Exakte Landung einer Gefäßprothese

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Die sitzt: Die Gefäßstütze der 78-jährigen Patientin wurde nah am Abzweig der Arm- und Halsschlagader platziert. Foto:  Klinikum/ nh

Am Klinikum Kassel wird seit Kurzem ein neues Verfahren beim Einsetzen von Gefäßstützen (Stents) in die Hauptschlagader eingesetzt. Dabei wird der Herzschlag des Patienten für kurze Zeit so reguliert, dass die Prothese exakt platziert werden kann.

Acht Patienten sind mithilfe dieses Rapid-Pacing-Verfahrens in den vergangenen Monaten bereits operiert worden. Unter anderem eine 78-jährige Patientin, die sich bei einer HNA-Telefonaktion wegen eines Einrisses in der Hauptschlagader (Aorta) an den Herzchirurgen gewandt hatte. Betroffen von solchen Problemen sind vor allem ältere Menschen, denn mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit von Gefäßerkrankungen. So kommt beispielsweise eine Erweiterung der Hauptschlagader (Aortenaneurysma) bei bis zu drei Prozent der über 65-Jährigen vor. Dadurch steigt die Gefahr, dass die Hauptschlagader einreißt. Und in der Aussackung könnte sich ein gefährliches Blutgerinnsel bilden, das kleinere Blutgefäße verschließen und so zu einer Embolie führen könnte.

Auch die 78-jährige Patientin wurde mit einer Gefäßstütze in der Hauptschlagader (Aortenprothese) versorgt. Denn solch ein Einriss in der Aorta ist lebensgefährlich, weil wichtige Gefäßabgänge zu den Organen abreißen können.

Das Einsetzen einer solchen Prothese erfolge am Klinikum Kassel minimal-invasiv, erläutert der Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, Privatdozent Dr. Ali Asghar Peivandi.

Einer der Gründe: Andere, ältere Verfahren, bei denen der Brustkorb seitlich geöffnet wird, um ein Stück der Hauptschlagader durch eine Prothese zu ersetzen, würden gerade ältere Patienten schwer überstehen. Auch könne diese Operationstechnik zu schweren Komplikationen wie einer Querschnittslähmung führen.

Zugang über Katheter

Weitaus schonender sei der Zugang mittels eines Katheters, der unter Röntgenkontrolle durch einen Arterienzugang in der Leiste zum erkrankten Bereich geführt wird. Ein zweiter Katheter wird über eine Vene bis zur rechten Herzkammer geschoben. An diesen wird ein Herzschrittmacher angeschlossen.

Um den Blutfluss und somit auch den Widerstand im Gefäß zu verringern, werde die Schrittmacherfrequenz so hoch eingestellt, dass das Herz kaum noch Blut pumpen kann. Diesen Zeitraum von ein bis eineinhalb Minuten nutze man, um die Gefäßstütze exakt und sicher so zu platzieren, dass sie festen und dauerhaften Halt an einer herzwärts gesunden Gefäßwand findet.

„Das Herz findet danach schnell und problemlos wieder in seinen eigenen Rhythmus zurück“, sagt der Herzchirurg. Der Patient bekomme von dieser Phase des Eingriffs nichts mit. Und die Erfolge dieses Verfahrens sowie die Langzeitprognose seien sehr gut. Denn da die Hauptschlagader einen Durchmesser von etwa 2,5 bis 2,7 Zentimeter habe, sei die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass sich ein solcher Stent einmal zusetzt.

Von Martina Heise-Thonicke

Quelle: HNA

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