Epilepsie hat viele Formen

Geert Mayer

Epilepsie ist die häufigste chronische neurologische Erkrankung im Zentralnervensystem. 0,5 bis ein Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. In 70 Prozent der Fälle bekommt man das Anfallsleiden gut in den Griff. Dennoch sind für viele Patienten die psychischen und sozialen Folgen schlimmer als die Krankheit selbst.

Mit Auswirkungen auf den Alltag und das Arbeitsleben beschäftigt sich deshalb der Tag der Epilepsie am Samstag, 24. September, von 10.30 bis 15.30 Uhr, im Haus der Kirche, Wilhelmshöher Allee 330.

Die ersten epileptischen Anfälle treten meist bis zum 20. oder nach dem 60. Lebensjahr auf. Und so vielfältig die Gesichter der Epilepsie sind, so schwierig ist auch die Diagnosestellung. Bei Kindern sind es häufig genetische Veranlagungen, bei älteren Menschen können vor allem kleine Schlaganfälle oder alters- oder krankheitsbedingte Hirnschäden zum Beispiel durch kleine Mikroinfarkte im Gehirn, Gefäßverkalkung oder Herzrhythmusstörungen der Auslöser sein, erläutert Prof. Dr. Geert Mayer, Ärztlicher Leiter der Hephata-Klinik Schwalmstadt-Treysa. Zudem seien fast alle Menschen mit einem Down-Syndrom ab dem 50. Lebensjahr betroffen. Und auch bei Erwachsenen, die im Kindesalter häufig Fieber-Krämpfe hatten, sei die Wahrscheinlichkeit für epileptische Anfälle relativ hoch.

Auch wenn es sich eventuell nur um einen Gelegenheitsanfall handelt, so ist es doch wichtig, die Ursache abzuklären. Dazu dienen Untersuchungen der Hirnströme per EEG sowie eine bildgebende Diagnostik per Kernspintomografie. Die Fachärzte suchen dabei häufig auch nach eventuellen Entzündungsfaktoren zum Beispiel im Nervenwasser oder nach seltenen genetischen Erkrankungen.

In manchen Fällen gelinge es den Betroffenen, durch Konzentrations- und Wahrnehmungsübungen, Anfälle zu verhindern. Dies könne aber nur gelingen, wenn sich Krämpfe spürbar ankündigen. Mitunter könne man auch vorbeugen, wenn die Auslöser bekannt seien: gesteigerter Alkoholkonsum, Schlafmangel, heftige Hell-Dunkel-Wechsel oder Lichtreflexe zum Beispiel in Diskotheken. In einem großen Teil der Fälle könne man den Patienten mit einer breiten Palette moderner Medikamente helfen, die zugeschnitten auf bestimmte Charakteristika eingesetzt werden sollten.

Wenn aber dennoch wieder ein Anfall auftrete, „dann ist der Gang zu einem Spezialistenteam angesagt“, betont Mayer. Ziel sei es, den Patienten einen möglichst normalen Alltag und eine Teilnahme am Arbeitsleben zu erhalten. „Das gelingt in vielen Fällen gut.“

Ursachen der Epilepsie sind Funktionsstörungen im Gehirn. Dabei löst eine kurzzeitige vermehrte elektrische und chemische Entladung von Nervenzellen im Gehirn diese epileptischen Anfälle aus, und Nervenzellen senden unkoordiniert und in schneller Folge Signale an die Muskeln des gesamten Körpers. Die Folge können Krämpfe, unkoordinierte Bewegungen, Lähmungserscheinungen, Zuckungen, Schreien, Erbrechen, Bewusstseins- und Verhaltensauffälligkeiten sein. Mitunter sind nur bestimmte Bereiche des Gehirns betroffen. Dann kann bei etwa zehn Prozent der Epilepsie-Betroffenen ein chirurgischer Eingriff infrage kommen. Nach gründlicher Diagnostik entfernt der Neurochirurg dabei das geschädigte Hirngewebe, erläutert Neurologe Prof. Dr. Geert Mayer. Einige der Patienten sind danach anfallsfrei ohne Medikamente. Die nicht anfallsfrei werden, kommen meist mit einer geringeren Dosierung aus.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit sei die Stimulation des Vagusnerves. Dabei sendet ein Pulsgenerator Impulse an den Nerv. Diese konstante Stimulation bewirkt, dass es weniger häufig zu einer Überreizung von Gehirnnervenzellen kommt.

Kontakt, Rat und Hilfe: Epilepsie-Beratungsstelle an der Hephata-Klinik in Schwalmstadt-Treysa: Tel. 0 66 91/18 21 56. Epilepsie-Zentrum am Universitätsklinikum Marburg, Tel. 0 64 21/5 86 54 38.

Quelle: HNA

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