„Bitte keine Horrorgeschichten“

+
So gehts: Wie man Zähne richtig putzt, das lernt Franz gerade von Dr. Lars Zacke.

Bereits die ersten Lebensjahre sind entscheidend für ein gesundes Gebiss eines Kindes. Werden die Weichen richtig gestellt, kann ein Kind ein Leben lang gesunde Zähne behalten und schmerzliche Erfahrungen mit dem Zahnarztbohrer vermeiden.

Im HNA-Interview gibt Dr. Lars Zacke aus Sachsenhausen Tipps für den richtigen Umgang mit Milchzähnen und gibt Eltern den Rat, keine Horrorgeschichten vom Zahnarztbesuch zu erzählen.

Sollte man die Milchzähne so lange wie möglich erhalten, auch wenn die kariös sind?

Dr. Lars Zacke: Es ist in jedem Fall sinnvoll, Milchzähne so lange wie möglich mit Füllungen oder Kinderkronen zu erhalten. Sie haben eine wichtige Platzhalterfunktion für die bleibenden Zähne. Dabei kommt es auf die Größe der Karies an. Ist ein Zahn bereits so stark zerstört, dass der Nerv entzündet ist, ist eine Entfernung sinnvoll. Ein Platzhalter, ein kleines kieferorthopädisches Gerät, kann dann die Platzhalterfunktion übernehmen.

Können die bleibenden Zähne durch Karies der Milchzähne geschädigt werden?

Dr. Zacke: Karies ist eine Ansteckungskrankheit. Befinden sich kariesaktive Bakterien in der Mundhöhle können sie auch bleibende Zähne besiedeln. Bei einer Nerventzündung eines Milchzahnes kann auch der noch im Knochen liegende Zahnkeim geschädigt werden. Die noch andauernde Schmelzbildung wird gestört und die Zähne können mit bräunlichen oder weißlichen Flecken durchbrechen. Daher raten wir allen Eltern mit ihren Kindern, die halbjährlichen Vorsorgeuntersuchungen mit entsprechenden Prophylaxemaßnahmen wahrzunehmen.

Was genau passiert bei der Behandlung und Sanierung der geschädigten Zähne?

Dr. Zacke: Zunächst wird der Zahn gesäubert und es werden alle Bakterien entfernt. Kleinere kariöse Defekte können dann mit Füllungen versorgt werden. Bei größeren Defekten braucht der Zahn eine Kinderkrone.

Wie viele Zahnarztbesuche sind dazu notwendig?

Dr. Zacke: Beim ersten Termin lernen wir unsere kleinen Patienten in der Regel erst mal kennen. Je nach Sanierungsbedarf und Temperament des Kindes kann mit einer kleinen Stelle begonnen werden oder zunächst der Ablauf des nächsten Termins erklärt werden.

Wie werden die Schmerzen bei der Behandlung ausgeschaltet?

Dr. Zacke: Bei kleineren Behandlungen reicht es häufig aus, die Behandlung kindgerecht zu erklären und dem Kind die Möglichkeit zu geben mittels ‚Stopparm’ um eine Pause zu bitten. Für größere Eingriffe wird der Zahn ‚schlafen’ gelegt.

Was kann man tun, wenn Kinder Angst vor Spritzen oder ganz generell vor der Behandlung beim Zahnarzt haben?

Dr. Zacke: Wichtig ist zunächst, dass eigene Ängste der Eltern nicht auf das Kind übertragen werden. Zu Hause bitte keine Horrorgeschichten erzählen, sondern positiv formulieren: ‚Der Zahnarzt schaut sich deine Zähne an und hilft uns, dass sie wieder schön und gesund werden.’ Auch während der Behandlung können durch kindgerechte Formulierungen und Erklärungen Ängste gemindert werden.

Was geschieht bei einer Vollnarkose?

Dr. Zacke: Bei sehr großem Sanierungsbedarf und der Notwendigkeit der Entfernung von Zähnen kann eine Vollnarkose notwendig sein. Hierbei wird der Schlaf des Kindes von einem Anästhesisten eingeleitet und überwacht, der Zahnarzt behandelt währenddessen das Gebiss des Kindes. In der Regel ist dies ein ambulanter Eingriff.

Welche Schwierigkeiten entstehen, wenn die Zähne doch entfernt werden müssen?

Dr. Zacke: Bei der Entfernung von Frontzähnen kann es zur Beeinträchtigung der Abbeiß- und Sprachfunktion kommen. Die Sprachfunktion lässt sich mit einem Kinderzahnersatz gut wiederherstellen. Auch lässt sich eine soziale Ausgrenzung durch Hänseleien anderer Kinder mit einem Kinderzahnersatz vermeiden. Auf Grund der Platzhalterfunktion der Milchmolaren für die bleibenden Zähne ist es wichtig, den Platz mittels eines Platzhalters offen zu halten. Geschieht dies nicht, kommt es häufig zu großem kieferorthopädischen Behandlungsbedarf.

Inwieweit sind Prothesen mit den nachwachsenden Zähnen vereinbar?

Dr. Zacke: Ein Kinderzahnersatz sollte regelmäßig vom Zahnarzt kontrolliert werden. Für durchbrechende bleibende Zähne wird der Zahnersatz freigeschliffen und neu angepasst.

Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?

Dr. Zacke: Weitgehend werden die Kosten von allen Krankenkassen übernommen.

Von Gaby Vich

Zahnschäden

Tipps zur Vorbeugung

Um Zahnschäden zu vermeiden, hat Dr. Lars Zacke wertvolle Tipps:

• Vorsorge in der Schwangerschaft,

• halbjährliche Kontrolluntersuchungen ab dem ersten Lebensjahr,

• grundsätzlich gilt: Eltern putzen Kinderzähne,

• Schnuller- und Flaschenentwöhnung bis zum dritten Lebensjahr,

• zahngesunde Ernährung: viel Obst und Gemüse, auf Fruchtschorlen zwischen den Mahlzeiten verzichten, ungesüßte Getränke, Idealfall: Wasser. (zgv)

Quelle: HNA

Kommentare