Krebsvorsorge mit schmerzfreier Dickdarmspiegelung

Der Darmkrebs stellt in Deutschland sowohl bei Frauen als auch bei Männern den zweithäufigsten bösartigen Tumor dar. Es treten in Deutschland pro Jahr knapp 70 000 Neuerkrankungen auf.

Eine Vorsorge-Dickdarmendoskopie (Koloskopie) wird im Rahmen einer Reihenuntersuchung bei Personen ohne Beschwerden ab dem 55. Lebensjahr empfohlen und von den Krankenkassen erstattet. Bei etwa jedem vierten Patienten wird dabei eine pathologische Neubildung entdeckt (ca. 20,4 Prozent Adenome, 6,6 Prozent fortgeschrittene Adenome, 0,8 Prozent Karzinome). Sofern bei der Dickdarmspiegelung kein Adenom oder Karzinom gefunden wird, so ist die nächste Kontrolle erst nach 10 Jahren erforderlich (abgesehen von Einzelfällen mit erhöhtem Risiko z.B. bei familiärer Belastung).

Wir machen die Dickdarmspiegelung für Sie schmerzfrei. Das Elisabeth Krankenhaus Kassel führt ein neuartiges röntgenstrahlen-freies Durchleuchtungssystem ein („Scope guide“) , mit dem das Endoskop auf einem Monitor sichtbar wird und damit eine schmerzhafte Schleifenbildung bei der Untersuchung vermieden werden kann. Bei Personen, die dennoch eine Früherkennungs-Dickdarmspiegelung ablehnen wird eine Teilspiegelung des Dickdarmes (sogenannte Sigmoidoskopie) alle 5 Jahre sowie ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl (sogenannter Briefchentest) empfohlen. Bei Personen, die auch diese Teilspiegelung des Dickdarmes ablehnen, wird ein jährlicher Test auf verstecktes Blut im Stuhl empfohlen. Bei Durchführung einer kompletten Dickdarmspiegelung erübrigt sich der Briefchentest. Wenn dieser positiv ausfällt, so empfiehlt sich ohne weitere Kontrolle eine Dickdarmspiegelung.

Da die Dickdarmspiegelung auch bei älteren Personen sicher durchführbar ist, besteht für die Vorsorge-Dickdarmspiegelung keine obere Altersgrenze, sondern ist eine Individualentscheidung. Allein durch die Durchführung der Briefchenteste kann eine Senkung der Sterblichkeit durch Tumore des Dickdarmes von 15-33 Prozent erreicht werden. Sogenannte immunologische Testverfahren oder Stuhluntersuchungen auf DNA-Veränderungen stellen aktuell noch keine allgemein zu empfehlende Alternative zu den herkömmlichen Briefchentesten dar.

Gerade auch aufgrund der fehlenden Abtragungsmöglichkeit und aufgrund der v.a. für flache Veränderungen geringeren Detektionsrate kann eine sogenannte virtuelle Koloskopie mittels Computertomographie oder Kernspintomographie nicht generell empfohlen werden. Zur Vorsorgeuntersuchung am besten geeignet ist die vollständige endoskopische Dickdarmuntersuchung (Koloskopie). Dieses Verfahren hat den unschlagbaren Vorteil, dass die meisten Neubildungen (v.a. Adenome) in der gleichen Sitzung entfernt werden können. Dadurch wird verhindert, dass sich später aus diesen Neubildungen ein bösartiger Tumor entwickelt.

In Studien wurde gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines bösartigen Dickdarmtumors durch die Koloskopie um 66-90 Prozent gesenkt werden kann. Dabei erlauben es moderne Verfahren wie HD, die sogenannte Chromoendoskopie (direktes oder elektronisches Anfärben des Gewebes) und die Zoomendoskopie (vergrößerte Darstellung gezielter Areale), dass Neubildungen im Darm noch sicherer und noch früher entdeckt werden können. Scheuen Sie sich nicht vor einer nachgewiesen sinnvollen und sicheren Dickdarmspiegelung, damit gerade in der Phase, in der Sie keine Beschwerden haben, frühe Veränderungen sicher entfernt werden können.

Sprechen Sie mit ihrem Hausarzt darüber, er wird Sie ambulant im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung für eine Dickdarmspiegelung vorstellen.

Durch eine moderne Technik, optimale Überwachung und durch eine kontrollierte Gabe geeigneter Schlafmedikamente ist die Dickdarmspiegelung kein unangenehmes Verfahren mehr – lassen Sie sich davon überzeugen.

Von Dr. med. Ortwin Mann

Quelle: HNA

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