Das Geräusch im Ohr verlernen

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Ohr ganz groß: Doktor Gerhard Hesse und die Tinitus-Betroffene Elke Knörr gehörten zu den Referenten beim Symposium, wo es um die Besonderheiten des Innenohrs ging.

Das jährliche Symposium der Tinitus-Klinik hat eine lange Tradition. Viele Patienten informierten sich auch diesmal wieder über die Besonderheiten der Krankheit und Therapiemöglichkeiten. In den Räumen der Klinik waren am Vormittag 60 Teilnehmer in Workshops aktiv.

Am Nachmittag referierten Prof. Dr. Gerhard Hesse, Chefarzt der Tinitus-Klinik, und Dr. Helmut Schaaf über Fortschritte bei den Behandlungsmöglichkeiten. Den Ärzten zufolge versprechen neue Techniken die Heilung von chronischem Tinitus.

Eine grundlegende Erkenntnis dafür sei, dass das menschliche Gehirn in jedem Lebensalter dazulernen könne. „Genauso kann das Gehirn auch den Tinitus verlernen“, erklärte Hesse beim Symposium.

Bisher seien Experten der Meinung gewesen, die Krankheit sei nur zu bewältigen, indem man sie akzeptiert. Neue Methoden wecken bei Ärzten und Patienten Hoffnung auf vollständige Genesung.

Schwindeltherapien

Im Vortrag über Schwindeltherapien erläuterte Schaaf den Zusammenhang zwischen Gleichgewichtsstörungen und seelischem Ungleichgewicht. Viele Betroffene wissen demnach nicht, dass Probleme mit dem Gleichgewicht häufig aus psychischer Belastung resultieren.

Die Sicht der Patienten präsentierte Elke Knörr, Geschäftsführerin der bundesweiten Selbsthilfeorganisation „Tinitus-Liga“. Die Referentin leidet selbst seit Jahren unter Tinitus und kennt die Interessen der Betroffenen daher aus eigener Erfahrung. Bei ihr selbst sei die Störung im Ohr durch Stress und Trauer entstanden. Mithilfe von kleinen Tricks im Alltag sei es ihr gelungen, mit der Krankheit fertig zu werden. „Während ich mich mit Dingen beschäftige, die mir gut tun, merke ich den Tinitus nicht“, sagte Knörr.

Außerdem helfe es, gesund zu leben und viel Wasser zu trinken. Die Tinitus-Liga, der deutschlandweit 16 000 Mitglieder angehören, setzt sich seit 24 Jahren für die Bedürfnisse der Patienten ein. Knörr ist sich sicher, dass die finanziellen Mittel in den Praxen für die Tinitus-Behandlung weiter sinken. Dennoch seien die Therapiemethoden vielschichtig und für den Einzelnen bezahlbar. Dazu gehören etwa hilfreiche Übungen in Gruppen.

Das Symposium fiel in diesem Jahr etwas kleiner aus als sonst. Trotzdem kamen viele Patienten der Tinitus-Klinik und darüber hinaus auch Externe. Im nächsten Jahr soll die Veranstaltung wieder ausgeweitet werden.

Von Stefanie Dietzel

Quelle: HNA

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