Chirotherapie kann bei akuten Rückenschmerzen helfen

Ein Knacks hilft: Dr. Reinhard Möller zeigt an seiner Mitarbeiterin einen chirotherapeutischen Handgriff an der Brustwirbelsäule. Der Patient muss nach der Akutphase selbst etwas für sich tun. Foto:  Polk

Kassel. Eine falsche Bewegung, Stress oder Kälte, und schon geht gar nichts mehr. Von der Wirbelsäule strahlen Schmerzen aus, die den Betroffenen sofort in eine Schonhaltung zwingen. Jeder, der das schon einmal erlebt hat, glaubt den Auslöser zu kennen. Da hat man die Sprudelkiste falsch angehoben oder auf dem Sportplatz Zug gekriegt, wie der Volksmund sagt.

In den meisten Fällen gibt es eine Vorgeschichte. „Die Patienten haben in aller Regel eine Karriere der Verspanntheit hinter sich, wenn sie mit akuten Beschwerden in meine Praxis kommen“, sagt Reinhard Möller. Der Allgemeinmediziner mit Schwerpunkt Naturheilkunde und Physikalische Therapie ist Chirotherapeut. Mit chiropraktischen Handgriffen versucht er, Blockierungen an der Wirbelsäule zu lösen.

Das Ziel ist nicht, etwas einzurenken, stellt Möller klar: „Die Wirbelkörper sind nicht ausgerenkt, sonst wäre der Patient querschnittgelähmt“, sagt er. Die Ursache für Schmerzen und Schonhaltung ist die Unbeweglichkeit einer oder mehrerer Wirbelkörper zueinander, entstanden durch eine massive Verspannung der Muskulatur. Die Schonhaltung belastet die Muskeln zusätzlich, der Schmerz erhöht die Muskelspannung.

Auch der Versuch, sich zusammenzureißen, ist in dieser Situation nicht angeraten, er treibt den Muskeltonus (Spannungszustand der Muskulatur) zusätzlich nach oben.

Einfache Übungen helfen

„Eine chirotherapeutische Behandlung durchbricht vorübergehend den Teufelskreis von Anspannung, Schmerz und Bewegungseinschränkung“, sagt Möller. Gelingt dies, ist der Patient an der Reihe. Sehr einfache Übungen helfen, aus den eingeschliffenen Mustern herauszukommen, sagt der Chirotherapeut. Dabei geht es vor allem darum, sensibler für verspannte Partien zu werden und die Muskulatur aktiv zu entspannen. Möller gibt auch Tipps gegen eine Anspannung, die sich gedanklich beeinflussen lässt. Er nennt das Django-Mentalität: „Die ständige Bereitschaft für Flucht oder Angriff ist mit einem hohen Muskeltonus verbunden und entwicklungsgeschichtlich bedingt“, sagt er.

In vielen Situationen sei das fehl am Platz: „Die Bahn kommt nicht eher, und der Bus fährt auch nicht schneller“, sagt er. Hier könne man Entspannung üben. Von der längerfristigen Einnahme von Schmerzmitteln hält der Chirotherapeut nichts. Der Patient würde zu früh belasten, obwohl der Auslöser für Schmerzen und Verspannungen nicht beseitigt sei. „Das ist wie Autofahren mit angezogener Handbremse. Es ändert nichts an den Ursachen“, sagt Möller.

Hintergrund:

Der Name Chirotherapie ist aus dem altgriechischen Wort Cheiros - Hand - abgeleitet. Untersuchungen und Therapie sind geprägt von schonenden, weichen Techniken.

Die Zusatzbezeichnung Chirotherapie darf nur von Ärzten geführt werden, die eine entsprechende Zusatzausbildung haben. Der Begriff Chiropraktiker wird häufig von Heilpraktikern benutzt, er ist nicht geschützt.

Zu einer verantwortungsvollen Therapie gehört vor der Manipulation an der Wirbelsäule die Abklärung möglicher Schäden.

Der Patient kann durch einfache Maßnahmen typische Bewegungsmuster unterbrechen. Beispiele:

• Ab und zu rückwärts laufen, auch beim Walken oder Joggen,

• Einzelne Muskelpartien bewusst anspannen, die Spannung einige Sekunden halten, dann wieder loslassen oder

• Umräumen, zum Beispiel im Bad: Dinge anders anzuordnen, erfordert veränderte Bewegungsabläufe. (zip)

Quelle: HNA

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