„Ausdauertraining wirkt am besten“

Rückenschmerzen gelten als Volkskrankheit: Siebzig Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden mindestens einmal im Jahr unter  den Schmerzen. Die HNA-Online-Gesundheitsredaktion sprach mit Autor Wolfgang Ide über sein Buch "Hilf Deinem Rücken". Ein Interview.

Herr Ide, Sie haben das Buch „Hilf Deinem Rücken“ verfasst. Wie unterscheidet sich Ihr Buch von den geschätzt dreihundert anderen Büchern, die sich um Rückenschmerzen und deren Behandlung drehen?

Wolfgang Ide: Mein Ansatz ist ein anderer. Patienten, die verstärkt an Rückenschmerzen leiden, durchleben drei Phasen. Zuerst wollen sie ihren Schmerz so schnell wie möglich lindern. Wenn das funktioniert, sind sie motiviert, auch weiterhin Übungen zu absolvieren, damit der Schmerz nicht wieder auftritt. Diese zweite Phase dauert vier bis sechs Wochen. Wir kümmern uns hier aber auch um die dritte Phase, in der die Übungen oft nicht mehr gemacht werden.

Und wie das?

Ide: Es ist wichtig, dass die Patienten an die für sie richtigen Sportarten herangeführt werden und ein paar Übungen lernen, die sie einfach am Schreibtisch oder am Waschbecken nebenbei durchführen können.

Wann spricht man denn von chronischen Rückenschmerzen?

Ide: Von chronischen Rückenschmerzen spricht man, wenn diese länger als zwölf Wochen bestehen und an mehr als der Hälfte der Tage des Jahres vorhanden sind.

Woher kommen denn dann die Schmerzen?

Ide: Oft sind es viele Faktoren, die zusammenspielen – nicht nur körperliche, sondern auch psychische wie Stress zuhause oder im Beruf.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Ide: In der der Klinik Wildetal haben wir den Vorteil, dass wir das Problem aus unterschiedlichen Richtungen angehen können – von der physiotherapeutischen Seite mit praktischen Übungen und auch von der psychologischen Seite zum Beispiel mit Schmerzverarbeitung. Aber auch Themen wie ein rückenfreundlicher Arbeitsplatz und finanzielle Hilfen werden besprochen.

Welche Rolle spielt die Physiotherapie bei der Genesung?

Ide: Durch bestimmte Übungen sollen die muskulären Ungleichgewichte bei den Patienten aufgehoben und die Muskeln trainiert werden. Übrigens zeigen neue Studien, dass Ausdauertraining wie Walking, Schwimmen, Radfahren und Skilanglauf besser für Patienten mit Rückenschmerzen sind als pures Krafttraining. In der Klinik Wildetal wird für die Patienten zum Beispiel Aquajogging und ein Walkingkurs angeboten.

Und inwieweit ist eine psychologische Therapie für die Behandlung chronischer Rückenschmerzen von Bedeutung?

Ide: In Einzelfällen kann sie sehr wichtig sein – eben dann, wenn Patienten Dinge erlebt haben, die sie noch heute so beschäftigen, dass es sich in Form von Rückenschmerzen äußert. Stress am Arbeitsplatz, in der Familie oder finanzielle Probleme sind ebenfalls mögliche Mitursachen.

Bei chronischen Schmerzen existiert unter Medizinern die einhellige Meinung, dass sich viele Faktoren summieren. Da reicht es nicht, Lockerungsübungen zu zeigen. In der Klinik Wildetal zeigen wir stattdessen auch Zusammenhänge und Wege auf, die den Patienten auf lange Sicht helfen sollen, ihre Probleme zu bewältigen.

Von Judith Strecker

Quelle: HNA

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