Fettarme Frischmilch im Test: Leiden Geschmack und Nährstoffe beim Haltbarmachen?

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Welche Frischmilch soll es sein: Die traditionell pasteurisierte, die sich acht bis zwölf Tage hält, oder ESL-Milch, die es auf rund drei Wochen bringt? Der Test zeigt: Sieger gibts auf beiden Seiten. Stiftung Warentest nimmt ESL-Milch unter die Lupe.

Fast zwei Drittel aller frischen Milchen, die in deutschen Einkaufskörben landen, sind heute ESL-Milch. ESL bedeutet übersetzt „längere Lebenszeit im Regal“. Sie ist rund zwei Wochen länger haltbar als ihre Konkurrentin, die traditionell herge­stellte Frischmilch. In der Frischmilchwelt hat sie bereits für viel Ärger gesorgt, denn sie wurde vor Jahren nahezu inkognito eingeführt – und war kaum von der traditionell pasteurisierten zu unterscheiden.

Alle heißen „pasteurisiert“

Auslöser war 2007 eine Änderung der Kennzeichnungsverordnung für Konsummilch. Seitdem taucht bei der traditionell hergestellten Frischmilch wie auch bei der ESL-Milch der Begriff „pasteurisiert“ auf. Dabei ist bei der traditionellen eine Kurzzeiterhitzung bis zu 75 Grad gemeint, bei der ESL-Milch kann es eine Hocherhitzung auf bis zu 130 Grad sein. Damit Verbraucher eine Chance haben, die richtige Milch zu finden, rang sich die Industrie 2009 zu einer freiwilligen Regelung durch: „länger haltbar“ steht auf ESL-Milch, „traditionell herge­stellt“ auf der anderen.

Die Lebenszeit von Frischmilch kann noch auf einem anderen Weg ausgedehnt werden: indem sie vor dem Pasteurisieren mikrofiltriert wird. Bei dem relativ neuen Verfahren der Mikrofiltration werden die Keime über Membranen aus der Milch her­aus­gefiltert.

Im Test konkurrieren also drei Gruppen: zwei Typen ESL-Milch und traditionelle Frischmilch. Alle 24 Frischmilchen haben aber eines gemeinsam: Sie sind fettarm, haben also einen Fettanteil von 1,5 bis 1,8 Prozent. Fettarme Milch hat den größten Marktanteil.

Drei sind sehr gut

ESL-Milch und traditionelle Frischmilch – Sieger gibt es hier wie da: Sowohl die beiden traditionell hergestellten Milchen Hansano von Hansa-Milch und Landliebe von FrieslandCampina verdienen ein Sehr gut als auch die mikrofiltrierte Milch Tuffi, ebenso von Campina. Insgesamt überzeugen aber die mikrofiltrierten ESL-Milchen am meisten. Alle sind schonend mit Wärme behandelt, stehen auch beim Keimge­halt im Punkt Mikrobiologie sehr gut da. Nur bei den hocherhitzten ESL-Milchen gibt es noch etwas zu kritteln: Drei schneiden bei der schonenden Wärmebehandlung nur befriedigend ab, Milfina von Aldi (Süd) sogar ausreichend. Sie wurde wohl intensiv erwärmt, wie die Laboranalysen zeigen.

Auch in Sachen Geschmack sagt die Art der Herstellung allein nichts über die Qualität: Die sensorischen Verkostungen erlauben keine klare Zuordnung, um welche Art von Frischmilch es sich handelt. Ein leichter Kochgeschmack trat in allen Gruppen vereinzelt auf. Die Ergebnisse für Aussehen, Geruch, Geschmack und Nachgeschmack können sich aber sehen lassen: Zwei von drei Milchen schneiden tadellos ab. Sie rochen rein, schmeckten rein und vollmundig.

Alle Nährstoffe, die es braucht

In Sachen Nährwerte muss sich die länger haltbare Frischmilch nicht verstecken. Sie liefert alles Lebensnotwendige wie Eiweiß, Fett und Zucker. Bei Kalzium stellten die Tester keine Unterschiede zu traditionell hergestellter Milch fest: Ein Glas à 200 Milliliter liefert durchschnittlich 250 Milligramm Kalzium, ein Viertel des Tagesbedarfs für Erwachsene. Studien des Max-Rubner-Instituts belegen zudem: Was die Vitamine A, D und mehrere B-Vitamine betrifft, schneidet ESL-Milch kaum schlechter ab. (nh)

Quelle: HNA

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