Demenz trifft auch junge Menschen

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Demenz - Symptome werden anfangs verdrängt.

In der zahlenmäßig gewaltigen Baby-Boom-Generation der USA nach dem Zweiten Weltkrieg macht sich Demenz breit. Und die Patienten mit der Diagnose sind oft noch jung.

Denn nicht nur alte Menschen sind von der Krankheit betroffen: Rund 200.000 Patienten unter 65 Jahren in den Vereinigten Staaten leiden an Alzheimer, dazu kommen noch einmal etwa genauso viele Menschen mit anderen Demenzerkrankungen, einige davon nicht älter als 30 oder 40 Jahre. Insgesamt wird die Zahl der Demenzkranken in den USA aktuell auf 5,7 Millionen Betroffene geschätzt.

Alzheimer: Prominente, die ihr Gedächnis verloren

Prominente, die ihr Gedächtnis verloren 

Eine steigende Tendenz bei den jüngeren Betroffenen kann Marc Agronin, Psychiater in Miami, nicht erkennen. Allerdings sei die Sensibilität in dieser Altersgruppe für das Thema deutlich größer geworden, berichtet er. Er begrüßt immer öfter junge Leute, die befürchten, an Demenz erkrankt zu sein. Meist lägen diese zwar mit ihrer Einschätzung falsch. Wenn sich die Diagnose medizinisch bestätige, löse dies jedoch oft dramatische Reaktionen aus. „Es ist ein Elend, junge Menschen mit jungen Partnern und kleinen Kindern zu sehen, die so früh so unaufhaltsam beeinträchtigt sind“, sagt Agronin, der mehrere Bücher zum Thema Alterung geschrieben hat.

Beth Kallmyer, auf die Betreuung von Alzheimer-Patienten spezialisierte Sozialarbeiterin, berichtet, dass junge Betroffene oft auf Ungläubigkeit im Bekanntenkreis stoßen, wenn sie von ihrer Krankheit erzählen. Außerdem führe die Diagnose regelmäßig zu Übersprunghandlungen. Spontan würden einige Betroffene während ihrer eigentlich besten Berufsjahre den Job schmeißen und damit nicht selten ins finanzielle Desaster laufen.

Doreen Watson-Beard ist ein solcher Fall. Sie kennt Alzheimer aus zwei Perspektiven: Als Krankenschwester hatte die heute 49-Jährige jahrelang oft mit Demenzkranken zu tun. Vor fünf Jahren traten bei ihr selbst die ersten Anzeichen der Krankheit auf. So vergaß sie bisweilen, ihren Enkel von der Schule abzuholen oder die Pläne, die sie mit ihrem Mann fürs Wochenende geschmiedet hatte. Gefährlicher wurde es, als sie ihren Patienten teilweise falsche Dosierungen für Medikamente aufschrieb. Glücklicherweise bemerkten Apotheker diese Fehler.

Symptome anfangs verdrängt

Watson-Beard verdrängte die Symptome anfangs, seit drei Jahren lebt sie nun in trauriger Gewissheit. „Es ist so frustrierend, wenn man auf einem solchen Level funktioniert hat und plötzlich ist alles weg. Du weißt nicht, was der nächste Tag bringt“, sagt sie. Nach der Diagnose hatte die Krankenschwester ihren Job im Pflegeheim aufgegeben und arbeitete kurzzeitig freiberuflich in der häuslichen Krankenpflege. Danach versuchte sie sich in anderen Bereichen, um durch ihre eigene Erkrankung nicht unmittelbar Patienten zu gefährden. Die Probleme mit der Demenz nahmen jedoch zu. Watson-Beard ist nicht krankenversichert, und ihr Haus befindet sich mittlerweile in Zwangsversteigerung.

In Deutschland leben derzeit etwa 1,4 Millionen Menschen mit Demenz. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung wird sich die Zahl der Erkrankungen in den kommenden Jahrzehnten dramatisch erhöhen, heißt es im Versorgungs-Report 2012 des wissenschaftlichen Institutes der AOK. So werden Prognosen zufolge im Jahr 2050 bis zu drei Millionen Bundesbürger erkrankt sein. Entsprechend der Studie ist derzeit im Alter von 60 bis 64 Jahren ein Prozent der Bevölkerung betroffen, während im Alter von 75 bis 79 Jahren die Quote bei 7,5 Prozent liegt. Zwischen 85 und 89 Jahren sind bereits 22,5 Prozent, ab dem 100. Lebensjahr schließlich 40 Prozent erkrankt.

Matt Sedensky dapd

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