Rund 14 Prozent der Deutschen leiden an der wenig bekannten Divertikulitis

Baustelle Dickdarm

Routinierter Eingriff: Die Operation der Divertikulitis ist eine häufig durchgeführte Darmoperation in der Chirurgischen Klinik. Fotos: RKH/nh

Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Reizdarm stellen bekannte Darmkrankheiten dar. Eine weitere Erkrankung tritt zwar häufig auf, ist jedoch wesentlich unbekannter: die Divertikulitis.

Weit verbreitete Krankheit

Circa siebzig Prozent der deutschen Bevölkerung, hauptsächlich ältere Menschen, haben Dickdarmdivertikel, meist unbedenkliche Ausstülpungen der Darmwand. „Vor allem im höheren Alter verliert das Darmgewebe an Festigkeit und gibt leichter nach“, erläutert Professor Dr. Rudolf Hesterberg, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Roten Kreuz Krankenhaus in Kassel (RKH).

Teile der Darmschleimhaut drücken durch Lücken im Muskelgewebe nach außen und bilden Divertikel. Bei einer größeren Menge von Divertikeln spricht man von einer Divertikulose. Diese Erkrankung verläuft meist beschwerdefrei und bleibt unerkannt. In circa zwanzig Prozent der Fälle führt die Divertikulose jedoch zu einer Dickdarmentzündung, einer Divertikulitis. Ursache hierfür ist die Ansammlung von Stuhl in den Divertikeln, die sich nicht aktiv entleeren: Sie verstopfen und entzünden sich.

Ärztliche Untersuchung

Bei Symptomen wie Bauchschmerzen, Fieber, Verstopfung oder blutigem Durchfall rät der Experte zum Arztbesuch. Durch eingehende Untersuchungen, beispielsweise Ultraschall und Computertomographie sowie verschiedene Bluttests erhält der Arzt Aufschluss über Art und Grad der Erkrankung.

Liegt eine Divertikulitis vor, dämmen Medikamente, hauptsächlich Antibiotika, die Entzündung ein. In fünf bis zehn Prozent der Fälle therapiert Prof. Dr. Hesterberg die Divertikulitis operativ, wobei der Chirurg den erkrankten Darmabschnitt entfernt. Die operative Behandlung der Divertikulitis stellt eine der häufigsten Darmoperationen der Chirurgischen Klinik dar. Insbesondere bei chronischem Verlauf fällt Prof. Dr. Hesterberg die Entscheidung für oder gegen eine Operation in enger Zusammenarbeit mit Professor Dr. Christian Löser, dem Chefarzt der Medizinischen Klinik des RKH.

Es besteht die Gefahr des Darmdurchbruchs

Brechen entzündete Divertikel auf, besteht die Gefahr eines Darmdurchbruchs, der bis hin zu einer Bauchfellentzündung führt. Durch die Entzündung der Divertikel vernarbt das Darmgewebe und verengt den Dickdarm, wodurch ein Darmverschluss entsteht. Entzündete Divertikel können Verbindungskanäle, sogenannte Fisteln, zu anderen Organen bilden.

So entstehen dort schwere Entzündungen, beispielsweise in der Harnblase. „Bei diesen Komplikationen ist eine Operation unerlässlich“, erklärt der Chirurg. Schwere Blutungen aus Divertikeln können zur Notoperation zwingen. Spricht der Patient nicht hinreichend auf Medikamente an und verbessert sich sein Gesundheitszustand nicht, operiert der Experte ebenfalls.

„So verhindern wir frühzeitig eine vielleicht erforderliche Notoperation“, erklärt Prof. Dr. Hesterberg. „In den meisten Fällen führen wir die Operation minimal-invasiv durch“, so der Experte, „Die kleinen Schnitte schonen das Gewebe und die postoperativen Schmerzen bleiben gering.“

Der Krankheit durch gesunde Ernährung vorbeugen

Divertikulose und Divertikulitis zählen zu den häufigsten Zivilisationskrankheiten unserer Breiten. Sowohl für die Vorsorge, die Therapie als auch in der Nachbehandlung rät Prof. Dr. Hesterberg zu einer gesunden Lebensführung: „Ballaststoffreiche Kost, viel Flüssigkeit und körperliche Aktivitäten bringen den Darm in Schwung. So beugen Sie Erkrankungen vor.“ (nh)

Quelle: HNA

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