Arthrose im Hüftgelenk bei jungen Menschen

Das Ziel vor einer Operation ist es, alle Möglichkeiten auszuschöpfen um ein Gelenk zu erhalten. Dies umfasst insbesondere die konservative orthopädische Therapie, einschließlich einer Physiotherapie und einer manuellen Therapie.

In wenigen Fällen kann auch eine Arthroskopie bei besonderen Gelenkveränderungen eine Erleichterung bringen. Jedoch kann gerade die Hüftarthroskopie bei schweren Arthrosen keine Wiederherstellung des Gelenkes und eine dauerhafte Belastbarkeit und Beschwerdefreiheit erreichen.

Hüftkopf und Schenkelhals erhalten

Bei jüngeren Menschen und Patienten mit sehr festem Knochen ist es Ziel, möglichst den gesamten Hüftkopf und den Schenkelhals zu erhalten. Deshalb wird beim Oberflächenersatz (Hüftkappe) der Kopf des Hüftgelenkes nicht entfernt. Dieser wird erhalten und durch eine Kappe überkront, ähnlich der Überkronung eines Zahnes. Der Oberschenkelhals bleibt somit komplett erhalten und lediglich die defekte und zum Teil abgeriebene Knorpeloberfläche des Hüftkopfes und der Gelenkpfanne wird ersetzt.

Diese knochensparende Vorgehensweise und das Implantat werden nach ihrem Entwickler auch McMinn (Birmingham Hip) Oberflächenersatz genannt. Bei einer herkömmlichen Hüftprothese wird sowohl der Hüftkopf als auch der Schenkelhals entfernt und durch eine gestielte Prothese ersetzt.

Vorteile für den Patienten

Durch den Oberflächenersatz wird nur das ersetzt, was an der Knorpeloberfläche zerstört ist. Der überwiegende Teil des Hüftgelenkes wird erhalten. Der natürliche Bewegungsablauf des Gelenkes bleibt bestehen, so dass die uneingeschränkte Beweglichkeit des Hüftgelenkes wieder erreicht wird. Dadurch werden eine frühzeitige Vollbelastung, eine Rückkehr in das Berufsleben und auch die sportliche Belastung wieder möglich.

Durch die verwendeten Materialien ist der Verschleiß der Prothesenoberflächen unwahrscheinlich, was eine deutliche Haltbarkeit des Gelenkersatzes erwarten lässt. Bei der Operation über einen gewebeschonenden, seitlichen Zugang werden für die Gelenkfunktion wichtige Strukturen weitestgehend geschont. Damit wird eine Gehfähigkeit bereits nach zwei bis drei Tagen erreicht. Eine Berufsausübung ist oft nach sechs bis zehn Wochen wieder möglich. Beinlängendifferenzen, Oberschenkelbeschwerden oder ein Auskugeln (Luxationen) treten in der Regel nicht auf.

Für welche Patienten eignet sich der Oberflächenersatz?

Der Oberflächenersatz eignet sich überwiegend für jüngere Patienten mit guter Knochenqualität. Diese wird vor der Operation durch eine exakte Knochendichtemessung an beiden Hüftgelenken und an der Wirbelsäule durch das DEXA-Verfahren bestimmt. Als ein Orientierungsalter kann bei Männern das 70. und bei Frauen das 62. Lebensjahr angeben werden. Ebenfalls geeignet ist der Eingriff für Patienten mit angeborenen und frühzeitig erworbenen Gelenkerkrankungen des Hüftgelenkes (Hüftdysplasie).

Haltbarkeit

Die bisherigen Nachuntersuchungen zeigen nach zehn Jahren bereits so gute Ergebnisse, dass die Haltbarkeit der Oberflächprothesen mit der der Standartprothesen vergleichbar ist. Der wesentliche Vorteil der Oberflächenprothesen besteht darin, dass im höheren Lebensalter immer noch die Rückzugsmöglichkeit – das heißt der Einsatz eines Standardhüftgelenkes –unkompliziert möglich ist. Ist bei jüngeren Patienten eine operative Wiederherstellung des Gelenkes mit einer Oberflächenprothese nicht mehr möglich, wird in der Regel eine Standardprothese implantiert.

Um allergische Reaktionen zu vermeiden und möglichst eine lange Haltbarkeit zu gewährleisten, werden dabei Materialien verwendet, die abtriebfest sind. Eine Besonderheit ist hierbei die Verwendung von Biolocdelta Keramik, die nahezu bruchfest ist und den Vorteil hat, über Jahre keinen Abtrieb zu zeigen. Denn gerade dieser Abtrieb ist Ursache der Lockerung von Gelenksprothesen. (nh)

Quelle: HNA

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