Es ist nie zu früh –und nie zu spät

Und jetzt den Mund ganz weit aufmachen – bei diesen Worten entspannen die wenigsten. Der Besuch beim Zahnarzt ist jedoch die sicherste Möglichkeit, mögliche Erkrankungen früh zu behandeln und die eigenen Zähne bis ins hohe Alter zu erhalten.

 „Der Grundstein für gesunde Zähne wird bereits im Kindesalter gelegt“, sagt Dr. Bettina Ferrari, Zahnärztin aus Kassel. Sie hat Leser in der HNA-Telefonsprechstunde zur Pflege von Milchzähnen über die Behandlung von Angstpatienten und Schwangeren bis hin zur Implantatversorgung beraten.

Ich bin weiblich, 56 Jahre alt und leide unter extremen Empfindungsschmerzen im Gesicht, die mit ungewöhnlich starken Kopfschmerzen einhergehen. Gegen die Schmerzen nehme ich Medikamente ein. Vor zwei Jahren wurden mir die Weisheitszähne entfernt, kann es dabei zu einer Verletzung der Gesichtsnerven gekommen sein, die meine Beschwerden erklären? 

DR. BETTINA FERRARI: Eine genaue Diagnose von Nervenschmerz ist schwer zu treffen. Ihre Symptome sprechen jedoch nicht dafür, dass die Ursa- che in der Entfernung der Weisheitszähne liegt. Ich empfehle Ihnen zwei Herangehensweisen: Zunächst sollte ein Hals-Nasen-Ohren- Arzt die Kieferhöhle auf mögliche Entzündungen hin untersuchen.

Im zweiten Schritt empfehle ich Ihnen den Gang zu einer Schmerzambulanz. Dort widmet sich ein Team von Fachärzten mithilfe einer Kombination aus schulmedizinischen und naturheilkundlichen Therapien der Frage, was bei Ihnen den chronischen Schmerz auslöst und wie er in Ihrem Fall am besten behan delt werden kann.

Ich bin männlich, 47 Jahre alt und habe vor etwa 20 Jahren fünf Zahnfüllungen aus Amalgam bekommen. Seitdem habe ich das Gefühl, dass ich unter starken Taubheitsgefühlen im Bereich oberhalb der Augen leide. Könnten die Amalgamfüllungen die Ursache für die Beschwerden sein? 

DR. FERRARI: In den vergangenen Jahren gerieten Amalgamfüllungen vermehrt in den Ruf, gesundheitsgefährdend zu sein. Es ist jedoch nicht nachgewiesen, dass ordnungsgemäß gelegte Amalgamfüllungen der Gesundheit schaden. Ich würde Ihnen raten, mithilfe einer Röntgenaufnahme zu untersuchen, ob die Füllungen intakt sind. Sollten sie unversehrt sein und Sie sich dennoch mit den Amalgamfüllungen nicht wohlfühlen, können Sie die Füllungen ganz unkompliziert austauschen lassen. 

Ich habe große Angst vor dem Zahnarztbesuch und schiebe den Termin ständig vor mir her. Was kann ich dagegen tun?   

DR. FERRARI: Zur Beruhigung der Patienten gibt es zahlreiche Methoden wie der Einsatz von Lachgas oder die Ablenkung mit Musik. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein ausführliches Gespräch vor und während der Behandlung auf die Patienten beruhigend wirkt.

Ich empfehle Ihnen, offen mit Ihrem Zahnarzt über Ihre Ängste zu sprechen und welche Möglichkeiten er zur entspannten Behandlung anbietet. Sie werden sehen, dass Sie nach der ersten Behandlung langsam die Angst verlieren und Ihnen die folgenden Behandlungen leichter fallen.

Meine Tochter ist drei Jahre alt und fängt bereits beim Anblick der Zahnbürste an zu weinen. An Zähneputzen ist nicht zu denken. Was kann ich tun?   

DR. FERRARI: Kinderzähne sollten von Anfang an gepflegt werden, doch in manchen Fällen gestaltet sich das etwas schwierig. Sie sind damit nicht allein. Ich empfehle Ihnen, dem Kind einen positiven Umgang mit dem Zähneputzen zu vermitteln. Tadeln Sie Ihr Kind nicht, wenn es die Zähne nicht putzen möchte und erzählen Sie keine Geschichten über Karius und Baktus, die die Zähne kaputt machen.

Beschreiben Sie Ihrem Kind stattdessen, dass die Zähne nach dem Putzen schön glatt sind und Bakterien auf ihnen ausrutschen. Helfen kann auch ein gemeinsames Ritual. Zunächst putzen Sie sich selbst die Zähne und erläutern, was genau Sie machen und warum. Meist wollen die Kinder es den Eltern nachmachen und sich selbst die Zähne putzen.

Ich bin männlich, 86 Jahre alt und trage ein Gebiss. Im Unterkiefer ist noch ein einzelner Zahn verblieben, der die Prothese hält. Allerdings lockert er sich in letzter Zeit immer mehr und ich befürchte, dass er bald ausfallen wird. Was raten Sie mir?

DR. FERRARI: In Ihrem Fall empfehle ich den Einsatz von Mini-Implantaten. Während eines kleinen Eingriffs werden zum Beispiel vier der Mini-Implantate im vorderen Unterkieferknochen verankert und sofort mit der Deckprothese verbunden. Ohne Wartezeit und größeren Aufwand kann so eine Verbesserung des Prothesenhalts erreicht werden.

Ich bin 76 Jahre alt und leide an Morbus Crohn. Im Jahr 2008 wurde bei mir ein bösartiger Tumor operativ entfernt. Während der anschließenden Chemotherapie und Bestrahlung wurde der Kieferknochen beschädigt. Kommen für mich trotzdem Implantate in Frage? 

DR. FERRARI: In der akuten Phase von Chemotherapie und Bestrahlung wird von einem Einsatz von Implantaten abgeraten, da die Regenerationsfähigkeit des Gewebes eingeschränkt ist und der Körper nicht zusätzlich belastet werden sollte. Da bei Ihnen die Chemotherapie bereits sieben Jahre zurückliegt, ist das jedoch kein Problem mehr. 

Ich bin im vierten Monat schwanger und habe starke Zahnschmerzen. Ab welchem Zeitpunkt kann ich zum Zahnarzt gehen und auf was sollte ich besonders achtgeben? 

DR. FERRARI: Bei einer Schwangerschaft sollte man während der ersten drei Monate wirklich nur im Notfall Zahnbehandlungen vornehmen. Da in dieser Phase die Organe des Fötus ausgebildet werden, sollten so wenig Medikamente wie möglich zum Einsatz kommen. Ab dem dritten Monat ist die Schmerzbehandlung unkomplizierter. Daher rate ich Ihnen, sich mit Ihrem Zahnarzt in Verbindung zu setzen. Denn ein permanenter Schmerz ist für den Fötus belastender als eine einmalige Behandlung.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.