Bewegung ist die halbe Miete

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Fettleibigkeit ist ein drängendes Problem in vielen Ländern der Erde. Allein in Deutschland trägt jeder Sechste zu viele Kilo mit sich herum. Eine Lebensstiländerung ist nötig.

Diäten haben oft einen Jojo-Effekt – Nur eine Umstellung des Lebensstils hilft dauerhaft beim Abnehmen

Der Frühling naht und mit ihm die Zeit, in der die Kleidung wieder leichter und vor allem enger getragen wird.

Da werden einigen Menschen geradezu ihre Sünden der vergangenen Monate vor Augen geführt. Das tägliche Stückchen Stollen, die leckeren Plätzchen, die fette Weihnachtsgans und die deftigen Sonntagsbraten haben unübersehbar ihre Spuren am Bauch und auf den Hüften hinterlassen. Bevor es in die leicht bekleidete Zeit geht, wollen die meisten ihre überflüssigen Pfunde wieder loswerden.

Leider geht das meistens nicht so leicht, wie man sie sich angefuttert hat. So stolpert manch einer von einer Diät in die nächste, nur um danach festzustellen, dass man sich zwar gemüht, aber trotzdem nicht abgenommen hat. Wie man aus dieser Falle herauskommt, weiß Susanne Welch, Ernährungswissenschaftlerin bei der Barmer GEK: „Sport ist die halbe Miete“, sagt sie und verweist darauf, dass man mit genügend Bewegung und einem maßvollen Umgang mit den gängigen Lebensmitteln durchaus viel erreichen kann.

Während unserer HNA-Telefonsprechstunde beantwortete sie zahlreiche Fragen zum Thema Abnehmen.

Ich bin ziemlich übergewichtig und möchte nun endlich mal abnehmen. Eine Kollegin von mir hat in den vergangenen zwei Monaten bereits zehn Kilo abgenommen. Sie ernährt sich nur von Eiweiß, Gemüse und Salat. Obst und Kohlehydrate sind tabu. Zusätzlich nimmt sie Nahrungsergänzungsmittel in Tablettenform. Ich möchte das auch gern so machen. Ist das sinnvoll?

Welch: Ich halte überhaupt nichts von der Einnahme von Nahrungsmittelergänzungen. Keine Kohlehydrate zu essen, ist physiologisch auf Dauer nicht gesund. Wenn ihre Kollegin wieder normal isst, kommt der Jojo-Effekt, und sie wird schnell wieder zunehmen. Wenn Sie wirklich abnehmen wollen, sollten Sie zunächst über eine Woche lang ein Ernährungstagebuch führen. Darin schreiben Sie ganz ehrlich alles auf, was Sie den Tag über essen. Vom Gummibärchen bis zur Hauptmahlzeit müssen Sie alles notieren. Nach acht Tagen schauen Sie sich genau an, was Sie gegessen haben und überlegen, was eigentlich überflüssig war. Das lassen Sie in Zukunft weg. Und von dem, was übrig bleibt, essen Sie nur noch die Hälfte. Wenn es Süßigkeiten sein müssen, so nur in kleinen Portionen, am besten direkt nach einer Hauptmahlzeit und nicht zwischendurch.

Ich war mein Leben lang rank und schlank und habe plötzlich in den vergangenen Monaten zehn Kilo zugenommen. Vor sechs Wochen wurde eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt, die mein Hausarzt als Grund für die Gewichtszunahme ansieht. Ich nehme seitdem ein Schilddrüsenmedikament, habe aber noch kein Gramm abgenommen. Dabei esse ich nur noch Knäckebrot mit Quark und Tomaten und habe ständig Hunger. Ich bin todunglücklich. Was kann ich noch tun, um wieder mein normales Gewicht zu erreichen?

Welch: In der kurzen Zeit können Sie noch gar nicht viel abnehmen. Sie müssen Ihrer Schilddrüse erst einmal Gelegenheit geben, auf das Medikament zu reagieren und es umzusetzen. Das ist ein schleichender Prozess, der einige Monate dauert. Sie haben ja noch kein richtiges Übergewicht und sollten sich deshalb mit dem Essen nicht zu sehr kasteien. Ihr Gewicht wird sich mit Sicherheit auf Dauer wieder einspielen. Das können Sie mit ein bisschen Sport wie Walking, Gymnastik oder Schwimmen noch unterstützen.

Ich bin 61 Jahre alt und habe im Lauf des vergangenen Jahres kontinuierlich 13 Kilo zugenommen. Ich habe jeden Tag ziemlich viel Süßigkeiten gegessen. Muss ich die jetzt ganz weglassen, wenn ich wieder abnehmen will?

Welch: Nein, aber Sie sollten den Verzehr von Süßigkeiten stark einschränken. Es hilft überhaupt nichts, wenn man einen Heißhunger auf etwas entwickelt, weil man es sich ganz versagt. Besser ist es, wenn Sie einfach keine Süßigkeiten auf Vorrat einkaufen. Dann können Sie auch nicht so viel davon zu sich nehmen. Die gesündeste Diät ist der vernünftige Umgang mit gängigen Lebensmitteln. Essen Sie viel mageres Fleisch und Fisch sowie Obst, Gemüse und Salat mit wenig Dressing. Sollten Sie trotzdem nicht abnehmen, müssen Sie zusätzlich noch Sport machen. Dadurch wird nämlich der Grundumsatz erhöht, denn Muskeln verbrauchen mehr Energie als das Fettgewebe.

Ich habe einiges Übergewicht und möchte abnehmen. Ist es besser, fünf Mahlzeiten am Tag zu essen oder doch nur drei. Und was kann man als Zwischenmahlzeit essen?

Welch: Drei Mahlzeiten am Tag sind vollkommen ausreichend. Wenn man zwischendurch immer wieder etwas Kohlehydrathaltiges zu sich nimmt, wird ständig Insulin ausgeschüttet. Das bremst aber die Fettverbrennung. Wenn Sie zwischen den Mahlzeiten Heißhunger bekommen, können Sie ein hartgekochtes Ei essen. Das macht pappsatt, aber der Insulinspiegel steigt dadurch nicht an. Ebenso können Sie Joghurt oder Quark essen. Es hilft auch, bei einer Heißhungerattacke etwas zu trinken.

Ich habe Diabetes Typ 2, muss Insulin spritzen und möchte ein paar Kilo abnehmen. Was empfehlen Sie mir?

Welch: Vor einer Diät müssen Sie unbedingt mit Ihrem Hausarzt sprechen. Diabetiker müssen ja die Kohlehydrate über den Tag verteilt aufnehmen. Rufen Sie bei Ihrer Krankenkasse an und fragen Sie nach einer Ernährungsberatung in Ihrer Nähe. Dort können Sie gemeinsam mit einer Beraterin einen Diätplan extra auf Sie abgestimmt erstellen lassen. Die Kosten dafür übernimmt anteilig die Krankenkasse.

Von Susanne Seidenfaden

Quelle: HNA

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