Wenn die Hand nicht mehr so will wie sie soll

Wenn bei einer Fahrradtour immer wieder die Hand einschläft, sie nach längerem Arbeiten mit der PC-Maus schmerzt, das Zuknöpfen der Jacke schwierig wird, weil die Fingerkuppen gefühllos sind, dann handelt es sich meist um die krankhafte Einengung eines Nerven im Bereich der Handwurzel.

Dieser Nerv – in der Medizinersprache Nervus medianus – sorgt mit zahllosen Verästelungen für die Bewegung und Sensibilität der Hand bis in die Fingerspitzen. Im Handgelenk liegt er zusammen mit neun Beugesehnen in einer tunnelartigen Röhre. Während der Boden und die Seitenwände dieses so genannten Karpaltunnels knöchern sind, besteht das Dach des Tunnels aus einem breiten Band, das sich quer zwischen der Muskulatur des Daumen- und Kleinfingerballens spannt. „Wenn durch eine Einengung dieses Karpaltunnels der Nerv geschädigt wird, spricht man vom Karpaltunnelsyndrom (CTS). Die Ursachen hierfür sind vielfältig: eine angeborene Engpasssituation, Fehlbelastung oder Überbeanspruchung der Hand, Knochenbrüche, Rheuma, aber auch Krankheiten wie eine Schilddrüsenunterfunktion, die zu Gewebeschwellungen führt“, erklärt Dr. Burkhard Mai, Arzt für Chirurgie, Orthopädie und Rheumatologie in der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel. Warum Frauen wesentlich häufiger vom Karpaltunnelsyndrom betroffen sind, ist nicht genau bekannt. Hormonelle Gründe können eine Rolle spielen.

Behandlung – eine Frage des Leidensdrucks

Die Behandlung ist eine Frage des Leidensdrucks. Es gibt viele Menschen, die ein Karpaltunnelsyndrom haben, aber nicht über Beschwerden klagen. Andere indes haben bereits bei einer beginnenden Nerveinengung heftigste Schmerzen in der Hand und Gefühllosigkeit der ersten drei Finger. Wie groß das Ausmaß der Einklemmung ist, zeigt die Nervenleitgeschwindigkeit. Sie wird gemessen zwischen Arm und Hand und mit den Werten der anderen Hand und mit Normwerten verglichen. Dann weiß man, wie viel „Strom“ noch durchfließt und wie hoch der Schaden ist. Das Untersuchungsergebnis bestimmt dann die weitere Behandlung.

Damit der „Strom“ wieder fließt

Wenn das Karpaltunnelsyndrom noch im Anfangsstadium ist, werden zunächst entzündungshemmende und abschwellende Medikamente verabreicht und der Patient erhält für die Nacht eine Manschette (Medianus-Orthese), um den Nerv ruhig zu stellen. Auch eine Injektion mit einer geringen Menge Kortison kann Linderung bringen. Wenn allerdings eine konservative Therapie nichts mehr bringt, sollte operiert werden.

„Oft reicht eine endoskopische Operation, in der mit zwei Mini-Schnitten und örtlicher Betäubung der Nerv wieder ‚befreit’ wird. Wenn aber beispielsweise bei Rheumapatienten zusätzlich das Sehnengleitgewebe geschwollen ist, dann kann es nur in einer offenen Operation mit Betäubung des Unterarms entfernt werden. Die schmale Narbe ist später kaum zu sehen“, erläutert Oberarzt Dr. Burkhard Mai. In der Regel sind Patienten nach einem solchen Eingriff – ob endoskopisch oder offen – relativ schnell schmerzfrei, weil der „Strom“ wieder frei fließen kann. Lange bestehende Gefühlsstörungen erholen sich dagegen nur langsam. Deshalb sollte eine Operation nicht hinausgezögert werden.

Von Dr. Gisela Heimbach

www.vitos-okk.de

Quelle: HNA

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