Hilfsmittel machen den Alltag sicherer

Ulrich Heise Foto: privat / nh

Herr Heise, welche Hilfsmittel werden am häufigsten gebraucht?

Ulrich Heise: Das sind vor allem solche, die bei Immobilität eingesetzt werden, wie ein Rollator bei einer Gangunsicherheit. Er hilft bei der Aufrichtung und vermittelt Sicherheit. Wer eine größere Bewegungseinschränkung hat, benötigt möglicherweise einen Rollstuhl zur Fortbewegung. Eine weitere Gruppe sind Hilfsmittel zur Inkontinenzversorgung.

Gehört Inkontinenz zu normalen Alterserscheinungen?

Heise: Wie andere Muskeln auch funktionieren die Schließmuskeln von Blase und Darm im Alter nicht mehr so gut. Aber auch Krankheiten können zu Inkontinenz führen, etwa Erkrankungen des Nervensystems wie Multiple Sklerose. Demenzkranke haben oft auch keine Kontrolle mehr über Blase und Darm. Sie nehmen den Drang zu spät oder gar nicht wahr, oder finden die Toilette nicht. Neben einer Versorgung mit Windeleinlagen kommen bei bestimmten Krankheiten andere Systeme zum Einsatz, spezielle Katheter etwa.

Wie bekommt man ein Hilfsmittel?

Heise: Man unterscheidet zwischen Hilfsmitteln, die gezielt bei der Einschränkung einer Körperfunktion notwendig sind und Pflegehilfsmitteln, die die grundpflegerische Versorgung erleichtern. In jedem Fall muss ein Antrag bei der Kranken- oder Pflegekasse eingereicht werden. Dort wird über Genehmigung und Finanzierung entschieden.

Muss ich Hilfsmittel selbst zahlen?

Heise: Jeder hat bei Bedarf Anspruch auf eine Grundversorgung. Eine abweichende Ausstattung muss bei Antragstellung von Therapeuten oder Ärzten begründet werden. Die macht dann Sinn, wenn die Grundausstattung Schäden verursachen kann, etwa Fehlhaltungen durch einen schlecht angepassten Sitz. Auch im Rahmen der Vermeidung von Druckgeschwüren sind bei gefährdeten Patienten spezielle Systeme angebracht.

Die Genehmigung dafür zu bekommen, ist in Zeiten explodierender Kosten im Gesundheitswesen nicht leicht. Hilfsmittel für den Alltagsbereich müssen selbst gezahlt werden. Griffverdickungen für ein Essbesteck beispielsweise zahlen die Kassen längst nicht mehr.

Können Hilfsmittel auch schaden?

Heise: Ja, wenn sie aus Bequemlichkeit genutzt werden und vorhandene Fähigkeiten verkümmern. Jemand, der einen Rollstuhl nur für lange Strecken nutzen soll und ihn ständig benutzt, verlernt das Gehen. Wenn bei einer fortschreitenden Krankheit Hilfsmittel nicht angepasst werden, ist das auch nachteilig. Ein Beispiel sind Menschen mit einer Multiplen Sklerose. Nach einem Schub ist das bisherige Hilfsmittel möglicherweise nicht mehr geeignet. Nutzer, Angehörige, Therapeuten und Rehaberater müssen alle beobachten, welche Auswirkungen ein Hilfsmittel hat. Es sollen ja positive sein. (zip)

Quelle: HNA

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