Wenn die Angst das Leben lähmt

Wenn Angst in alltäglichen Situationen auftritt und die Lebensqualität beeinträchtigt, sollte man frühzeitig therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.

Vom Schutz zur Qual

Angst ist grundsätzlich ein gesunder Schutz in gefährlichen Situationen. Kurzatmigkeit, feuchte Hände und Schweißperlen auf der Stirn sollen uns wachsam machen: Vorsicht! Pass auf! Geh’ kein Risiko ein! Wenn allerdings dieser an sich gesunde Mechanismus auch bei harmlosen Situationen des Alltags Alarm schlägt und Menschen immer wieder in akute Angst versetzt, liegt eine Angststörung vor.

Sehr verbreitet sind folgende Angststörungen: Angst vor großen Plätzen und Menschenansammlungen (Agoraphobie), Angst vor gesellschaftlichen Zusammenkünften (Soziale Phobie) und Panikattacken. Auch die Generalisierte Angststörung mit der ständigen diffusen Sorge, Ereignisse wie schwere Krankheiten, Todesfälle oder Arbeitslosigkeit könnten eintreten, ist sehr häufig.

Wann muss man die Angststörung therapieren?

Dr. Rolf Speier, Ärztlicher Direktor der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina, erklärt dazu: „Das hängt davon ab, wie ausgeprägt die Angststörung ist und inwieweit sie den Alltag einschränkt. Auch der Leidensdruck des Patienten ist maßgebend. Manchmal lassen sich angstbesetzte Situationen einfach vermeiden wie etwa bei der Angst vor Schlangen, oder bei Höhen- oder Flugangst. Wenn aber die Angst den Alltag bestimmt, beispielsweise Menschen ihr Haus nicht mehr verlassen, dann ist Vermeidungsverhalten der falsche Weg. Die Betroffenen geraten in einen Teufelskreis aus Angst und Isolation. Hier ist professionelle Hilfe dringend anzuraten.“

Hilfe, die Angst zu besiegen

In erster Linie wird bei der Behandlung von Angststörungen die kognitive Verhaltenstherapie eingesetzt. Hier lernen die Betroffenen die angstbesetzte Situation anders zu bewerten, ihre Angst zu kontrollieren und aufkommende Panikattacken zu unterbrechen. In einem Konfrontationstraining stellen sich Patienten den Situationen, vor denen sie Angst haben, beispielsweise einzukaufen oder in einen voll besetzten Bus einzusteigen. Mit therapeutischer Unterstützung erfahren sie, dass ihre Schweißperlen unbegründet sind und ihnen nichts passiert. Die Angst lässt nach.

„Fester Bestandteil einer Angsttherapie sind auch Entspannungsverfahren, denn bei entspannter Muskulatur und ruhiger Atmung empfindet man weniger Angst. Ergänzend dazu erlernen Betroffene allgemeine Strategien zur Stressbewältigung und soziale Fertigkeiten, wie etwa auf Menschen zuzugehen“, so der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

Eine Angststörung lässt sich meist gut ambulant oder teilstationär behandeln. Wenn sie indes über viele Jahre vorliegt und das Leben des Betroffenen komplett im Griff hat, kann auch eine stationäre Therapie sinnvoll sein. Dr. Rolf Speier rät: „Ganz wichtig ist es, dass sich Angstpatienten nicht zurückziehen und über ihr Problem sprechen. Dafür muss sich niemand schämen. Auf keinen Fall sollten Betroffene Erleichterung in Tabletten oder Alkohol suchen, um die Angst vor der Angst zu bekämpfen. Damit erreichen sie nur das Gegenteil. Bei einer Angststörung gilt: Je früher professionelle Hilfe aufgesucht wird, desto höher sind die Erfolgschancen, zukünftig ein angstfreies Leben zu führen.“

Von Dr. Gisela Heimbach

http://www.vitos-haina.de/

Quelle: HNA

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