Endlich wieder satt sein

Immer häufiger wird bei extrem adipösen Patienten eine chirurgische Therapie erwogen. Um nach der Operation langfristige Erfolge zu erzielen, müssen die Patienten jedoch Ernährung und Lebensstil umstellen. Worauf es dabei ankommt, erläutert Ernährungswissenschaftlerin Dr. Ulrike Knoll.

Sie betreut und unterstützt am Asklepios Stadtkrankenhaus in Bad Wildungen Patienten bei der Ernährungsumstellung vor und nach den Eingriffen.

Sollen die Patienten schon vor der Operation abnehmen?

Dr. Ulrike Knoll: Grundsätzlich ist es günstig, wenn der Patient vor einer Operation etwas abnimmt. 10 bis 15 Kilogramm Bauchfett weniger erleichtern dem Operateur die Arbeit sehr. In der Regel klappt eine Gewichtsabnahme nicht. Wenn es klappen würde, müsste der Patient ja nicht operiert werden.

Wie geht es nach der Operation weiter?

Dr. Knoll: Nach der OP erfolgt in der Klinik der Kostaufbau. In der Regel wird eine Nahrung gegeben, die flüssig bis breiig und reizarm sein sollte.

Und auf was müssen die Patienten bei ihrer Ernährung zu Hause achten?

Dr. Knoll: Nach Entlassung können zunehmend Nahrungsmittel mit weichen Konsistenzen (zum Beispiel Weißbrot, Bananen) verabreicht werden.

Wie sollte der Speiseplan ein paar Wochen nach der Operation aussehen?

Dr. Knoll: Die Festigkeit der Nahrungsmittel kann nach Verträglichkeit schrittweise gesteigert werden. Bei Magenbändern ist darauf zu achten, dass die Nahrung extrem gut gekaut wird. Das Kauen hat bei Schlauchmägen und Beipässen nicht einen derart großen Stellenwert. Nach den ersten 14 Tagen können die Patienten grundsätzlich alles essen. Die Ernährung sollte den Grundsätzen einer fettreduzierten, vollwertigen Mischkost folgen. Gegessen werden sollte bis zum Erreichen eines Sättigungsgefühls. Für viele Patienten ist das Gefühl einer Sättigung völlig neu und wird dankbar angenommen.

Warum ist die Eiweißzufuhr so wichtig und wie lassen sich die erforderlichen Mengen erreichen?

Dr. Knoll: Die Ernährung sollte zusätzlich eiweißreich sein. Der Körper ist auf die Zufuhr von Eiweißen über die Nahrung angewiesen. Bekommt er diese Eiweiße nicht, baut er Muskeleiweiße ab, um seine Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Dieser Effekt ist natürlich unerwünscht. Mit einer hohen Eiweißzufuhr durch die Ernährung kann dieser Prozess gestoppt werden. Die erforderlichen Mengen sind durch Trinken von fettarmer Milch, einen Joghurt, sowie Käse und auch fleischgekochte Brühen ohne Schwierigkeiten zu erzielen.

Was sollte langfristig auf dem Speiseplan stehen?

Dr. Knoll: Da ein Patient nach einer bariatrischen OP nur noch relativ wenig essen kann, sollten die verzehrten Lebensmittel reich an Nährstoffen und qualitativ hochwertig sein. In den täglichen Speiseplan gehören Müsli, Vollkornprodukte, Milch und Milcherzeugnisse, Fisch und weißes Fleisch. Bei den Gemüsen und bei Obst ist darauf zu achten, dass faserige Produkte kleingeschnitten werden (zum Beispiel: Spargel und Rhabarber). Lebensmittel, die nur gut schmecken, aber keine wichtigen Nährstoffe enthalten, sollten nur in Ausnahmefällen verzehrt werden.

Welche Getränke empfehlen Sie nach der Operation?

Dr. Knoll: Bei den Getränken sind Mineralwasser und Fruchtsäfte zu empfehlen. Bei einer Magenbandoperation bleibt die Anatomie des Körpers unverändert.

Von Maja Yüce

BMI

Bei der Adipositas (lat. adeps = fett) bzw. Fettleibigkeit handelt es sich um ein starkes Übergewicht, das durch eine über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettes mit krankhaften Auswirkungen gekennzeichnet ist. Eine Adipositas liegt nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ab einem Körper-Masse-Index (Bodymassindex, BMI) von 30 kg/m² vor. Der BMI ist eine Maßzahl für die Bewertung der Körpermasse eines Menschen. Der BMI ist umstritten, da er die Statur eines Menschen und die individuell verschiedene Zusammensetzung der Körpermasse aus Fett- und Muskelgewebe nicht berücksichtigt. Normal ist ein BMI zwischen 18,5 und 25. Der BMI wird berechnet: Körpermasse (kg) geteilt durch Köpergröße zum Quadrat (m2). BMI=kg/m2.

Quelle: HNA

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