Gallen-OP durch Bauchnabel

Etwa 99 Prozent aller Gallenblasen-Operationen werden am Kasseler Elisabeth-Krankenhaus bereits mithilfe der so genannten Schlüsselloch-Chirurgie (Laparoskopie) vorgenommen.

Dazu sind in der Regel drei kleine Einschnitte im oberen Bauchraum nötig, durch die zwei Instrumente und eine Kamera eingeführt werden. Mit einem neuen Operationsverfahren ist für die gleiche Operation jetzt nur noch ein einziger Schnitt nötig.

„Durch ein spezielles Ein-Port-System können die zwei Operationsinstrumente und die Kamera durch ein etwa 2,5 Zentimeter großes Loch im Bauchnabel eingeführt werden“, erklärt Dr. Armin Brüggemann, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Elisabeth-Krankenhaus. Das System besteht aus einer Art flexiblem Trichter, der von innen und außen die Einschnittstelle luftdicht abschließt. Darauf kommt ein mit einer Gelkammer versehener Aufsatz, durch den die Instrumente eingeführt werden. Es gibt zwar schon Ein-Port-Systeme, dafür sind aber neue, speziell geformte Instrumente notwendig.

Schnitt kaum zu erkennen

„Bei unserem System können wir unsere herkömmlichen Instrumente für minimalinvasive Operationen weiter verwenden“, sagt der Chirurg. Laut Brüggemann bietet das Ein-Port-System (Single Incision) aber vor allem für die Patienten entscheidende Vorteile: Der kleine Einschnitt im Nabel ist nach wenigen Tagen kaum mehr zu erkennen. Wichtiger als der kosmetische ist jedoch der medizinische Vorteil. „Die Patienten genesen schneller, haben nach der Operation weniger Schmerzen und können das Krankenhaus schneller wieder verlassen“, sagt er.

Während bei der herkömmlichen Laparoskopie drei bis fünf Tage im Krankenhaus einzuplanen sind, können beim Ein-Port-Verfahren die Patienten bereits nach zwei Tagen das Krankenhaus wieder verlassen. Außerdem ist durch den luftdichten Abschluss der Einschnittstelle das Risiko für Infektionen in diesem Bereich deutlich niedriger. Ein weiterer Vorteil: Die Gallenblase muss beim Entfernen aus dem Bauchraum nicht in einen Plastikbeutel „verpackt“ werden. Das ist bei der bisherigen Methode nötig, um Infektionen durch den Kontakt der Gallenblase mit der Innenhaut des Bauchraumes an der Einschnittstelle zu vermeiden.

„Das Ein-Port-Verfahren eignet sich auch für Blinddarm- und Leistenbruch-Operationen sowie für einige Dickdarm-Operationen“, sagt Brüggemann. Am Elisabeth-Krankenhaus ist das Verfahren zunächst nur für Gallenblasen-Operationen vorgesehen.

Von Mirko Konrad

Quelle: HNA

Kommentare