Eine tickende Bombe im Kopf

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Darstellung in Schichten: Aussackungen von Hirngefäßen können mithilfe einer Kernspintomografie sichtbar gemacht werden.

Hirnaneurysmen sind Aussackungen der Hirngefäße – Meist merken  die Betroffenen nichts davon

"Bei einem Bekannten wurde ein Hirnaneurysma festgestellt, das jetzt entfernt werden muss. Dabei ist er erst Anfang 30. Sind solche Aneurysmen in dem Alter nicht sehr ungewöhnlich?“, fragt Stefan F. aus Hofgeismar.

Eine Antwort hat Dr. Ralf Siekmann, Chefarzt der Abteilung für Neuroradiologie am Klinikum Kassel.

Was ist ein Hirnaneurysma und wie entsteht es?

Hirnaneurysmen sind Aussackungen der Hirngefäße, die meist an der Schädel- und Hirnbasis vorkommen. Aneurysmen sind als punktuelle Schwachstellen der Gefäßwand angeboren und entstehen durch Spontanmutationen der Zellen. Im Laufe der Jahre wachsen die Aussackungen, bis sie richtige Beulen sind. Wie schnell die Aneurysmen wachsen, ist dabei von Patient zu Patient völlig unterschiedlich und kann auch nicht beeinflusst werden. In der Regel wachsen Aneurysmen aber sehr langsam über Jahre und Jahrzehnte.

Betroffen sind etwa zehn von 100 000 Menschen, bei rund einem Drittel kommt es zu Blutungen.

Welche Beschwerden verursachen Aneurysmen, und wie werden sie entdeckt?

Hirnaneurysmen verursachen meist gar keine Beschwerden. „Wenn ein Aneurysma noch nicht zu einer Hirnblutung geführt hat, sind die Entdeckungen fast immer Zufallsbefunde“, erklärt Dr. Siekmann. Meist gehen die Patienten wegen Kopfschmerzen und Schwindelanfällen zum Arzt. Kann dieser keine klare Diagnose stellen, wird oft mithilfe einer Computer- oder Kernspintomografie genauer untersucht. Dabei werden die Gefäßbeulen dann zufällig entdeckt. „Eine Vorsorgeuntersuchung für Hirnaneurysmen wie zum Beispiel bei Brust- oder Darmkrebs gibt es übrigens nicht“, sagt Siekmann.

Sind Hirnaneurysmen gefährlich?

Wenn die Ausbeulungen platzen und zu bluten beginnen, besteht Lebensgefahr. Etwa 30 Prozent der Fälle kommt dann nicht mehr lebend ins Krankenhaus, weitere 30 Prozent der Patienten bleiben ihr Leben lang behindert – „deshalb gibt es auch keine ungefährlichen Aneurysmen“, betont der Mediziner.

Denn: Risse in den Ausbeulungen können immer entstehen, egal wie groß die Aneurysmen sind. „Und Blutungen in der Hirnregion sind immer gefährlich.“ Diese Gefahr besteht dabei unabhängig von Körperkonstitution und Lebensstil: „Hirnaneurysmen sind unschuldige Erkrankungen, weil Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum oder Bluthochdruck hier keine Rolle spielen“, sagt Siekmann. Dass Aneurysmen bluten, kommt dabei in den meisten Fällen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren vor.

Wie werden Hirnaneurysmen behandelt?

Wenn sie rechtzeitig entdeckt werden, können die Ausbeulungen operativ oder mit einem Minikatheter verschlossen werden. Allerdings ist es abhängig von der Größe, von der Form und auch vom Lebensalter der Patienten, ob überhaupt behandelt wird. Denn mit einer Behandlung ist immer das Restrisiko verbunden, dass die Aneurysmen während des Eingriffs platzen und bluten. „Ob behandelt wird oder nicht, sollten die Betroffenen deshalb ausführlich mit entsprechend ausgebildeten Spezialisten beraten“, rät der Facharzt. Wenn das Aneurysma nicht rechtzeitig entdeckt wird, wie in etwa einem Drittel der Fälle, zählt jede Sekunde. „Dann müssen die Patienten schnellstmöglich in eine entsprechend ausgestattete Spezialklinik, dort operiert und anschließend mindestens drei Wochen intensivmedizinisch überwacht werden.“ Denn: Die Gefahr, dass Aneurysmen auch nach der Versorgung ein zweites Mal bluten, ist groß. Kardinalsymptome für ein Platzen sind laut Siekmann „plötzlich auftretende Kopfschmerzen, die selbst für Migränepatienten unerträglich sind“.

Von Christoph Steinbach

Quelle: HNA

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