Alkoholsucht ist ein Tabuthema: Wie erkennt man eine Abhängigkeit?

Es beginnt schleichend

Leben ohne Alkohol: Für Suchtpatienten ist das ein schwerer Weg. Hilfe bietet das Blaukreuz-Zentrum an. Foto: Fotolia

Alkohol gilt als gesellschaftlich anerkanntes Genussmittel und ist in vielfältiger Form in das gesellschaftliche Leben integriert. Entwickelt sich jedoch aus dem Genuss über die Gewohnheit eine Abhängigkeit, dann wird der Alkoholkonsum zum Tabuthema.

Innerlicher und äußerlicher Rückzug der Betroffenen

„Betroffene entwickeln Schamgefühle gegenüber ihrem Trinkverhalten und ziehen sich innerlich und äußerlich immer mehr zurück. Aber auch in der Gesellschaft bestehen immer noch viele Vorurteile gegenüber der Erkrankung und den betroffenen Menschen“, sagt Gerd Neuhoff, Sucht- und Familientherapeut in Kassel. Charakter- und Willenlosigkeit wird Suchtkranken zugeschrieben, und die Erkrankung selbst wird eher als ein „sozial verächtliches Verhalten“ und nicht als eine Erkrankung angesehen.

„Alkoholabhängigkeit entwickelt sich schleichend, oft erst nach jahrelangem Alkoholkonsum und unterschiedlichen Trinkphasen“, erklärt Gerd Neuhoff, der als Therapeut und Leiter im Blaukreuz-Zentrum Kassel tätig ist. Verschiedene Bedingungen können zur Entstehung einer Alkoholabhängigkeit beitragen. Dazu gehören individuelle Faktoren – zum Beispiel die persönliche Entwicklung, Umgang mit Belastungen, genetische Disposition, spezielle Wirkung des Alkohol – und soziale Faktoren wie die Akzeptanz und Verfügbarkeit des Alkohols im sozialen Umfeld.

Die eigene Abhängigkeitsproblematik wird zunächst vom Betroffenen nicht wahrgenommen und später häufig verleugnet, was die Annahme von Hilfsangeboten, wie sie das Blaukreuz-Zentrum anbietet, erschwert.

Wie erkennt man eine Alkoholabhängigkeit?

Eine voll ausgebildete Alkoholabhängigkeit besteht, wenn mindestens drei der folgenden Aussagen zutreffen:

† Ich kann nicht auf Alkohol verzichten.

† Ich kann die Trinkmenge nicht mehr steuern.

† Wenn ich aufhöre zu trinken, leide ich unter körperlichen Entzugssymptomen (Schweißausbruch, Zittern usw).

† Ich muss immer mehr trinken, um die erwünschte Wirkung des Alkohols zu spüren.

† Ich vernachlässige andere Interessen zugunsten des Alkoholkonsums.

† Ich höre nicht auf zu trinken, auch wenn mir die schädlichen Folgen meines Alkoholkonsums bekannt sind.

Hilfe für Betroffene und Angehörige

Betroffene finden alleine keinen Weg aus der Sucht. Beratung, Therapie und Betreuung sind notwendig, um wieder ein Leben ohne Alkohol beginnen zu können. Im Blaukreuz- Zentrum in Kassel könne sich Betroffene und Angehörige zum Thema Alkohol- und auch Medikamentenabhängigkeit beraten lassen. Darüber hinaus kann über das Angebot von ambulanter, stationärer und tagesklinischer Behandlung informiert beziehungsweise die entsprechende Behandlungsform vorbereitet und durchgeführt werden. (hko)

Quelle: HNA

Kommentare