Die Angst vor dem Knoten: Vorsorge und Diagnosemöglichkeiten bei Brustkrebs

Brustkrebs trifft nur andere: die Bäckersfrau, die Nachbarin oder die Bekannte aus dem Sportverein - eine Illusion, der sich keine Frau hingeben sollte. „Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen, jährlich erkranken 57 000 Deutsche. Wir müssen lernen, dem Thema das letzte Tabu zu nehmen“, sagt Susanna Hellmeister, Oberärztin in der Frauenklinik Groß-Umstadt des Klinikums Darmstadt-Dieburg.

Alter als Risikofaktor

Brustkrebs, wissenschaftlich Mammakarzinom genannt, ist ein bösartiges Geschwulst im Brustdrüsengewebe. Er beruht – wie auch jede andere Krebsart – auf der Entartung von Zellen und entwickelt sich in der Regel über Vorstufen und Jahre. Nach wie vor bleibt er überwiegend ein Zufallsbefund, den 80 Prozent der Frauen selbst machen. „Frauen sollten wachsam mit ihrer Brust umgehen und sie ab 30 Jahren einmal im Monat untersuchen: Gibt es Verhärtungen? Hat die Brust neuerdings eine rötliche Färbung? Das sind wichtige Fragen zur Früherkennung. Trotzdem dürfen wir sie mit dieser Verantwortung nicht alleine lassen“, rät Frau Hellmeister. Frauen ab diesem Alter sollten die jährliche Krebsvorsorgeuntersuchung bei ihrem Frauenarzt wahrnehmen. Zwischen 50 und 69 Jahren haben sie zudem Anspruch auf Teilnahme am gesetzlich initiierten Mammographie-Screening. Alle zwei Jahre erhalten sie eine Einladung in das ihnen zugeteilten Screening-Zentrum. Sinnvoll, wie Hellmeister findet: „In dieser Altersgruppe erkrankt jede 20. Frau. Es muss uns bewusster werden, wie sehr das Krebsrisiko mit dem Alter steigt.“ Für Frauen, die erblich bedingt ein höheres Krebsrisiko tragen, gibt es ein intensiviertes Früherkennungsprogramm.

Den Tumor im Keim erkennen – Moderne Methoden der Diagnostik

  • Mammographie: Bei der Mammographie wird die Brust von zwei Platten zusammengepresst und anschließend von Röntgenstrahlung durchleuchtet – ein etwas unangenehmer, aber kurzer Moment. In den Röntgenaufnahmen sind schon winzige Verhärtungen erkennbar, die dem Tastsinn entgehen. Je kleiner aber der Tumor bei der Diagnose ist, desto besser stehen die Heilungschancen. Bestimmte Vorstufen bösartiger Tumoren neigen außerdem dazu, feinste Verkalkungen auszubilden, die einzig in der Mammographie nachzuweisen sind. „Wir arbeiten bei der Mammographie ausschließlich mit digitaler Technik, so bleibt die Strahlenbelastung für die Patientinnen möglichst niedrig“, so Dr. Thomas Martin, Chefarzt der Frauenklinik in Groß-Umstadt.
  • Mammasonographie: Die sogenannte Mammasonographie ergänzt die Röntgenuntersuchung und kann als harmloses Ultraschallverfahren auch bei schwangeren oder stillenden Frauen zum Einsatz kommen. Sehr wichtig ist die Ultraschalluntersuchung bei der sogenannten „ dichten Brust“, die aus viel Drüsen- und Bindegewebe besteht. Je dichter die Brust ist, desto schwerer ist sie in der Mammographie zu beurteilen. Da kann die Ultraschalluntersuchung im Auffinden von kleinen Brusttumoren der Röntgenuntersuchung überlegen sein und sollte zusätzlich zu jeder Mammographie empfohlen werden. Die Röntgenuntersuchung ist aber dennoch wichtig, denn die ganz frühen sogenannten Vorstufen des Brustkrebses können durch Kalkablagerungen im Gewebe nur durch die Röntgen – Mammographie gesehen werden.
  • Elastographie: Gesundes Gewebe ist elastischer als Tumorgewebe. Dieses Prinzip nutzt ein weiteres auf Ultraschall basierendes Verfahren: die Elastographie. Trifft die Ultraschallwelle auf härteres Gewebe, wird das Signal zeitversetzt reflektiert und erscheint auf dem Ultraschallbild andersfarbig. Alle Untersuchungsergebnisse werden von mindestens zwei Radiologen und Gynäkologen begutachtet, um eine möglichst hohe Diagnosesicherheit zu erreichen. „Wichtig ist bei der Beurteilung von auffälligen Brustbefunden häufig eine Kombination aus mehreren Methoden“, weiß Hellmeister aus Erfahrung.
  • Stanzen: „Es geht darum, Befunde in einem möglichst frühen Stadium zu entdecken – je früher, desto besser“, erklärt sie. Sollten auch nach dem Ultraschall noch Zweifel bestehen, entnimmt Frau Hellmeister in einem ambulanten Verfahren, dem so genannten „Stanzen“, kleine Gewebeproben. Ebenfalls ambulant möglich ist übrigens auch die Entfernung gutartiger Befunde in der Brust mittels ultraschallgesteuerter Vakuumbiopsie - einem patientinnenfreundlichen Verfahren, bei dem nicht einmal eine Narkose notwendig ist.

Kompetente Beratung in der Brustsprechstunde

Generell ist es wichtig, den Frauen die Scheu zu nehmen: „Mein Team und ich wissen, wie nervenaufreibend das Thema Brustkrebs für unsere Patientinnen ist und gehen entsprechend feinfühlig mit ihnen um. In unserer Brustsprechstunde besprechen wir die Fragen und Anliegen der Frauen in einer ruhigen Atmosphäre.“ Die Klinik ist angegliedert an das Brustzentrum Südhessen. Jede Patientin wird individuell in einer fächerübergreifenden Konferenz dieses Brustzentrums besprochen. In einer solchen Konferenz sitzen Radiologien, Gynäkologen, Pathologen, Onkologen, Nuklearmediziner und die Vertreter der anderen Fachdisziplinen aus dem Brustzentrum zusammen und erörtern das weitere Vorgehen mit der Patientin. In Spezialfällen werden auch die deutschlandweiten Verknüpfungen und Verbindungen genutzt, und die Patientin kann an die für sie richtige Einrichtung und Beratungsstelle weiter vermittelt werden. (nh)

Quelle: HNA

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