehmer eines zehnwöchigen Diätprogramms in Australien. Im Visier hatten sie dabei diejenigen, die mindestens zehn Prozent ihres ursprünglichen Gewichts verloren und lange genug durchhielten für die spätere Analyse. Am Ende waren das 34 Personen. 

Durchschnittlich schafften es die Teilnehmer, 13,6 Kilogramm in den zehn Wochen los zu werden. Die Gewichtsreduktion erfolgte damit schneller, als es die üblichen Empfehlungen von höchstens einem Kilo pro Woche vorsehen. Die Probanden nahmen acht Wochen lang 500 bis 550 Kilokalorien zu sich und wurden dann zwei Wochen lang wieder an normales Essen herangeführt. Trotz Anleitung und Tipps, wie sie ihr Gewicht nun stabilisieren könnten, nahmen die Teilnehmer während des kommenden Jahres durchschnittlich wieder 5,4 Kilogramm zu. Und sie erklärten, sie seien nach dem Essen oft noch hungrig. Hungriger als sie es vor ihrer Diät gewesen waren.

Hormone spielen verrückt

Die Forscher untersuchten nun neun Hormone, die den Appetit beeinflussen. Sie verglichen die Werte vor der Diät und ein Jahr nach dem Programm und fanden heraus, dass sich bei sechs Hormonen die Werte nicht eingependelt hatten.

Wirklich überrascht habe ihn das nicht, erklärt George Bray vom Pennington-Forschungszentrum in Baton Rouge, Louisiana. Der Forscher, der nicht an der Studie beteiligt war, zieht daraus das Resümee: "Es ist besser, erst kein Gewicht anzusetzen, als zu versuchen, es wieder zu verlieren", sagt er.

Erbe der Evolution

Warum aber rebelliert der Körper gegen den Gewichtsverlust? Diese Frage beantwortet Rudolph Leibel von der Columbia-Universität in New York mit Verweis auf die Evolution. Es sei wohl ein Überbleibsel aus der Zeit, als Dünnerwerden das Überleben und die Fortpflanzung gefährden konnte, sagt Leibel. "Es ist überhaupt nicht überraschend, dass unser Körper mindestens ein Jahr lang dagegen ankämpft." Menschen, die besonders stark abnähmen, entwickelten nicht nur einen größeren Appetit, sondern verbrauchten auch weniger Kalorien als normal, erklärt Leibel. Damit werde dem neuerlichen Ansetzen von Gewicht Tor und Tür geöffnet. Eine neue Gewichtszunahme zu vermeiden, sei wohl ein ganz anderes Thema als das Abnehmen selbst, meint der Experte. Und deshalb, so seine Forderung, müssten die Forscher dem auch mehr Aufmerksamkeit schenken. (dapd)

Von Malcolm Ritter

Quelle: HNA

Kommentare