Hilfe bei chronischen Schmerzen

Die Arthrose ist die häufigste Form von Gelenkerkrankungen. Bei der Kniegelenksarthrose leiden die Patienten unter anhaltenden Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen.

Wenn eine konservative Behandlung mit Medikamenten und Physiotherapie nicht mehr hilft, kann die Implantation eines künstlichen Kniegelenks erfolgreich für mehr Mobilität und Lebensqualität sorgen.

Dr. Franz-Josef Müller ist Chefarzt der Allgemeinen Orthopädie und Traumatologie der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau und des angeschlossenen Nachsorgezentrums. Er hat Anrufer während der Telefonsprechstunde am vergangenen Montag zur Operation bei Kniegelenksarthrose beraten.

Ich bin männlich, 39 Jahre alt und leide unter Arthrose im rechten Knie. Bei einer Arthroskopie wurde festgestellt, dass bei mir eine lokale Knorpel schädigung 4. Grades vorliegt. Was raten Sie mir?  

DR. FRANZ-JOSEF MÜLLER: Es kann eine Knorpeltransplantation in Betracht gezogen werden. Dazu werden im ersten Schritt in einem kleinen ambulanten Eingriff gesunde körpereigene Knorpelzellen entnommen. In einem Speziallabor wird während der Dauer von drei Wochen das Knorpelgewebe vermehrt, das im zweiten Schritt in den Bereich der Schädigung eingesetzt wird. Die Knorpelzellen wachsen in den Knorpeldefekt und füllen ihn wieder auf. 

Ich bin weiblich, 72 Jahre alt und leide unter Arthrose in beiden Knien mit einer X-Bein-Stellung. Außerdem habe ich Schmerzen im Lendenbereich. Ich kann mich nur mithilfe von Unterarmstützen fortbewegen. Haben Sie einen Rat für mich? 

MÜLLER: Bei Arthrose mit ausgeprägter X- oder O-Beinstellung ist häufig die Bandstabilität unzureichend. Dennoch ist die Prothesenoperation mit gleichzeitiger Achskorrektur auch bei älteren Patienten sinnvoll.

Mittels einer Oberflächenprothese, eventuell einer teilgekoppelten oder gekoppelten Prothese ist es möglich, die Beinachse zu korrigieren und ein stabiles, frei bewegliches und schmerzfreies Kniegelenk wiederherzustellen. Die Wiederherstellung der Beinachse kann sich positiv auf die Wirbelsäulenbeschwerden auswirken.

Ich bin männlich, 61 Jahre alt und bei mir sind sowohl Innen- als auch Außenmeniskus gerissen und das Kreuzband gedehnt. Hinzu kommt, dass ein ganz massiver Verschleiß im inneren Gelenkanteil und unter der Kniescheibe im Kernspin nachgewiesen ist. Welche Behandlung empfehlen Sie?   

MÜLLER: Zunächst sollte bei Ihnen als jüngeren Patienten versucht werden mittels eines arthroskopischen Eingriffes die eingerissenen Meniskusanteile zu entfernen und eine Gelenktoilette durchzuführen, um weitere Folgeschäden zu vermeiden. Sollte der arthroskopische Eingriff nicht erfolgreich sein, wäre auch bei Ihnen trotz Ihres Alters der Einsatz einer Prothese erforderlich. Abhängig vom intraoperativen Befund kann das eine Schlittenprothese (Teilprothese) oder eine Oberflächenprothese sein.

Es kommt auch eine individuell für Sie hergestellte Oberflächenprothese in Betracht. Dazu wird Ihr Knie mittels Computertomographie genau vermessen und anhand der Daten eine für Sie passgenaue Prothese hergestellt. Der Vorteil dieser individuellen Knieprothese liegt darin, dass bei der Operation weniger Knochen reseziert wird und Sie hinsichtlich des Ausmaßes der Prothese auf die für Sie vorliegende Arthroseform passend hergestellt wird. Mit diesen Prothesen ist für die Dauer von etwa 15 bis 17 Jahre Beschwerdefreiheit zu erreichen.

Ich bin weiblich, 75 Jahre alt und habe vor zirka einem Jahr ein künstliches Kniegelenk im rechten Bein bekommen. Die Operation ist gut verlaufen, aber im Anschluss kam es zu einer schweren beidseitigen Lungenembolie. Da ich auch große Probleme im linken Knie habe, steht mir eine weitere Operation bevor. Allerdings habeichAngst vorerneuten Komplikationen. Haben Sie einen Rat? 

MÜLLER: Die zweite Knieoperation ist in Ihrem Fall wichtig, damit die Schmerzen Sie nicht weiter in Ihre Lebensqualität einschränken. Das Operationsteam muss das erhöhte Thrombose- und Emoblierisiko kennen, um eine Risikoabschätzung für die anstehende Operation durchführen zu können. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass ohne Blutsperre operiert, um damit das Risiko zu minimieren. Auch müssen nach der Operation für einen längeren Zeitraum höher dosiert blutverdünnende Medikamente gegeben werden. Grundsätzlich ist es aber möglich, eine Knieprothese auch bei erhöhtem Thrombose- und Embolierisiko einzusetzen.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.