Hessische Frauen doppelt so häufig von Depressionen betroffen wie Männer

Frauen sind in Hessen in etwa doppelt so häufig von Depressionen betroffen wie Männer. Während nur 1,2 Prozent der hessischen Männer im Jahr 2013 eine Depressions- Diagnose erhalten haben, waren es bei den Frauen 2,1 Prozent.

Auch bei den Verordnungen liegen die Frauen vorn: 7,8 Prozent der Patientinnen bekamen von ihren Ärzten Antidepressiva verschrieben. Bei den Männern waren nur 4,4 Prozent.

Das zeigt der heute in Berlin vorgestellte Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse  (TK). "Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass Frauen sich eher trauen, mit ihren psychischen Beschwerden einen Arzt aufzusuchen", vermutet Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen.

Insgesamt war jeder bei der TK in Hessen versicherte Beschäftigte im Laufe des Jahres 2013 durchschnittlich einen Tag aufgrund von Depressionen krankgeschrieben. Die Analyse der einzelnen hessischen Landkreise und kreisfreien Städte zeigt, dass es enorme regionale Unterschiede bei den Krankschreibungen aufgrund von Depressionen gibt. Mit durchschnittlich 0,6 Krankheitstagen pro Person waren im Main- Taunus-Kreis die wenigsten Menschen arbeitsunfähig. Auch in der Stadt Darmstadt mit 0,7 Tagen und im Landkreis Fulda mit 0,8 Tagen waren die TK-Versicherten weniger häufig aufgrund von Depressionen krankgeschrieben als der hessische Durchschnitt. Im Vogelsbergkreis und im Lahn-Dill-Kreis waren mit 1,4 Krankheitstagen pro Person die meisten Menschen arbeitsunfähig. Im Schwalm-Eder-Kreis waren es durchschnittlich 1,3 Krankheitstage pro Person und im Odenwaldkreis 1,2 Tage. Geringer sind die Zahlen in den Städten Frankfurt (0,9 Tage), Wiesbaden und Kassel (jeweils ein Tag).

Im TK-Depressionsatlas wird die Anzahl der Betroffenen auch nach Berufsgruppen ausgewertet. Die höchsten Betroffenenraten gibt es demnach bei Beschäftigten in Callcentern (2,8 Tage), in der Altenpflege (2,5), in Erziehungs- (1,6) sowie Sicherheitsberufen (1,4). Wenig Depressionsbetroffene gibt es hingegen bei Berufen in der Unternehmensberatung (0,9 Prozent), in der technischen Produktionsplanung und - steuerung (0,8 Prozent) sowie in der Elektrotechnik (0,8 Prozent).

Depressionen gehören mittlerweile zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland. 2013 lagen die Fehlzeiten aufgrund von Depressionen um rund 70 Prozent höher als noch im Jahr 2000. Aufgrund der oftmals langen Erkrankungsdauer und häufiger wiederkehrenden Symptomatik kommt der Krankheit auch eine große volkswirtschaftliche Bedeutung zu. Die TK schätzt, dass der deutschen Wirtschaft im Jahr 2013 Produktionsausfallkosten in Höhe von vier Milliarden Euro aufgrund von Depressionen entstanden sind. Nicht berücksichtigt wurde bei dieser Zahl die meist eingeschränkte Produktivität der betroffenen Mitarbeiter, die auch ohne gemeldete Abwesenheit am Arbeitsplatz vorkommen kann. "Im Kampf gegen Depressionen sind daher auch Unternehmen gefordert. Mit einem wertschätzenden Betriebsklima, Familienfreundlichkeit und klaren Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit können Arbeitgeber viel bewegen", sagt Voß. (nh)

Für den Depressionsatlas hat die TK Versichertendaten aus dem Jahr 2013 von 4,11 Millionen berufstätigen Personen sowie Arbeitslosengeld- I-Beziehern im Alter zwischen 15 und 64 Jahren ausgewertet.

Quelle: HNA

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