Erstmals steht in Deutschland ab diesem Herbst Lebend-Impfstoff gegen Influenza-Viren zur Verfügung

Grippe-Impfstoff zum Sprühen

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Triefnase: Ein typisches Symptom einer Grippe-Infektion. Die Viren gelangen vor allem über die Nasenschleimhaut in den Körper.

Ich habe gelesen, dass eine Grippe bei Kindern unter Umständen lebensbedrohlich verlaufen kann. Ist ein Impfung gegen Grippeviren bei Kindern sinnvoll?“, fragt eine Leserin aus Baunatal.

„Neben den für eine Grippe typischen Symptomen wie Fieber, Triefnase, Kopf- und Gliederschmerzen kann eine Infektion mit Grippeviren bei Kindern im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung führen“, sagt Gerhard Bleckmann, Kinderarzt aus Baunatal und Obmann der Kinderärzte in Nordhessen. Der Grund: Bei Kindern ist das körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) noch nicht so ausgereift wie bei einem Erwachsenen.

Ebenso gefährdet sind Menschen über 60 Jahre, weil deren Immunsystem schwächer ist als bei jungen Menschen. Für diese Altersgruppe empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Impfung gegen Grippe (Influenza).

Kinder Hauptüberträger

Bei Kindern hält Bleckmann eine Impfung aus zwei Gründen für sinnvoll: Zum einen sind Kinder wegen ihres noch anfälligen Immunsystems von einer Influenza-Infektion besonders bedroht. Besteht eine Infektion, kann diese das Immunsystem über mehrere Wochen nahezu lahmlegen, sodass die Kinder auch für andere Infektionen anfällig sind. Zum anderen sind Kinder die Hauptüberträger der Grippeviren und somit gewissermaßen eine Gefahr für ältere Menschen.

Ab diesem Herbst steht in Deutschland erstmals ein Grippe-Impfstoff zur Verfügung, der in Form eines Nasensprays verabreicht wird. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Lebend-Impfstoff. „Dabei werden lebende, abgeschwächte Viren auf die Nasenschleimhaut gesprüht“, erklärt Bleckmann. Sie lösen leichte, kaum wahrnehmbare grippeähnliche Symptome aus, spielen dem Körper im Grunde eine Grippe vor. Darauf reagiert das Immunsystem. Im Gegensatz zu einer konventionellen Impfung mit Tot-Impfstoffen, die in den Körper injiziert werden, bekämpft der Körper die Viren bereits, wenn diese in die Nase eindringen.

Lang anhaltender Schutz

Außerdem regt laut Bleckmann der Lebend-Impfstoff eine stärkere Bildung von Gedächtniszellen an, die wiederum die Bildung von Antikörpern im Blut steuern, die die Influenza-Viren bekämpfen. „Dadurch entsteht ein lang anhaltender Schutz“, sagt der Kinderarzt. Einfach gesagt: Die Gedächtniszellen merken sich die Influenza-Viren und können bei einer erneuten Virenattacke schneller reagieren. „Die Impfung ist für Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren sinnvoll“, sagt Bleckmann. Bei Erwachsenen würden lebende Viren aufgrund bereits durchgemachter Grippe-Infektionen direkt bekämpft und seien wirkungslos. Bei Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren seien Tot- und Lebend-Impfstoffe gleichermaßen wirksam. (mkx)

Quelle: HNA

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