Die Angst vor der Narkose

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Experte Dr Ulrich Fauth Anästhesist im Roten Kreuz Krankenhaus Kassel über

Im Jahr 2011 wurden laut Statistischem Bundesamt rund 15 Millionen Menschen in Deutschland operiert. Mit einem operativen Eingriff ist jedoch auch meist eine Narkose verbunden, die bei vielen Betroffenen Angst und Unsicherheit auslöst.

Was passiert bei einer Narkose? Inwieweit sind Sorgen berechtigt? Welche Arten der Anästhesie gibt es überhaupt? Priv.-Doz. Dr. Ulrich Fauth, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin am Roten Kreuz Krankenhaus Kassel, gibt eine Übersicht über die gängigen Narkoseverfahren und erklärt, wie sicher und gut verträglich diese heutzutage sind.

Welche Narkosemethoden gibt es?

Dr. Ulrich Fauth: „In der Anästhesie unterscheidet man zwischen der Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) und der Regionalanästhesie. Bei der Vollnarkose werden mithilfe von Narkosemitteln das Bewusstsein und das Schmerzempfinden des Patienten ausgeschaltet. Bei der Regionalanästhesie werden nur einzelne Körperregionen betäubt, der Patient ist also während des Eingriffs bei Bewusstsein. Je nachdem, an welcher Körperstelle der Eingriff durchgeführt wird, kommen unterschiedliche Formen der Regionalanästhesie zum Einsatz. So wird beispielsweise bei der Spinalanästhesie das Betäubungsmittel in den Wirbelsäulenkanal injiziert, was zu einem erwünschten Gefühlsverlust im Bereich des Beckens und der Beine führt. Bei der Plexus-Anästhesie, die für Eingriffe am Arm oder der Hand geeignet ist, wird das Betäubungsmittel in die Nähe der Nerven gespritzt, die den Arm beziehungsweise die Hand versorgen. Durch entsprechende Beruhigungsmittel kann der Patient bei der Regionalanästhesie in eine Art Dämmerzustand versetzt werden, bei der er zwar bei Bewusstsein ist, den Eingriff aber nur peripher wahrnimmt.“

Inwieweit sind die Ängste vor einer Vollnarkose berechtigt?

Dr. Fauth: „Unbegründet sind in der Regel Befürchtungen schwerer Komplikationen während der Vollnarkose, da gerade im Fachbereich der Anästhesie die Einhaltung von Leitlinien und Sicherheitsstandards einen außerordentlich hohen Stellenwert hat. Zudem befindet sich der Patient während der Operation unter ständiger Beobachtung durch einen Anästhesisten. Dieser kontrolliert kontinuierlich die Körperfunktionen des Patienten und kann bei Komplikationen sofort reagieren.

Wie verläuft eine Vollnarkose genau?

Dr. Fauth: „Bei der Vollnarkose wird zunächst eine Infusion gelegt, über die dem Patienten Beruhigungs- und Einschlafmedikamente zugeführt werden. Weiterhin ist eine unterstützende künstliche Beatmung erforderlich, die über einen flexiblen Kunststoffschlauch, den Tubus, erfolgt. Dieser wird je nach Eingriff in den Mund- oder Nasenbereich eingeführt. Abhängig von Indikation und Krankengeschichte des Patienten wird eine Kombination aus Schlaf- und Schmerzmitteln sowie Medikamenten zur Muskelerschlaffung über die Vene oder die Atemluft verabreicht. Ist die Operation beendet, wird die Zufuhr der Schlaf- und Narkosemittel unterbrochen, so dass der Patient innerhalb von fünf bis zehn Minuten wieder aufwacht.“

Besteht während der Operation die Gefahr aufzuwachen?

Dr. Fauth: „Der Anästhesist kann aufgrund von Faktoren wie Alter, Gewicht und Vorerkrankungen des Patienten sowie geplanter Operationsdauer die Narkosemedikamente sehr genau dosieren. Dadurch kann ein verfrühtes oder auch zu spätes Erwachen des Patienten ausgeschlossen werden. Zudem überprüft der Facharzt während des Eingriffs kontinuierlich die Narkosetiefe und kann die Narkose ggf. jederzeit verlängern oder aber auch aufheben.“ Welche Risiken bestehen bei der Vollnarkose? Dr. Fauth: „Die uns heute zur Verfügung stehenden Techniken und Medikamente ermöglichen eine risikoarme Narkose selbst bei sehr alten Patienten. Unangenehme Nebenwirkungen wie starke Übelkeit, Erbrechen oder lang anhaltende Müdigkeit nach einer Vollnarkose sind heutzutage eher die Ausnahme.“

Wovon hängt es ab, welche Narkosemethode zum Einsatz kommt?

Dr. Fauth: „Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Beispielsweise von der Art des Eingriffs und eventuellen Vorerkrankungen des Patienten. In einer intensiven Narkosevorbesprechung, dem so genannten Prämedikationsgespräch, erklärt der Anästhesist dem Patienten Vor- und Nachteile der in Frage kommenden Narkosemethoden. Zwar spricht der Facharzt eine Empfehlung aus, es ist aber immer der Patient, der die endgültige Entscheidung trifft.“

Narkose-Glossar

Allgemeinanästhesie (Narkose): Eine Kombination aus Medikamenten schaltet das Bewusstsein und Schmerzempfinden im ganzen Körper aus. Je nach Art des Eingriffs und Gesundheitszustandes des Patienten, werden unterschiedliche Kombinationen von Schlafmittel, Mittel gegen Schmerzen, muskelerschlaffende Medikamente sowie Medikamente zur Beeinflussung des vegetativen Nervensystems gegeben.

Narkose: Das Wort „Narkose“ lässt sich auf die griechischen Begriffe „narkōtikós“ und „nárkē“ zurückführen und bedeutet so viel wie „betäuben“ oder „Schläfrigkeit“.

Regionalanästhesie: Hierbei werden nur Teile des Körpers betäubt. Sie ist besonders geeignet für Eingriffe, bei denen eine wirksame Schmerzbehandlung nicht nur während, sondern auch nach der Operation gewünscht ist. Der Patient ist während des Eingriffs bei Bewusstsein.

Anästhesist: Auch Narkosearzt genannt, ist der wichtigste Ansprechpartner beim Thema Anästhesie/Narkose. In Abstimmung mit anderen Facharztgruppen erstellt er einen individuellen Behandlungsplan. Der Anästhesist ist ein auf Narkosen, Intensiv- und Notfallmedizin sowie Schmerztherapie spezialisierter Arzt. Bei operativen Eingriffen sorgt der Anästhesist durch entsprechende Narkosemittel für eine Voll- oder Teilnarkose des Patienten. Dabei überwacht er auch die Körperfunktionen des Patienten und erhält diese aufrecht. (Rotes Kreuz Krankenhaus/nh)

Quelle: HNA

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