Gestörter sozialer Umgang - Diagnose oft erst im Jugendalter - Hilfe im Alltag wichtig

Autismus ist vielfältig

Günter Paul

Kassel. Eine Mutter aus Kassel macht sich Sorgen, ihr Sohn könne unter Autismus leiden. Ein Arzt gibt Antworten.

Unser Sohn war schon immer sehr zurückhaltend und still. Die Erzieherin im Kindergarten hat jetzt den Verdacht geäußert, dass er unter einer autistischen Störung leiden könne, weil er sich abkapsle, nicht mit anderen Kindern spielen wolle und Verständigungsschwierigkeiten habe. Kann das mit Autismus zusammenhängen?“, fragt die Mutter unsere Zeitung.

Antworten hat der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Dr. Günter Paul: „Dies sind Verhaltensweisen, die auf eine autistische Störung hindeuten können“, sagt Paul. Ein typisches Symptom des frühkindlichen Autismus ist eine Störung des Spracherwerbs.

Etwa die Hälfte der Kinder lerne überhaupt nicht sprechen oder nur sehr eingeschränkt. Außerdem sind die soziale Kommunikationsfähigkeit, auch wenn die Sprachentwicklung nicht beeinträchtigt ist, und der Umgang mit anderen Menschen gestört.

„Autisten können Verhalten, Gesichtsausdruck, Gesten, Gefühle oder Ironie bei anderen Menschen nicht interpretieren“, sagt Paul. Beim frühkindlichen Autismus sind die Kinder in ihrer intellektuellen Begabung häufig eingeschränkt, zum Teil auch schwer geistig behindert. Darüber hinaus liegen bei autistischen Störungen teilweise stereotype Verhaltens-, Interessen- und Aktivitätsmuster wie Rituale, die ständig wiederholt werden, vor.

Im Unterschied zum frühkindlichen Autismus sind beim Asperger-Syndrom Sprache und Intelligenz in der Regel normal entwickelt. Deshalb wird diese Störung oft erst im jugendlichen - und Erwachsenenalter entdeckt -manchmal von den Betroffenen selbst.

Ein kleiner Teil ist sogar hochintelligent und entwickelt in bestimmten Bereichen Ausnahmefähigkeiten. Man spricht heute von Autismus-Spektrum, da es mehrere Formen gibt, die nicht scharf voneinander abzugrenzen sind. Eine gestörte soziale Interaktion ist laut Paul bei allen Formen mehr oder weniger ausgeprägt. Beim Asperger Syndrom stehen diese im Vordergrund. „Vor allem dies führt in Schule, Ausbildung und Beruf zu Problemen“, sagt Paul.

Wichtige Therapieziele sind die Verbesserung der sprachlichen und sozialen Kompetenzen. „Autisten brauchen Assistenz, eine Art Sozialdolmetscher, der zwischen ihnen und ihrem Umfeld vermittelt, insbesondere in Kindergarten, Schule und Beruf“, erklärt der Autismus-Experte. Viele Menschen mit Autismus benötigen lebenslange Unterstützung. Auch das Umfeld müsse sich auf die Besonderheiten autistischer Menschen einlassen und deren Grenzen akzeptieren. Ziel sei die uneingeschränkte Teilhabe am sozialen und gesellschaftlichen Leben (Inklusion). (mkx)

Service

Wenn Sie unter Beschwerden leiden und nicht wissen, an wen oder wohin Sie sich wenden sollen, wenn Sie Fragen an Ärzte oder Experten haben oder mehr über ein bestimmtes Thema wissen möchten, schreiben Sie uns:

 

HNA-Lokalredaktion Kassel, Stichwort: Gesundheit,

kassel@hna.de,

Fax: 05 61 / 20 3-24 00

Quelle: HNA

Kommentare