Drei Spenden in einer: Das passiert nach der Entnahme mit dem Blut

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Das Blut kommt in die Presse: Im Kasseler Institut des DRK-Blutspendedienstes werden Plasma, rote Blutkörperchen und Blutplättchen voneinander getrennt. Unser Bild zeigt Dr. med. Andreas Opitz mit den Mitarbeitern Michael Schreiber und Lisa Gerlach.

Mehrere Tausend Menschen spendeten Blut bei der HNA-Aktion. Aber was passiert eigentlich mit der Blutspende, nachdem sie entnommen wurde? Dieser Frage sind wir mit Dr. med. Andreas Opitz, stellvertretender Leiter des Instituts Kassel vom DRK-Blutspendedienst Hessen, nachgegangen. Ein Interview:

Neben dem eigentlichen 500-Milliliter-Beutel werden einige Röhrchen mit Blut gefüllt. Was passiert damit?

Dr. med. Andreas Opitz: Diese Röhrchen sind für verschiedene Testverfahren nötig, um sicherzugehen, dass das Blut bedenkenlos und an den richtigen Patienten verabreicht werden kann. Dafür werden sie über Nacht in das Labor für Spendertestung des DRK-Blutspendedienstes in Frankfurt gefahren. Am Nachmittag des nächsten Tages liegen die Ergebnisse vor.

Was genau wird getestet?

Opitz: Eines ist für die Blutgruppenbestimmung, das zweite für die Infektionsserologie. Das heißt, das Blut wird auf Krankheitserreger untersucht. Genauer gesagt auf Antikörper, die der Körper bildet, wenn er mit Erregern Kontakt hatte. Untersucht wird auf HIV bzw. Aids sowie ansteckende Gelbsucht. Bei dem Röhrchen mit schwarzer Kappe wird ein Spezialtest vorgenommen, um Viren direkt nachzuweisen. Denn es kann bis zu 14 Tage dauern, bis Antikörper gebildet werden. Das heißt, Neuinfektionen können auf diesem Wege nicht entdeckt werden. Deshalb wird auch hier auf HIV getestet sowie auf Hepatitis A, B und C. Bei Erstspendern wird in einem Extraröhrchen die Blutgruppe ein zweites Mal bestimmt, um auf Nummer sicher zu gehen.

Was hat es mit dem gelben, sogenannten Pilotröhrchen auf sich?

Opitz: Damit wird ein Verträglichkeitstest vorgenommen. Dieses Röhrchen bleibt immer bei dem Erythrozytenkonzentrat (rote Blutkörperchen) der Blutspende. Im Krankenhaus wird vor der Gabe der Blutspende das Spender- mit dem Empfängerblut gemischt. Das nennt man Kreuzprobe. Wenn sich Klümpchen bilden, kann das Blut nicht gegeben werden.

Wie ist der Weg der Blutspende im großen Beutel?

Opitz: Ein Großteil der Beutel kommt in unser Institut an der Mönchebergstraße, wo wir eine eigene Produktionsstätte haben. Einmal am Nachmittag und einmal am Abend werden die Spenden vom Regierungspräsidium abgeholt. Wegen des hohen Spendenaufkommens wird ein Teil auch nach Frankfurt gebracht, da wir nicht alles allein bewältigen können.

Wie wird das Blut verarbeitet?

Opitz: Zunächst erfolgt die Zentrifugation. Dabei werden die festen Bestandteile, also die Zellen, und das flüssige Plasma getrennt. In einem Trenngerät wird das Blut dann gepresst, sodass am Schluss das Plasma, die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sowie die Blutplättchen mit einer Restsubstanz (Buffy-Coat) in getrennten Beuteln vorliegen. Der Beutel mit den Blutplättchen wird in Frankfurt weiterverarbeitet. Die Erythrozyten filtern wir noch mal, um die weißen Blutkörperchen vollständig aus dem Konzentrat zu entfernen.

Wieso muss das Blut überhaupt getrennt werden?

Opitz: Weil eine Therapie nach Maß erfolgt und die einzelnen Bestandteile unterschiedliche Eigenschaften haben. Rote Blutkörperchen sind Sauerstoffträger und dienen bei hohem Blutverlust oder bei Krebstherapie vor allem zur Sauerstoffversorgung. Plasma hat viele Gerinnungsfaktoren und wird bei hohem Blutverlust zusätzlich gegeben. Die Blutplättchen sind ebenfalls für die Blutstillung und bei Krebspatienten wichtig. Weiße Blutkörperchen hingegen können wegen ihrer Funktion in der Immunabwehr Nebenwirkungen beim Empfänger verursachen und werden herausgefiltert.

Wer bekommt das Blut?

Opitz: Wir beliefern das Kasseler Klinikum und 43 weitere Krankenhäuser in Nord- und Osthessen. Die ersten Blutspenden von Dienstag dürften gestern in Umlauf gekommen sein. In unserem Kühlhaus sind die Erythrozyten-Konzentrate mindestens 35 Tage haltbar. Durch die HNA-Spendenaktion werden wir am Freitag wieder ein gutes Polster haben.

Von Katja Rudolph

Quelle: HNA

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