Eine Operation gegen Diabetes

Ich habe vor Kurzem die Diagnose Diabetes Typ II bekommen. Jetzt las ich, dass man eventuell auch mit einer Operation etwas gegen Diabetes ausrichten kann. Ich würde gerne mehr darüber wissen“, schreibt Bernd H. aus Lohfelden.

Johannes Heimbucher

Über dieses Thema sprachen wir mit Privatdozent Dr. Johannes Heimbucher, Chefarzt am Marienkrankenhaus Kassel, das über ein Zentrum zur Behandlung von Übergewicht (Adipositas) verfügt: Dass Operationen zur Behandlung von Übergewicht einen dramatischen Effekt auf den Verlauf einer Diabetes-Erkrankung haben, stellte man eigentlich zufällig fest, sagt er. Studien hätten ergeben, dass sich nach solchen Operationen bei übergewichtigen Diabetikern der Blutzuckerspiegel innerhalb kurzer Zeit bei 90 Prozent dieser Patienten normalisierte, erläutert Heimbucher. Es sei noch wenig bekannt, dass in bestimmten Fällen, wenn zum Beispiel eine Ernährungsumstellung, Bewegung und Medikamente nicht ausreichend helfen, auch eine Operation als ergänzende Behandlung infrage komme. Dabei müsse man zunächst in Zusammenarbeit mit Diabetologen und Hausärzten klären, ob der einzelne Patient von einer Operation profitieren kann und welche Operationstechnik sich anbietet.

Magenband als Therapie

So habe sich gezeigt, dass man bei Patienten, deren Diabetes-Diagnose nicht länger als drei Jahre zurückliegt, die unter 40 Jahre alt sind und die noch kein Insulin spritzen müssen, eine gute Wirkung mit einem Magenband erziele. Diese Therapie zeige vor allem bei Frauen gute Ergebnisse. Das Band aus Silikon wird um den oberen Teil des Magens gelegt. Es schränkt die Magenkapazität erheblich ein, und der Magen wird verzögert aufgefüllt.

Bei Patienten, die bereits länger als drei Jahre diabeteskrank sind, die stark übergewichtig (BMI größer als 45) und älter als 50 Jahre sind, biete sich erfahrungsgemäß in vielen Fällen ein Magen-Bypass an, erläutert Heimbucher.

Das Magenband wird kurz unterhalb des Mageneingangs platziert. Archivfoto:  nh

Bei dieser Operation wird der Mageneingang direkt an den Dünndarm angeschlossen, um den restlichen Magen sowie den Zwölffingerdarm bei der Verdauung zu umgehen. Es habe sich gezeigt, dass man mit diesem Eingriff einen sehr effektiven Einfluss auf die Zuckerkrankheit ausüben könne, weil es so zu hormonellen Veränderungen im Magen-Darm-Trakt komme. „Auch wenn es damit nur gelingt, dass der Patient von Insulinspritzen auf Tabletten umsteigen kann, hat er damit sowohl in seiner Krankheitsprognose als auch in seiner Lebensqualität erheblich gewonnen“, sagt der Chirurg.

Ziel sei eine optimale Behandlung, bei der natürlich Nutzen und Risiken abgewogen werden müssten. Unbedingt wichtig seien auch eine gesunde Lebensweise sowie gute Nachsorge mit regelmäßigen Kontrollen. „Denn die Veranlagung, einen Diabetes zu entwickeln, bekommen wir auch durch eine Operation nicht weg“, betont Heimbucher.

Doch habe man zum Beispiel bei einer schwedischen Studie mit über 4000 - nicht nur übergewichtigen - Patienten mit einer Veranlagung zu Diabetes nachgewiesen, dass man diese durch eine vorbeugende Adipositas-OP dauerhaft vor Diabetes und somit auch Folge-Erkrankungen bewahren könne.

Hintergrund

BMI ist die Abkürzung für Body Mass Index. Der Wert setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße und dient zur Orientierung für das Sollgewicht. Von krankhafter Adipositas oder Fettleibigkeit spricht man ab einem BMI (Body Mass Index) ab 30. Als Richtlinie gilt: Frauen sollten einen BMI von 19 bis 24 und Männer einen BMI von 20 bis 25 anstreben. Der BMI berechnet sich so: Gewicht durch das Quadrat der Körpergröße. Eine Person, die 70 Kilogramm wiegt und 1,70 m groß ist, hat einen BMI von 24,22. Die Formel: 70: (1,70x1,70) = 24,22.

Quelle: HNA

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