Erfolgreiche Tabakentwöhnung - Endlich ohne Qualm

Schlusspunkt setzen: Wer den Rauchausstieg schaffen will, sollte selbst einen Stichtag bestimmen. Foto:  dpa

Rund 20 Millionen Deutsche rauchen. Etwa die Hälfte möchte gerne aufhören. Am guten Willen fehlt es vielen Rauchern nicht. So erreichen auch uns immer wieder Leser-Anfragen, wie man es schaffen kann, endlich von den gesundheitsschädlichen Glimmstängeln und der starken Nikotinsucht loszukommen.

Petra Kronibus, die Raucherentwöhnungsseminare unter anderem in der Lungenfachklinik Immenhausen anbietet, kennt ein Erfolgsrezept, das helfen kann: Gruppentherapie und Nikotinersatz während der Entwöhnungsphase.

Ihre Erfahrungen sind längst auch von der Universität Göttingen analysiert und bewertet worden: Wer sich mit Gleichgesinnten einmal in der Woche trifft und verhaltenstherapeutische Hilfe bekommt, habe eine weitaus bessere Motivation, das Rauchen zu lassen.

Bei jedem dieser Treffen werde auch zur eigenen Kontrolle der Teilnehmer der Kohlenmonoxid-Gehalt in der Atemluft gemessen, „obwohl man es auch jemandem ansieht, ob er geraucht hat“, sagt die Expertin. Wer nach dem selbst gesetzten Stichtag eisern bleibt, merke schnell, was er gewinnt, wenn er „der Knechtschaft durch das Rauchen“ entkommt. Denn schon wenige Minuten nach der letzten Zigarette fängt der Körper an, sich zu erholen: Der Ex-Raucher registriere bald, dass er beim Treppensteigen nicht mehr so kurzatmig ist, er kann besser schmecken und riechen.

Entzugssymptome wie Unruhe, Verstimmung, Schlaflosigkeit oder Aggressivität müssen nicht sein. „Die fallen durch Nikotinpflaster weg“, sagt Petra Kronibus. Wer früher mehr als 30 Zigaretten am Tag geraucht hat, könne zusätzlich ab und zu ein Nikotinkaugummi dazunehmen. Nach drei bis sechs Monaten wird die Nikotinabgabe stufenweise reduziert, sodass der Organismus sanft entwöhnt wird.

Wichtig, so die Diplom-Supervisorin, sei es, zunächst auch das eigene Verhalten zu beobachten und zu analysieren. Wer dann mit dem konkreten Ausstieg beginnt, brauche zum Beispiel Ersatzrituale und einen Rückfallkrisenplan. „Mund, Hand und Kopf müssen beschäftigt werden“, rät Petra Kronibus. Auch müsse man vor allem am Anfang Ersatzrituale haben, um von den Gedanken an die Zigarette abzulenken.

Mehr Bewegung und Sport, aber auch Entspannungstechniken seien eine gute Unterstützung. Zudem sollte sich der angehende Ex-Raucher ein Belohnungssystem ausdenken, sich schöne Erlebnisse gönnen und vielleicht ein neues Hobby anfangen.

Die Erfolgsquote dieses verhaltenstherapeutischen Tabakentwöhnungs-Programms sei relativ gut. Nach sechs Wochen sind 90 Prozent der Teilnehmer rauchfrei, nach einem Jahr immerhin noch 40 Prozent.

Die Kurse zur Tabakentwöhnung umfassen je sechs Gruppensitzungen. Der Großteil der Kosten von 150 Euro wird meist von den Krankenkassen übernommen. Informationen und Anmeldung: Petra Kronibus, Tel. 0 56 73/50 14 50, www.lungenfachklinik-immenhausen.de

Gute Gründe

für den Rauchausstieg

Die Risiken sind bekannt: Rauchen verursacht unterschiedliche Krebserkrankungen, Schlaganfälle, Asthma, COPD, Diabetes, Unfruchtbarkeit, Impotenz, Haarausfall und Faltenbildung. Inzwischen weiß man auch, dass Tabakrauchen Alzheimer und Demenz auslösen kann. Jährlich sterben in Deutschland 100 000 bis 120 000 Menschen an den Folgen des Rauchens.

Der Ausstieg lohnt sich: Schon wenige Minuten nach der letzten Zigarette beginnt der Körper, sich zu erholen:

• nach 20 Minuten sinken Puls und Blutdruck

• nach acht bis zwölf Stunden sinkt der Kohlenmonoxidspiegel im Blut, der Sauerstoffgehalt steigt

• nach einem Tag beginnt das Herzinfarktrisiko leicht zu sinken

• nach zwei Wochen bis drei Monaten erholt sich die Lungenfunktion, und der Kreislauf stabilisiert sich

• nach einem bis neun Monaten nehmen Husten und Kurzatmigkeit ab, die Infektionsgefahr verringert sich

• nach einem Jahr hat sich das Risiko für einen Sauerstoffmangel des Herzmuskels halbiert

• nach fünf Jahren ist das Lungenkrebsrisiko auf fast die Hälfte gesunken, und das Herzinfarktrisiko nimmt jetzt deutlich ab. (hei)

Quelle: HNA

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