Pump-Hilfe für schwaches Herz

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Die Akku-Tasche ist immer dabei: Patient Jakob F. mit seiner Frau Elisabeth und Tochter Agathe sowie den Ärzten (von links) Prof. Dr. Gradaus, Dr. Meradjoddin Matin (Ltd. Oberarzt Herzchirurgie), Dr. Uwe Langebrake (Oberarzt Anästhesie) und PD Dr. Peivandi.

Erstmals in Kassel ist einem Patienten in der Herzchirurgie des Klinikums ein dauerhaftes Herzunterstützungssystem („Kunstherz“) eingesetzt worden. Damit kann Jakob F. aus Baunatal, der zuvor wegen einer lebensbedrohlichen Herzschwäche nur noch im Bett liegen konnte, wieder aufstehen und am Leben seiner Familie teilnehmen.

Die Behandlung, Operation und Nachbetreuung des 77-Jährigen erfolgte in enger Zusammenarbeit von Kardiologen, Herzchirurgen und Narkoseärzten im Klinikum.

Wegen einer ausgeprägten Herzschwäche wurde der Baunataler schon seit mehreren Jahren medikamentös behandelt. Nach einem Zusammenbruch im Mai dieses Jahres wurde er vom Rettungsdienst bewusstlos ins Klinikum Kassel eingeliefert. Dort setzten ihm die Kardiologen einen biventrikulären Herzschrittmacher zur Herzunterstützung mit einer zusätzlichen Defibrillatorfunktion ein, behandelten außerdem seine Herzrhythmusstörungen mit einer Abla-tion (Verödung des erkrankten Gewebes). Denn bevor der Einsatz eines „Kunstherzens“ in Frage kommt, werden nach Angaben von Prof. Dr. Rainer Gradaus, Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen, zunächst alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft. Dem Patienten ging es daraufhin etwas besser, er war aber weiterhin sehr schwach.

Im Juni kam Jakob F. wieder ins Klinikum, wurde zunächst auf der Intensivstation versorgt. Die Pumpkraft seines Herzens betrug nur noch zehn Prozent. Eine Herztransplantation wäre eine Therapie-Möglichkeit gewesen, berichtet Privat-Dozent Dr. Ali Ashgar Peivandi, Direktor der Klinik für Herzchirurgie. Aus Altersgründen und Mangel an Organspendern habe der Patient aber keine Aussicht auf ein Spenderherz gehabt. Daher blieb als einzige Behandlungsoption ein dauerhaftes Herzunterstützungssystem, um seine Lebensqualität zu verbessern und seine Lebenszeit zu verlängern. „Die modernen Systeme bieten hier eine echte Alternative und ermöglichen eine auf Dauer angelegte hohe Lebensqualität für diese Patienten. Sowohl die Überlebensrate als auch die körperliche Leistungsfähigkeit ist laut mehreren Studien für Patienten mit „Kunstherz“ fast so gut wie nach einer Herztransplantation“, so PD Dr. Peivandi. Und Jakob F. sagt: „Wir haben eine Familienentscheidung getroffen. Alle gemeinsam haben beschlossen, um mein Leben zu kämpfen.“

Am 30. Juli erhielt der Patient in einer rund zweieinhalbstündigen Operation durch das herzchirurgische Team im Klinikum sein „Kunstherz“, welches die linke Herzkammer dabei unterstützt, das Blut aus dem Herzen in die Körperschlagader des Körpers zu pumpen. Die zirka sieben Zentimeter lange Pumpe samt kleinem Motor wurde unterhalb des Zwerchfells eingesetzt und ist über ein Kabel, das aus dem Körper herausführt, mit Stromversorgung und Steuerung des Systems verbunden. Eine Tasche mit den Akkus trägt Jakob F. immer mit sich, nachts kann er sein „Kunstherz“ über die Steckdose mit Strom versorgen. Zehn Tage nach dem Eingriff ist er bereits über die Station im Klinikum gegangen. Nach Krankenhaus-Aufenthalt und Reha ist Jakob F. seit Oktober wieder zu Hause. Aufgrund einer Kniegelenkarthrose ist er meist mit dem Rollstuhl unterwegs, trainiert aber auch das Gehen.

Das Leben mit einem dauerhaften Herzunterstützungssystem erfordere einige Gewöhnung, weiß Privat-Dozent Dr. Peivandi. Die größte Einschränkung sei das Gewicht der Akkutasche mit 2,5 bis 3 Kilogramm. Auch könne den Patienten bei schnellem Aufstehen schwindelig werden. Sie müssten daher üben, sich nur langsam zu erheben. Die Pflege der „Anschlussstelle“, an welcher das Kabel aus dem Körper kommt, erfordere ebenfalls etwas Übung. Privat-Dozent Dr. Peivandi: „Aber letztlich macht der Wille des Patienten viel aus. Die Lust auf Leben ist entscheidend.“

Die ist bei Jakob F. auf alle Fälle vorhanden. „Ich kann wieder frei atmen, schlafen, essen, lachen“, scherzt er. Also schon viel mehr, als noch im Sommer 2015 möglich war. Seine nächsten großen Ziele: Weihnachten mit Kindern, drei Enkeln und einem Urenkel zu verbringen und in drei Jahren mit seiner Frau Elisabeth die Diamantene Hochzeit zu feiern. Auch sie und die übrige Familie sind dem gesamten Team des Klinikum sehr dankbar: „Sie haben meinem Mann das Leben gerettet.“ (nh)

Quelle: HNA

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