Früherkennung ist das Aund O

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Die Zuckerkrankheit bestimmt jeden Schritt: Schmerzende und juckende Füße beeinträchtigen die Lebensqualit.

Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Füßen – das diabetische Fußsyndrom ist einer der häufigsten und beängstigenden Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus. Etwa jeder Vierte Diabetiker entwickelt im Laufe seiner Erkrankung ein diabetisches Fußsyndrom.

50 Prozent aller Krankenhaustage bei Diabetikern werden auf die Behandlung von Fußläsionen zurückgeführt. In etwa 29 000 Fällen pro Jahr – das entspricht etwa 15 Prozent aller Diabetiker – kommt es zu einer Amputation von Zehen oder des Fußes.

Der Diabetologe Dr. Ortwin Mann, Chefarzt der Gastroenterologie und Onkologie am Elisabeth-Krankenhaus Kassel, hat Anrufer während der Telefonsprechstunde am vergangenen Montag zum Thema diabetisches Fußsyndrom beraten.

Ich bin bereits seit 20 Jahren Diabetikerin und leide seit Kurzem unter Taubheit in beiden Füßen. Ich habe das Gefühl, wie auf Watte zu laufen. Zudem sind meine Füße oft kalt und die Haut recht trocken. Was kann ich tun?   

DR. ORTWIN MANN: Die Symptome, die Sie beschreiben, sprechen für eine Polyneuropathie, also eine Schädigung der Nerven. Betroffene nehmen Schmerzen an den Füßen gar nicht oder nur eingeschränkt wahr. In der Folge kann es zu Fehlhaltungen des Fußes oder einer vermehrten Hornhautbildung mit Schwielen kommen. Brechen diese Schwielen auf, können kleine Wunden entstehen, die sich mit Bakte- rien infizieren und zu Geschwüren auswachsen.

Aufgrund der Nervenschädigung vermindert sich außerdem die Schweißproduktion, in der Folge weiten sich die Hautgefäße und die Haut wird trocken und rissig. Vom Taubheitsgefühl in den Füßen und trockener Haut sind viele Zuckerkranke betroffen. Ich rate Ihnen, Ihre Fußsohlen jeden Tag mithilfe eines Spiegels zu kontrollieren. Auch der regelmäßige Besuch bei der podologischen Fußpflege hilft, mögliche Verletzungen frühzeitig zu behandeln.

Zudem empfiehlt es sich, bei einem orthopädischen Schuhmacher individuelle Schuhe anfertigen zu lassen, die die betroffenen Stellen vor einer Druckbelastung schützen. Zusätzlich sollten Diabetiker neben der jährlichen Kontrolle beim Augenarzt auch einmal pro Jahr einen Neurologen aufsuchen.

Ich bin männlich und bereits seit vielen Jahren Diabetiker. An meinen Zehen kommt es häufig zu Blasenbildungen. Eine dieser Blasen hatte sich so stark entzündet, dass mir der betroffenen Zeh amputiert werden musste. Können Sie mir sagen, wie diese Blasen entstehen und was ich tun kann, um sie zu vermeiden? Denn meist spüre ich keine Schmerzen in den Füßen und bemerke die Blasen erst, wenn ich die Socken ausziehe und die Blasen sehe. 

DR. MANN: Ihre Beschreibung ist symptomatisch für ein diabetisches Fußsyndrom. In Ihrem Fall rate ich Ihnen dringend, die Füße täglich auf Druckstellen hin zu untersuchen. Denn je früher die betroffenen Stellen entdeckt und behandelt werden, umso geringer ist die Blasenbildung. Da Ihre Nerven im Fuß geschädigt sind, spüren Sie den schmerzhaften Druck durch eventuell zu enges Schuhwerk nicht und es kommt zur Bildung der Blasen. Wenn sich im Anschluss eine offene Stelle bildet, sammeln sich dort Bakterien und können schmerzhafte Entzündungen auslösen.

Ein von einem orthopädischen Schuhmacher speziell auf Ihre Bedürfnisse angepasster Schuh entlastet die betroffenen Stellen und verringert die Gefahr der Blasenbildung. Wenn Sie die Druckstellen und Blasen selbst behandeln, soll- ten Sie ein antiseptisches Spray auf die Wunde sprühen und die betroffenen Stellen mit Wundwatte oder einem weichen Verband, der nicht zu fest sitzen darf, schützen.

Bei mir wurde im Jahr 2011 Diabetes Typ II festgestellt. Bei der letzten Langzeitmessung betrug der HbA1c-Wert 6,2. Ich gehe regelmäßig zur Fußpflege und habe keine Probleme mit Schwielen oder Druckstellen. Trotzdem leide ich seit längerer Zeit unter schmerzenden und kribbelnden Füßen, auch in der Nacht. Woran liegt das? 

DR. MANN: Das diabetische Fußsyndrom resultiert aus zwei Faktoren: Zum einen der Schädigung des Nervensystems, der Polyneuropathie, welche zu schmerzlosen Druckgeschwüren führt, und zum anderen der Schädigung der Blutgefäße des Fußes, welche zu Durchblutungsstörungen führt.

 Obwohl Ihr Zucker gut eingestellt ist – Ihr HbA1c-Wert liegt in einem guten Bereich – könnte in Ihrem Fall eine Durchblutungsstörung vorliegen. Das bedeutet, dass die Arterien im Unterschenkel zu wenig Blut in den Fuß transportieren. Die Therapie dieser peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) besteht aus der Einnahme von blutverdün- nenden Medikamenten, geeignetem Schuhwerk und Gehtraining. Gefäßengstellen lassen sich auch operativ weiten, um die Durchblutung wieder herzustellen.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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