Die Füße müssen viel ertragen

Die menschlichen Füße müssen im wahrsten Sinn des Wortes viel ertragen. Sie sind der meistbeanspruchte Teil unseres Körpers. Ein Fuß ist ein hoch kompliziertes Gebilde: Er besteht aus 26 Knochen, 27 Gelenken, 32 Muskeln und Sehnen und 107 Bändern, sowie 1700 Nervenenden.

Ein 70 Kilogramm schwerer Mensch federt nach einer wissenschaftlichen Studie des Orthopäden Professor Nicola Maffulli, London, pro Tag rund 2520 Tonnen Gewicht ab. Trägt eine 60 Kilogramm schwere Frau Schuhe mit hohen, schmalen Absätzen, setzt sie jede ihrer Fersen einem 28mal so hohen Druck wie ein erwachsener Elefant jedem seiner Füße aus. Kein Wunder also, dass nach der Studie in 16 europäischen Ländern 60 Prozent der untersuchten Personen Fehlstellungen an mindestens einem Fuß hatten.

Gerade ältere Menschen leiden unter den Folgen des Gewichts, das ihre Füße bis dato tragen mussten: Oft bilden sich Hammerzehen oder Senkfüße, verleidet ein Fersensporn das Laufen oder wachsen Fußnägel schmerzhaft ein.

Cornelia Klute-Pfitzner, Oberärztin der Chirurgie am Krankenhaus in Bad Arolsen und Spezialistin für Fußoperationen, beantwortete denn auch pausenlos Fragen unserer Leserinnen und Leser in der HNA-Telefonsprechstunde.

Bei mir hat sich eine Hammerzehe am ersten Zeh nach dem Großen Zeh ausgebildet. Ich kann kaum noch Schuhe ertragen und habe Schmerzen beim Gehen. Wieso bekommt man überhaupt so eine Hammerzehe?

Klute-Pfitzner: Ein Hammerzeh ist ja eine Fehlstellung des Zehs mit einer Beugung im Mittelgelenk, so dass dieses nach oben abknickt. Man bekommt diese Fehlstellung meist durch zu enge Schuhe. Bei einem Kind achtet man immer darauf, dass zwischen dem längsten Zeh des Fußes und dem vorderen Ende des Schuhs ein Daumen breit Platz ist. Eigentlich sollte man das auch als erwachsener Mensch als Maßstab nehmen. So zwängen wir aber unsere Füße ein. Oft sind der zweite und dritte Zeh länger als der Große Zeh. Beim Laufen stoßen sie an den vorderen Rand und werden dauernd gestaucht. Als Folge kann sich der Hammerzeh entwickeln.

Ich habe wirklich Füße zum Wegwerfen. Seit sechs Jahren leide ich unter einem Hallux Valgus. Außerdem ist mein Mittelfußknochen abgesenkt, der gesamte Knorpel dort verbraucht und die Knochen reiben aneinander. Ich habe extreme Schmerzen, mein Fuß schwillt tagsüber stark an. Ich habe Einlagen bekommen, die aber nichts bewirkt haben. Welche Möglichkeit sehen Sie?

Klute-Pfitzner: Man muss einmal schauen, wie beweglich Ihr Fuß noch ist. Bei Ihnen hat sich sicherlich das Mittelfußköpfchen nach unten gedrückt und muss nun aus seiner Belastungslage herausgenommen werden. Das geht mit einer kleinen Operation. Gleichzeitig sollte die Großzehe mit dem Hallux Valgus fixiert werden.

Ich habe eine starke Arthrose im Großzehengelenk. Mein Orthopäde meint, der Zeh solle versteift werden. Das möchte ich aber nicht. Man kann doch auch ein künstliches Gelenk in dem Bereich einsetzen?

Klute-Pfitzner: Das kann man, aber mit einem Kunstgelenk hat man in dem Bereich bislang keine guten Erfolge verbucht. Der ganze Druck geht ja auf dieses kleine Gelenk, so dass sich bei der Hebelwirkung künstliche Gelenke sehr schnell lockern. Es ist wesentlich besser, das Gelenk zu versteifen. Das hört sich für Betroffene immer schrecklich an, aber der Zeh wird in einer leichten Winkelung von fünf bis acht Grad nach oben fixiert, so dass ein Abrollen des Fußes nach wie vor möglich ist. Meistens braucht man weder eine Spezialsohle noch eine Abrollhilfe im Anschluss. Es gibt sogar Leute, die damit noch joggen können.

Ich habe kommende Woche einen Termin, bei dem mein Großzehengelenk versteift werden soll. Wie lange wird es dauern, bis ich wieder schmerzfrei laufen kann?

Klute-Pfitzner: Beim Versteifen des Zehs wird Metall eingezogen, das erst einmal einwachsen muss. Dazu brauchen Sie einen Vorderfußentlastungsschuh, da der Fuß für sechs bis acht Wochen nur auf der Ferse belastet werden darf. Als Genesungszeit müssen Sie ein Vierteljahr einplanen. Wenn Sie Raucher sind, wird es ungefähr ein halbes Jahr dauern.

Ich habe immer kalte Füße. Besonders nachts tun sie beim Hochlegen auch weh und sind eiskalt. Woher kann das kommen?

Klute-Pfitzner: Das hört sich nicht nach einem orthopädischen Problem an. Sie sollten unbedingt Ihren Hausarzt konsultieren und dort Ihre gesamt Kreislaufsituation abklären lassen. Das Herz, die Gefäße, die Durchblutung und auch die Nerven sollten geprüft werden.

Ich bin vor einiger Zeit stark mit dem Fuß umgeknickt. Sechs Wochen danach bekam ich plötzlich ein starkes Brennen und Schmerzgefühl unten außen an der Ferse. Kann das noch daher kommen?

Klute-Pfitzner: Ja, das ist durchaus möglich. Beim Umknicken sind vermutlich die langen Sehnen, die hinter dem Außenknöchel entlang unter den Fuß gehen, aus ihrer Führung herausgerutscht. Sie rutschen zwar wieder rein, aber vermutlich ist eine Halterung gerissen, so dass die Sehnen jetzt schwingen und für die Beschwerden sorgen.

Wenden Sie sich zur Behandlung am besten an einen Orthopäden oder an einen Fußchirurg.

Von Susanne Seidenfaden

Quelle: HNA

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