Herz-in-Takt: Bei Kälte nicht überanstrengen!

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Schneeschieben, Eis kratzen an den Autoscheiben oder Einkaufen bei Nässe und Kälte – all das kann sich belastend auf unser Herz auswirken. Wenn wir bei kalten Temperaturen Schwerstarbeit verrichten oder Sport treiben, verengen sich nicht nur unsere Blutgefäße.

Auch unser Herz kann aufgrund der Überanstrengung aus dem Takt geraten. Diese Unregelmäßigkeiten des Herzschlags sind bis zu einem gewissen Grad normal. Wann Herzrhythmusstörungen gefährlich werden können, erklärt der Kardiologe PD Dr. med. Michael Weber, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin an den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg im Interview.

Herr Dr. Weber, sind Herzrhythmusstörungen harmlos oder eine eigenständige Krankheit?

Dr. Weber: Jeder Mensch hat irgendwann in seinem Leben Unregelmäßigkeiten des Herzschlages - häufig, ohne es zu merken. Tückisch ist, dass die Grenze zwischen harmlosen und lebensbedrohlichen Störungen fließend ist. Dies frühzeitig erkennen und exakt diagnostizieren kann nur ein Internist oder Kardiologe. Die häufigste Herzrhythmusstörung und zugleich eine ernstzunehmende Krankheit ist das sogenannte Vorhofflimmern. Etwa eine halbe Million Menschen leiden daran.

Was genau passiert beim Vorhofflimmern?

Dr. Weber: Beim Vorhofflimmern verlangsamt sich entweder der Herzschlag mit weniger als 60 Schlägen pro Minute oder er beschleunigt sich mit mehr als 100 Schlägen in der Minute. Die Vorhofmuskeln ziehen sich also unregelmäßig zusammen und „flimmern“. Das Blut staut sich durch dieses Flimmern in den Vorhöfen. Dieses gestaute Blut kann dann leichter gerinnen und Blutgerinnsel können in den Blutkreislauf gelangen und die Arterien verstopfen. Werden diese Blutgerinnsel, sogenannte Thromben, in das Gehirn geschwemmt, kann das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden und es kommt zu einem Schlaganfall. Patienten mit Vorhofflimmern haben sogar ein bis zu fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko. Die Herzrhythmusstörung ist damit der wichtigste Risikofaktor für einen Schlaganfall.

Und was sind die Ursachen dieser gefährlichen Herzrhythmusstörung?

Dr. Weber: Oft ist das Vorhofflimmern die Folge von Bluthochdruck, einer koronaren Herzkrankheit oder Herzklappenfehlern. Auch eine Überanstrengung oder eine Überfunktion der Schilddrüse kann sich negativ auf den Herzschlag auswirken. Vor allem ältere Menschen sind davon betroffen.

Woran erkennen Menschen, dass sie unter einer Herzrhythmusstörung wie dem Vorhofflimmern leiden?

Dr. Weber: Erste Anzeichen sind plötzlich auftretendes Herzrasen, Schwindel oder Bewusstlosigkeit. Schlägt das Herz viel zu schnell oder zu langsam und staut sich das Blut, sackt auch der Kreislauf ab. Einen Großteil der Attacken bemerken die Betroffenen nicht. Es ist jedoch sehr wichtig, die Herzrhythmusstörung vor dem Auftreten des ersten Schlaganfalls zu erkennen, um dann sofort mit einer wirksamen Therapie beginnen zu können.

Was raten Sie Betroffenen?

Dr. Weber: Wenn von einem Menschen die Anzeichen von Herzrhythmusstörungen erkannt werden, sollte er unbedingt seinen Hausarzt aufsuchen. Es ist zunächst ganz wichtig ernsthafte Herzrhythmusstörungen von harmlosen zu unterscheiden. Im weiteren Verlauf ist dann die Ursachensuche ganz wichtig. Sind alle Untersuchungen abgeschlossen, kann eine Therapie mit Medikamenten oder sogar einem Schrittmacher notwendig werden. Zur Vermeidung von Arterienverschlüssen und Schlaganfall ist die Gabe von blutgerinnenden Medikamenten hilfreich. Viele durch Herzrhythmusstörungen bedingte Schlaganfälle können durch eine vorbeugende Therapie verhindert werden. (nh)

Quelle: HNA

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