Gesundheit im Gleichgewicht

Etwa jeder siebte Deutsche leidet an Reizdarmsyndrom (RDS), Frauen doppelt so häufig wie Männer. Das RDS ist eine Funktionsstörung des Darms. Trotz gründlicher Untersuchungen lässt sich keine organische Ursache finden.

Typisch für das RDS ist eine Vielfalt von Symptomen wie Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, Verstopfung und Durchfall. Die Betroffenen sind in ihrer Lebensqualität oft erheblich beeinträchtigt.

Die Ayurveda-Medizin mit ihrem ganzheitlichen Ansatz betrachtet das RDS nicht nur als Erkrankung des Darms, sondern als Ausdruck eines Ungleichgewichtes im gesamten Organismus. Folglich ist es Ziel der ayurvedischen Behandlung, durch Veränderung der Lebensweise, Umstellung der Ernährung, Kräuterpräparationen und ausleitende Maßnahmen das individuelle Gleichgewicht des Patienten wiederherzustellen.

Dr. Hilde Kartes-Sigwart ist Ärztin für Allgemeinmedizin, Ayurveda-Medizin und Homöo- pathie und hat unsere Leser während der Telefonsprechstunde am Montag beraten.

Ich bin weiblich, 79 Jahre alt und leide bereits seit vielen Jahren unter Darmproblemen. Nach einer Darmspiegelung hat meine Hausärztin das Reizdarmsyndrom diagnostiziert. Haben Sie einen Rat für mich?  

DR. HILDE KARTES-SIGWART: Der Reizdarm ist eine Ausschlussdiagnose. Im Vorfeld werden also sämtliche Erkrankungen mithilfe von Darm-, Blut- und Stuhluntersuchungen ausgeschlossen, die die Symptome hervorrufen können.

In der Ayurveda-Medizin haben sich spezielle pflanzliche Medikamente und indischer Flohsamen zur Regulierung des Darms bewährt. Die in den Samen enthaltenen Schleimstoffe quellen im Darm auf und regen die Verdauung an. Gewürze wie Ingwer und Kreuzkümmel wirken sich ebenfalls positiv auf die Verdauung aus und wirken entblähend.

Bei Verstopfung empfiehlt der Ayurveda eine Mischung aus den Gewürzen Hing, schwarzem Pfeffer und Steinsalz. Sie sollten warme Speisen bevorzugen, die Hauptmahlzeit mittags essen und abends eine leichte Gemüsesuppe.

Ich bin männlich, 62 Jahre alt und habe ständig Probleme mit Blähungen. Mein Stuhlgang ist normal und auch die Häufigkeit, trotzdem bin ich in meiner Lebensqualität stark eingeschränkt. Sämtliche Untersuchungen bei meinem Hausarzt blieben ohne Befund. Wie kann ich meinWohlbefinden verbessern?   

KARTES-SIGWART: Ihre Beschwerden sind charakteristisch für eine Verdauungsstörung, die sich ayurvedisch gut behandeln lässt. Meist hängen diese Beschwerden mit der Ernährung und dem Lebensstil zusammen.

In der Ayurveda-Lehre geht man davon aus, dass in jedem Menschen die drei biologischen Kräfte Vata, Pitta und Kapha wirksam sind, die sogenannten Doshas. Jeder Mensch verfügt über eine individuelle Zusammenstellung dieser Bioenergien. Wenn diese Mischung jedoch aus der Balance gerät, können Krankheiten entstehen.

Aus ayurvedischer Sicht ist es sehr hilfreich, seine Dosha-Konstellation zu kennen, um das individuelle Gleichgewicht wieder herzustellen und für ein gesundes Wohlbefinden zu sorgen.

Ich bin weiblich, 73 Jahre alt und ich leide unter starken Krämpfen und Blähungen. Im April dieses Jahres wurde ich wegen einer Darm-Entzündung mit Bakterien antibiotisch behandelt. Was kann ich gegen diestarken Bauchkrämpfe tun? 

KARTES-SIGWART: Antibiotika wirken sich auf alle Darmkeime aus – sowohl auf die schlechten als auch auf die guten. Ihre Darmflora ist daher vermutlich stark beeinträchtigt. Eine umfassende Ayurveda-Behandlung mit ausleitenden Maßnahmen und einer Darmsanierung kann helfen, das innere Gleichgewicht und die Darmflora wieder herzustellen. Sie sollten aber auf jeden Fall mit Ihrem Hausarzt über Ihre Beschwerden sprechen. 

Ich bin weiblich, 78 Jahre alt und habe sehr oft dünnen Stuhlgang. Wegen eines Brustwirbelbruchs nehme ich hochdosiertes Ibuprofen gegen die Schmerzen ein. Ich hatte schon immer dünnen Stuhlgang, aber seit zirka vier Wochen hat sich die Anzahl auf fünf Stuhlgänge am Tag erhöht. Das schränkt mich sehr ein, ich gehe kaum noch vor die Tür. Gibt es Lebensmittel, die ich besser vermeiden sollte? 

KARTES-SIGWART: Ein dünner Stuhlgang kann mehrere Ursachen haben und sollte medizinisch untersucht werden. Ein Grund könnte eine eingeschränkte Fettverdauung sein. An diesem Vorgang sind meh- rere Organe wie Galle, Magen und Bauchspeicheldrüse beteiligt. Gerät dieser empfindliche Kreislauf durcheinander, kann es zu Funktionsstörungen kommen.

Die Einnahme von Ibuprofen hat ebenfalls einen Einfluss auf die Magen-Darmschleimhaut und könnte Ihre Beschwerden mit verursachen. In Rücksprache mit Ihrem Arzt sollten Sie eventuell die Dosis des Magenschutz-Präparates erhöhen und eine Stuhl- Untersuchung auf Verdauungsrückstände durchführen lassen.

Meine Empfehlung zur Ernährung ist, leicht verdauliche Nahrung zu essen und zu beobachten, ob spezielle Unverträglichkeiten vorliegen. Ein Ernährungstagebuch hilft, einen Überblick über das eige ne Essverhalten zu gewinnen und gut verträgliche Lebensmittel auszumachen.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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