Hilfe bei Morbus Crohn und Co.

Mehr als 320 000 Menschen in Deutschland sind von einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) betroffen, Tendenz steigend. Hauptvertreter sind der Morbus Crohn und die Colitis Ulcerosa.

Beide Erkrankungen beginnen häufig im Alter zwischen 15 und 35 Jahren und verlaufen in Schüben unterschiedlicher Dauer und Intensität.

Verschiedene Studien zeigen, dass Colitis Ulcerosa aber auch Morbus Crohn das Risiko erhöhen können, an Darmkrebs zu erkranken. Die enge Verzahnung zwischen gastroenterologischer Diagnostik und Therapie sowie chirurgischer Technik ist der Schlüssel für einen lang- fristigen Erfolg bei der CED Therapie.

Privatdozent Dr. Johannes Heimbucher und Gastroenterologe Dr. Gero Moog haben unsere Leser während der HNA-Telefonsprechstunde zur interdisziplinären Zusammenarbeit bei CED beraten.

Ich bin männlich, 77 Jahre alt und leide seit Jahren unter Bauchschmerzen und heftigem Durchfall. Im Jahr 2009 wurde bei mir Krebs diagnostiziert. Von einer OP wurde mir abgeraten. Stattdessen bekam ich 48 Bestrahlungen, die auch die erhoffte Wirkung erzielt ha- ben. Ich bin krebsfrei, leide aber unter den heftigen Durchfällen, die bis zu zehnmal am Tag auftreten. Was raten Sie mir?   

DR. GERO MOOG: Die Folgen einer Bestrahlung sind sehr vielfältig. Die Symptome, die Sie beschreiben, können direkt nach einer Strahlentherapie auftreten, klingen aber meist nach einiger Zeit wieder ab. Da Ihre Bestrahlung be- reits sechs Jahre zurückliegt, sind die Gründe für Ihre Beschwerden nicht mehr in der Bestrahlung zu suchen. Ich empfehle Ihnen, mithilfe einer Darmspiegelung abzuklären, ob Areale im Darm beschädigt sind.

Aufgrund der gewonnen Erkenntnisse kann eine weitere Therapie besprochen werden. In vielen Fällen lassen sich die Symptome mit geeigneten Medikamenten gut eindämmen und ermöglichen eine spürbare Besserung der Lebensqualität.

Ich bin männlich und vor zehn Jahren wurde bei mir Morbus Crohn diagnostiziert. Nach Meinung derÄrzte binich austherapiert, aber ich kann mich mit der Situation nicht zufrieden geben. Die ständigen Bauchschmerzen und Durchfälle machen mir das Leben schwer. Die Ärzte sagen, dass eine Entzündung am Übergang von Dick- und Dünndarm das Problem sei. Auch die Einnahme von Cortison bringt keine Linderung. Im Gegenteil, dadurch ist meine Bauchspeicheldrüse entzündet. Was kann ich tun?   

DR. JOHANNES HEIMBUCHER: Ihre Darstellung spricht nicht dafür, dass eine Entzündung die Ursache für die Beschwerden ist. Vor allem die Tatsache, dass die Einnahme von Cortison auch in hohen Dosen keine Linderung verschafft, ist ein Hinweis darauf, dass die Ursache an anderer Stelle zu suchen ist. Eine Begleiterscheinung von Morbus Crohn können Resorptionsstörungen in der Darmschleimhaut sein. Das wiederum kann zur Folge haben, dass die Gallenflüssigkeit, die wichtig für den Verdauungsprozess ist, vom Darm nicht aufgenommen und weiterverarbeitet werden kann. Es kommt zu starkem Durchfall.

In Ihrem Fall rate ich zu einer medikamentösen Behandlung mit einem Mittel was die Gallenflüssigkeit bindet und verhindert, dass die Darmschleimhaut gereizt ist. Das verschafft eine spürbare Linderung.

Ich bin männlich, 63 Jahre alt und habe seit 34 Jahren eine Colitis ulcerosa. Meine Beschwerden sindsehrgering. Ich nehme regelmäßig Mesalazin. Ich bin etwas verunsichert, weil mein Hausarzt sagt, ich bräuchte nicht zu weiteren Darmspiegelungen, wenn es mir gut geht. Wie schätzen Sie meine Lage ein?

DR. GERO MOOG: Das ist nicht so, sie sollten regelmäßig, am besten jedes Jahr, eine Koloskopie durchführen lassen, weil das Risiko einer bösartigen Veränderung bei zunehmenden Erkrankungsalter steigt. Wir sagen, ab dem achten Jahr bei einer Colitis des gesamten Darms und ab dem 15. Jahr bei einer Colitis des linken Anteils des Darms. 

Ich bin weiblich, 70 Jahre alt und habe seit zirka drei Jahren Probleme mit dem Darm. Morgens habe ich ganz normalen Stuhlgang aber ich habe das Gefühl, dass sich der Darm nicht vollständig entleert und ich im Anschluss oft zur Toilette muss. Auch beim Husten zum Beispiel entleert sich der Darm. Mein Arzt hat mir ein Medikament gegen Durchfall verschrieben. Seitdem leideich aber an Verstopfungen und mein Bauch ist wie aufgebläht. Vor 28 Jahren hatte ich eine Unterleibsoperation und bei einer Darmspiegelung wurden Hämorrhoiden festgestellt. Wie schätzen Sie die Lage ein?   

DR. JOHANNES HEIMBUCHER: Ihre Beschreibungen sprechen dafür, dass Ihre Beckenmuskulatur etwas geschwächt ist und sich daher Ihr Darm entleert, wenn Sie husten müssen oder gerade erst auf der Toilette waren. Man spricht in diesem Fall von einer fraktionierten Darmentleerung.

Da Sie bereits eine Unterleibsoperation hatten spricht einiges dafür, dass Ihr Darm ausgeleiert ist und ihm der Halt fehlt. In Ihrem Fall würde ich zu einer Defäkographie raten. Bei diesem Verfahren wird die Darmtätigkeit mithilfe von Röntgenstrahlen aufgezeichnet und somit die Motorik des Beckenbodens und mögliche Aussackungen des Enddarms beurteilt.

Ich bin weiblich und 43 Jahre alt. Ich habe einen Morbus Crohn mitimmer wieder auftretenden Fisteln in dem Enddarmbereich. Ich bin bei einem Proktologen in Behandlung, der mir eine Fisteloperation empfohlen hat. Was raten Sie mir? 

DR. GERO MOOG: Gerade bei Morbus-Crohn-Patienten mit Fisteln braucht man viel Erfahrung, um eine richtige Entscheidung zu treffen. Eine enge Zusammenarbeit in einem Zentrum, was sich mit der Erkrankung sowohl im chirurgischen als auch im gastroenterologischen Bereich auskennt, ist dringend zu empfehlen. Unsachgerechte Behandlung kann schnell zur Stuhlinkontinenz führen. 

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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