Gezielte Therapie bei Brustkrebs

Mit zirka 75 000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Brustkrebs die häufigste bösartige Tumorart bei Frauen. Nach der operativen Entfernung des Tumors folgt meist eine mehrwöchige Bestrahlung, die jedoch mit einer neuen Behandlung verkürzt werden kann.

Mithilfe einer Bestrahlung während der Operation kann mit einem neuen Verfahren diese lange, belastende Bestrahlung verkürzt werden. In einzelnen Fällen kann sie sogar ganz entfallen.

Prof. Dr. Thomas Dimpfl, Direktor der Frauenklinik und Leiter des Interdisziplinären Brustzentrums am Klinikum Kassel, informierte betroffene Patientinnen in der Telefonsprechstunde zur „In- traoperativen Strahlentherapie“ (IORT).

Ich bin 63 Jahre alt und bei mir wurde Brustkrebs diagnostiziert. In der kommenden Woche soll eine brusterhaltende Operation erfolgen. Ist meine Situation für die neue Therapie geeignet? 

PROF. THOMAS DIMPFL: Soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann, sind Sie für die intraoperative Strahlentherapie geeignet. Während des zirka 45-minütigen Eingriffs wird das Tumorbett, also die Region, wo der Tumor vorher war, direkt bestrahlt. Die anschließende herkömmliche Bestrahlung kann um knapp zwei Wochen verkürzt werden.

Ich bin 71 Jahre alt und habe vorzehnTagen einen Knoten in meiner Brust gefunden und war damit beim Frauenarzt. Der hat mich ins Brustzentrum geschickt, wo der unklare Befund gestanzt wurde. Das Ergebnis ist ein Brustkrebs in einer Größe von einem Zentimeter. Ist das eine passende Situation für die intraoperative Bestrahlung? 

PROF. DIMPFL: Das ist nahezu die ideale Situation. Bei diesem kleinen Befund kann man nahezu mit Sicherheit brusterhaltend operieren. Durch die Bestrahlung während der Operation wird das ehemalige Tumorbett exakt bestrahlt. Die später anschließende Bestrahlung kann bei Patientinnen über 70 Jahre in so einer Situation sogar ganz entfallen. 

Meine Mutter ist 87 Jahre alt und hat vor kurzem die Diagnose Brustkrebs bekommen. Allerdings scheut sie eine Operation, da sie einen Herzschrittmacher hat. Was raten Sie uns? Käme für sie eine intraoperative Strahlentherapie infrage?  

PROF. DIMPFL: Wenn Ihre Mutter relativ fit ist, rate ich auf jeden Fall dazu, den Tumor operativ entfernen zu lassen. Während des kleinen Eingriffs kann auch bestrahlt werden. Statistisch gesehen wird Ihre Mutter nach dem Eingriff noch mehrere Jahre gut leben können, denn die Gefahr, dass der Krebs erneut zurückkommt, ist relativ gering.

Sollte sie sich jedoch gegen eine Operation entscheiden, können sich eher Metastasen bilden, die beispielsweise auch die Knochen befallen können. Dies kann sehr schmerzhaft sein und die Lebensqualität enorm ein- schränken. Bei mir wurden nach der Diagnose Brustkrebs auf einer Seite die Brustdrüsen entfernt und ein Implantat eingesetzt.

Ein Jahr nach Ende der Chemotherapie wurde das Implantat wegen einer Verkapselung ausgewechselt. Würden Sie mir zur intraoperativen Strahlentherapie raten?

PROF. DIMPFL: Da während der Mastektomie das gesamte Drüsengewebe entfernt wird, ist eine intraoperative Bestrahlung in Ihrem Fall definitiv nicht empfehlenswert. Nur wenn Brustdrüsengewebe vorhanden ist und es sich um die Erst-Operation handelt, kommt die Strahlentherapie zum Einsatz. 

Bei mir wurde Brustkrebs mit Tumorstadium G3 diagnostiziert. Nach der Operation habe ich bisher die fünfte Chemotherapie hinter mir. Danach folgt die Bestrahlung. Kommt für mich das neue Therapieverfahren infrage? 

PROF. DIMPFL: Die intraoperative Strahlentherapie wird nur im Rahmen der Erst-Operation angewendet. In Ihrem Fall müsste die Operations-Narbe erneut geöffnet werden, um den kugelförmigen Applikator zu positionieren und davon rate ich Ihnen ab. 

Nach meiner Brustkrebs-Operation im Jahr 2011 werde ich mit einer Anti-Hormontherapie behandelt. Ist diese Therapie zeitlich begrenzt oder kann ich die Behandlung verlängern? 

PROF. DIMPFL: Eine antihormonelle Therapie kommt bei Patientinnen mit einem Hormonrezeptor-positiven Tumor zum Einsatz. Ziel dieser Behandlung ist es, körpereigene Hormone, die das Wachstum von Krebszellen fördern können, auszuschalten. Liegt keine Risikoveranla- gung vor, ist diese Therapieform auf einen Zeitraum von fünf Jahren angesetzt und sollte dann auch beendet werden.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.