Ein Tropfen sorgt für Klarheit

Die Zusammensetzung des Blutes kann wichtige Hinweise auf vorlie- gende Erkrankungen liefern. An einem kleinen Blutbild erkennt der Arzt, ob es erste Hinweise auf eine Erkrankung gibt, wie zum Beispiel eine Infektion, Blutarmut, Entzündung oder Blutkrebserkrankung.

Die Zusammensetzung des Blutes kann wichtige Hinweise auf vorliegende Erkrankungen liefern. An einem kleinen Blutbild erkennt der Arzt, ob es erste Hinweise auf eine Erkrankung gibt, wie zum Beispiel eine Infektion, Blutarmut, Entzündung oder Blutkrebserkrankung.

Ist das kleine Blutbild auffällig, wird häufig noch ein großes Blutbild gemacht, damit der Arzt sich einen genaueren Eindruck verschaffen kann. Dr. Mathias Kleiß, Chefarzt der Klinik für Interdisziplinäre Onkologie am Roten Kreuz Krankenhaus Kassel (RKH), hat Anrufer während der Tele- fonsprechstunde am vergangenen Montag beraten.

Ich bin 81 Jahre alt und lasse meine Blutwerte regelmäßig kontrollieren. Im Gegensatz zur letzten Messung vor zirka einem Jahr sind bei einer jetzigen Messung sowohl die Thrombozyten als auch die Leukozyten zurückgegangen. Der HB-Wert liegt bei 11. Mein Hausarzt vermutet eine schwerwiegendere Erkrankung und rät zu einer Kno- chenmarkpunktion. Ist das wirklich notwendig? Ich habe Angst davor. 

DR. MATHIAS KLEISS: Zunächst möchte ich Sie beruhigen. Eine Knochenmarkpunktion ist ein kleiner Eingriff und die Ergebnisse geben zuverlässig Aufschluss darüber, ob und welche Erkrankung vorliegt. In Ihrem Fall weisen die drei wichtigen Zellsysteme eine zu geringe Konzentration auf: Die roten Blutkörperchen, deren Hauptbestandteil das eisenhaltige Hämoglobin ist und die für den Sauerstofftransport zuständig sind, die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die für die Abwehr von Krankheitserregern sorgen und die Blutplättchen (Thrombozyten), deren Hauptaufgabe in der Blutgerinnung besteht. Die niedrigen Werte können vielfältige Ursachen haben und müssen nicht zwangsläufig in einer schweren Erkrankung gründen. Um die Ursache abzuklären, sollten Sie Ihr Knochenmark untersuchen lassen.

 

Bei mir wurde eine Thrombozytopenie, also ein Mangel an Thrombozyten, festgestellt. Lagen meine Werte vor vier Jahren noch bei zirka 88 000, sind sie im Juni dieses Jahres auf 29 000 zurückgegangen. Was bedeutet das für mich? 

 

KLEISS: Bei der Bestimmung von Blutwerten darf das entnommene Blut auf dem Weg zum Labor nicht gerinnen. Darum wird dem Blut mit einem Blutgerinnungshemmer präpariert. Bei manchen Patienten werden die Blutplättchen allerdings durch diese Hemmer aktiviert und kleben aneinander. In der Folge werden falsch niedrige Thrombozy- tenwerte im Blut durch den Zählautomaten gemessen, da die zusammenklebenden Blutplättchen als ein Teil gezählt werden und nicht als mehrere zusammenhängende Blutplättchen. Dieses Phänomen wird als Pseudothrombozytopenie bezeichnet und kann mithilfe einer mikroskopischen Analyse abgeklärt werden.

Kann die Pseudothrombozytopenie ausgeschlossen werden, rate ich zu einer Knochenmarkpunktion. Bei dieser Untersuchung wird das Auftreten der Vorläuferzellen der Blutplättchen gemessen. Die niedrige Thrombozytenzahl kann auch in einer Autoimmunerkrankung begründet sein. Dabei greift der Körper irrtümlich die eigenen Blutplättchen an und lässt sie somit auf einen sehr niedrigen Wert sinken. Diese Immunthrombozytopenie, auch Werlhof-Krankheit genannt, kann sehr gut mit Medikamenten therapiert werden.

Bei meinem Ehemann sind seit einigen Jahren die Werte der Thrombozyten konstant niedrig und liegen bei etwa 125 000. Müssen wir uns Sorgen machen? 

 

KLEISS: Die Thrombozyten, auch Blutplättchen genannt, spielen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung. Ist der Wert zu niedrig, kann es zu Blutungen kommen. In Ihrem Fall kann ich Sie jedoch beruhigen. Zwar liegt der Normwert für Thrombozy- ten zwischen 150 000 bis 400 000 und dieser Wert trifft auch auf etwa 95 Prozent der Bevölkerung zu. Ihr Mann gehört zu den restlichen fünf Prozent, bei denen die Zahl der Thrombozyten außerhalb des Normbereiches liegt.

Wenn der Wert seit Jahren konstant ist, ist die Blutgerinnungsfunktion gewährleistet. Zur vollständigen Absicherung sollten auch die Hämoglobin- und Leukozytenwerte untersucht werden. Liegen diese im Normbereich, besteht kein Grund zur Sorge.

Ich leide an einer chronischen Polyarthritis und nehme in akuten Schmerzphasen Kortison ein. Das kleine Blutbild ist in Ordnung, beim großen Blut- bild wurde allerdings ein erhöhter Leukozyten-Wert gemessen. Was bedeutet das? 

 

KLEISS: Die Hauptaufgabe der Leukozyten besteht darin, Krankheitserreger und Fremdstoffe abzuwehren. Aber auch Reparatur- und Heilungsaufgaben oder die Produktion von Antikörpern werden von bestimmten weißen Blutkörperchen erledigt.

Leukozyten werden im Knochenmark gebildet und können bei einer Entzündung schnell freigesetzt und mobilisiert werden. Ein erhöhter Leukozytenwert deutet also auf ein alarmiertes Abwehrsystem hin. Die Ursachen dafür sind vielfältig.

In Ihrem Fall ist das Immunsystem aufgrund der chronischen Entzündung der Gelenke permanent aktiv und die Einnahme von Medikamenten wie Kortison verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Denn jedes Medikament verändert auch die Blutwerte. Damit die Ursache des erhöhten Leukozytenwertes geklärt werden kann, sollte eine weitere Blutuntersuchung vorgenommen werden. Dabei werden die drei Zelltypen der Leukozyten – Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten –genauer untersucht und geben Aufschluss über die Ursache der erhöhten Werte.

Ich bin weiblich, 49 Jahre alt und bei mir wurde ein Ferritin-Wert von 8 gemessen. Der HB-Wert liegt bei 12. Was bedeutet das?

KLEISS: Der niedrige Ferritin-Wert deutet auf eine Eisenmangel hin. Eisen kann nur durch Blutverlust aus dem Körper verloren gehen, ein Eisenmangel kann aber freilich auch durch eine zu geringe Aufnahme von Eisen mit der Nahrung bedingt sein, beispielsweise bei falscher Ernährung oder bei chronischen Darmerkrankungen.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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