Erst zum Check, dann aufs Rad

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Schweißtreibende Untersuchung: Ein Patient strampelt in einer Allgemeinarzt-Praxis auf einem Fahrradergometer. Herztätigkeit, Puls und Blutdruck werden während der Anstrengung gemessen und aufgezeichnet.

Auch Freizeitsportler sollten sich nach längeren Pausen sportmedizinisch untersuchen lassen, bevor sie wieder ins Training einsteigen.

Jemand, der länger eine sportliche Pause gemacht hat, sollte sich einer sportmedizinischen Untersuchung unterziehen, bevor er wieder loslegt mit Fahrradfahren, Fußballspielen oder gar Marathon-Training, betont der Kasseler Kardiologe Dr. Frank Jäger. Denn inzwischen könnten Risikofaktoren hinzugekommen sein. Und vor allem bei Neu- und Wiedereinsteigern sowie älteren Personen könnte ein erhöhtes Risiko im Bereich Herz, Kreislauf und Bewegungsapparat vorliegen.

So zeigte eine aktuelle sportärztliche Untersuchung zur Vorbereitung auf den Kassel-Marathon, dass von 48 Probanden ein Drittel einen höheren Blutdruck als 140 zu 90 hatte, erläutert der Facharzt. Bei solch einem Fall empfehle die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin beispielsweise, im Rahmen einer sportmedizinischen Untersuchung ein Belastungs-EKG (eine Messung des Blutdrucks und Aufzeichnung des EKGs unter Belastung) zu machen.

Routinemäßig gehören zu einer sportmedizinischen Untersuchung eine ausführliche Befragung des Patienten, ein Ruhe-EKG, eine Blutdruck- und Pulsmessung und mitunter auch ein Lungenfunktionstest. Bei Personen über 35 Jahre veranlasse der Arzt eventuell auch eine Blutuntersuchung, um zum Beispiel das Cholesterin und die Blutzuckerwerte zu bestimmen. Breitensportler mit geplanter Wettkampfteilnahme oder solche mit besonders hohem Herz-Kreislauf-Risiko (zum Beispiel Diabetiker) sollten sich außerdem vom Kardiologen das Herz mittels Ultraschall (Echokardiografie) untersuchen lassen.

Dr. Frank Jäger, der mit Dr. Andreas Meinel und Dr. Ilsbe Salecker eine kardiologische Gemeinschaftspraxis betreibt, rät zudem, auch die Nach- und Wiederholungsuntersuchungen nicht zu vernachlässigen: Auch ambitionierte Freizeitsportler unter 35 Jahren sollten sich alle zwei bis drei Jahre erneut sportmedizinisch durchchecken lassen. Personen über 35 Jahre oder solche mit einem Risikofaktor sollten jährlich bis alle zwei Jahre zur sportmedizinischen Untersuchung. Denn es gehe vor allem darum, Gefährdungen und Krankheiten im Frühstadium und rechtzeitig zu erkennen. (hei)

Fragebogen für Freizeitsportler

• Hat Ihnen jemals ein Arzt gesagt, Sie hätten „etwas am Herzen“ und Ihnen Bewegung und Sport nur unter medizinischer Kontrolle empfohlen?

• Sind Sie über- oder untergewichtig?

• Liegt Ihr Bauchumfang über 88 cm (bei Frauen) bzw. über 102 cm (bei Männern)?

• Sind Sie über 35 Jahre alt und über längere Zeit nicht sportlich aktiv gewesen?

• Sind erhöhte Blutdruckwerte festgestellt worden?

• Sind auffällige Blutfettwerte bei Ihnen festgestellt worden?

• Rauchen Sie oder haben Sie über eine längere Lebensspanne geraucht?

• Gibt es in Ihrer direkten Verwandtschaft Fälle von Bluthochdruck, Herzkranzgefäßverkalkung / Herzinfarkt, Blutzuckererkrankung oder Schlaganfall?

• Haben Sie Diabetes?

• Hatten Sie in den letzten Monaten Herzrasen, Luftnot oder Schmerzen in der Brust, gleichgültig ob in Ruhe oder unter körperlicher Belastung?

• Nehmen Sie Medikamente gegen Bluthochdruck, Herz- oder Atembeschwerden ein?

• Haben Sie jemals Schwindel oder Ohnmachtszustände in Ruhe oder unter körperlicher Belastung erfahren?

• Bestehen Beschwerden oder Erkrankungen des Bewegungsapparates?

Haben Sie eine oder mehrere Fragen mit „Ja“ beantwortet, empfehlen Experten eine sportmedizinische Untersuchung vor Aufnahme einer regelmäßigen Trainings- oder Wettkampfaktivität. Eventuell können solche Untersuchungen kostenpflichtig sein. Weitere Fragebögen gibt es im Internet unter www.notfallmedizin-nordhessen.de

Quelle: HNA

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