Chronische Darmentzündungen sind mit individuellen Therapien in den Griff zu bekommen

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Lästig aber in den meisten Fällen harmlos: Erkrankungsschübe bei chronischen Darmentzündungen können mit Medikamenten gut therapiert werden.

Chronische Darmentzündungen gelten mit mehreren Millionen Betrof- fenen in Deutschland als Volkskrankheit.

Patienten mit chronischer Darmentzündung leiden oft Jahre lang unter Bauchschmerzen, häufig begleitet von Durchfällen und Abgeschlagenheit, wobei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa schubweise verlaufen. Der Leidensdruck bei den Betroffenen ist sehr hoch.

Fragen zur Therapie von chronischen Darmentzündungen beantwortete Professor Dr. Rudolf Hesterberg, Chefarzt der Klinik für Allgemein und Viszeralchirurgie am Roten Kreuz Krankenhaus Kassel, am Montag in der HNA-Telefonsprechstunde.

Ich bin 88 Jahre alt und leide bereits seit meiner Jugend an chronischen Bauchschmerzen. Bei einer Darmspiegelung wurden in diesem Jahr Darmdivertikel festgestellt. Was kann ich gegen die Krämpfe im Unterbauch tun? 

 

PROF. RUDOLF HESTERBERG: Da die Beschwerden seit ihrer Jugend bestehen, handelt es sich in ihrem Fall am ehesten um funktionelle Beschwerden, die zwar lästig, aber harmlos sind. Sie sollten Nahrungsmittel, die die Beschwerden verstärken oder auslösen können vermeiden. Zusätzlich kann Ihnen Ihr Arzt ein krampflösen- des Medikament verschreiben, um stärkere Schmerzattacken zu lindern. Diese Medikamente sind jedoch nicht zur Dauertherapie geeignet. Darmdivertikel, die sich im späteren Leben entwickeln, können sich im Einzelfall auch einmal akut entzünden.

Wenn die Beschwerden heftiger sind als sonst und mit Fieber oder erhöhter Temperatur einhergehen, sollten Sie auf jeden Fall auch notfallmäßig einen Arzt aufsuchen.

 

Unsere Tochter leidet an Colitis ulcerosa und wird von den regelmäßigen Schüben stark in ihrem Berufsleben und Alltag beeinträchtigt. Ihr Arzt hat ihr Cortison verschrieben, das ihre Beschwerden schnell zurück gehen lässt. Allerdings leidet sie unter den Nebenwirkungen des Cortisons. Ihr Gesicht schwillt sehr stark an, was sie zusätzlich belastet. Was kann Sie tun? 

 

HESTERBERG: In der Akutphase der Erkrankung ist Cortison das Mittel der Wahl. Langfristig sollte die Therapie jedoch darauf angelegt sein, durch den Einsatz verschiedener entzündungshemmender Medi- kamente die Cortisondosis zu minimieren. Die Schwellung des Gesichtes bei ihrer Tochter spricht schon dafür, dass die Cortisondosis doch sehr hoch ist.

Bei Vorliegen einer Colitis ulcerosa ist eine lebens- lange Betreuung durch einen internistischen Darmspezialisten sehr wichtig, der eine auf den inividuellen Fall zugeschnittene Medikamentenkombination auswählt, um im langfristigen Verlauf eine Dauertherapie mit Cortison zu vermeiden oder die Cortisondosis möglichst gering zu halten.

Ich bin 76 Jahre alt und vor neun Jahren wurde bei mir bei einer Darmoperation 30 Zentimeter Dickdarm entfernt. Obwohl bei einer anschließenden Darmspiegelung keine Auffälligkeiten festgestellt wurden, leide ich unter starken Krämpfen und starkem Durchfall. Da meine Frau an Darmkrebs gestorben ist, bin ich sehr sensibel, was das Thema angeht und habe Angst, dass ein möglicher Darmkrebs nicht rechtzeitig erkannt wird. Was raten Sie mir?

 

HESTERBERG : Eine Vorsorge-Darmspiegelung ist immer noch die beste Möglichkeit, Darmkrebs nicht nur frühzeitig zu entdecken, sondern durch die Erkennung und Entfernung der gutartigen Darm- krebsvorstufen, der Polypen, die Entwicklung eines Darmkrebses sicher zu verhindern. Da es in ihrem Fall keine Auffälligkeiten bei der Darmspiegelung gab, muss man von einer funktionellen Störung ausgehen. In ihrem Alter kommt es häufg zu Milchzucker- (Laktose) und Fruchtzucker- (Fruktose) Unverträglichkeiten, die zu Durchfall und Bauchkrämpfen führen können.

Sowohl gegen die Bauchkrämpfe, als auch gegen die Durchfallneigung mit plötzlichem Stuhldrang gibt es Medikamente, die nach Ausschluss einer organischen Ursache sehr schnell Linderung verschaffen. Ich empfehle aber auf jeden Fall ein Ernährungstagebuch zu führen, um herauszufinden, ob der Körper auf bestimmte Lebensmittel reagiert und eventuell eine Unverträglichkeit vorliegt.

 

Ich bin 46 Jahre alt und bei mirwurde vorzehnJahren eine Colitis ulcerosa diagnostiziert. In den folgenden drei Jahren litt ich unter schubartigen Er- krankungen mit starkem Durchfall. Obwohl ich auf- grund einer Medikamentenunverträglichkeit keine Entzün- dungshemmer mehr einnehme, bin ich seit dem beschwerdefrei. Wann ist der empfohlene Zeitpunkt für eine Darmspiegelung? Sollte man generell nach einer Darmspiegelung auf eine besondere Ernährung achten?  

HESTERBERG: Grundsätzlich sollten bei einer diagnostizierten Colitis ulcerosa etwa 10 Jahre nach Krankheitsbeginn Darmspiegelungen zur Darmkrebs-Vorsorge erfolgen. Vor der Untersuchung muss der Patient zwar seinen Darm komplett entleeren, damit die Darmschleimhaut optimal untersucht werden kann. Die Darmflora wird davon aber nicht beeinträchtigt. Daher muss im Anschluss an eine Darmspiegelung auf keine besondere Ernährung geachtet werden.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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