Neurodermitis bei Kindern kann mit fettenden Präparaten gut behandelt werden - Starker Juckreiz Problem

Bakterien dringen in die Haut ein

+
Juckreiz: Bei Neurodermitis können Bakterien und Allergene leichter in die Haut eindringen und Entzündungen verursachen.

Mein kleiner Sohn ist jetzt fast ein halbes Jahr alt. Der Kinderarzt hat eine Neurodermitis festgestellt. Ich mache mir große Sorgen. Wie entsteht eine Neurodermitis? Was kann ich jetzt tun?“, fragt eine Leserin aus Kassel.

Antworten hat der Kasseler Kinder- und Jugendarzt Alfons Fleer:

„Bei Neurodermitis handelt es sich im Wesentlichen um eine Strukturschwäche der Haut“, sagt Fleer. Das heißt, die Schutzfunktion der Haut ist beeinträchtigt. „Die Haut wird rau und empfindlich“, erklärt der Kinderarzt. Man gehe davon aus, dass die geschwächte Barrierefunktion das Eindringen von Bakterien und Allergenen erleichtere und es dadurch vermehrt zu Entzündungen der Haut komme.

Alfons Fleer

Typische Symptome sind rote, schuppende, manchmal auch nässende Ekzeme und starker Juckreiz. Besonders betroffen sind in der Regel Armbeugen, Kniekehlen sowie die Hals- und Gesichtspartie. Das Hauptproblem für die Betroffenen ist der starke Juckreiz, der durch die empfindliche, oft verletzte Haut begünstigt wird.

Die Symptome können sich jedoch bei jedem Betroffenen unterschiedlich äußern. Die Erkrankung tritt meistens in Schüben auf. Am Anfang stehen vor allem Entzündungen wie Rötungen, Schwellungen der Haut, Nässen und Krustenbildung durch Eintrocknen des Sekrets im Vordergrund. Ab dem zweiten Lebensjahr sind die Hautveränderungen eher trocken.

Viele Menschen halten die Erkrankung laut Fleer für eine Allergie. „Das ist nur zum Teil der Fall“, sagt er. Eine Allergie könne jedoch einen Krankheitsschub auslösen. Eine Neurodermitis sei nicht heilbar, aber gut zu behandeln. „Das A und O ist die Pflege der Haut mit fettenden Präparaten“, sagt der Kinder- und Jugendarzt. Zur Not könnten auch kortisonhaltige Präparate eingesetzt werden.

Erste Symptome können Fleer zufolge ab dem dritten und vierten Lebensmonat auftreten. Tendenziell nähmen die Symptome im Kindergartenalter ab. Allerdings können dann Asthma und Heuschnupfen folgen. Auch bei Asthma handelt es sich nicht um eine Allergie, sondern um eine Reaktionsweise der Bronchien. Typische Symptome sind Schleimbildung und Atemnot. „Auslöser können allerdings Pollen sein, ebenso wie Rauch und Infekte“, erklärt Fleer. Unter anderem mit Kortisonspray sei aber auch Asthma gut zu behandeln. Kaum ein Kind komme deswegen noch ins Krankenhaus.

Neurodermitis und Asthma gehören zur Gruppe der sogenannten Atopie-Erkrankungen, an denen 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung leiden. Fleer zufolge machen sich Eltern häufig bezüglich übersehener Allergieauslöser Vorwürfe, wenn deren Kinder an Neurodermitis oder Asthma erkranken.

Kein Fehler der Eltern

„Das ist völlig unbegründet, es ist kein Fehler der Eltern“, sagt der Kinderarzt. Man müsse die Krankheit akzeptieren. Die Ursache für die Strukturschwäche der Haut und der Bronchien sei nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass die Betroffenen wegen einer genetischen Veranlagung stärker auf bestimmte Einflüsse reagieren. (mkx)

Von Mirko Konrad

Quelle: HNA

Kommentare