Die Angst als Begleiter

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Ein erster Schritt: Fahrschullehrer Andreas Scheele aus Bad Arolsen mit einer Angstpatientin am Auto. Mit therapeutischer Begleitung wird sie behutsam den erste Schritt wagen und sich einer angstauslösenden Situation aussetzen. Das anschließende Erfolgserlebnis ist ein wichtiger Therapiebaustein.

Phobie vor dem Autofahren: Hilfe durch Fahrschule und Therapeuten. Angst-Patienten kämpfen mit sehr unterschiedlichen Phobien:

Eine Gruppe von Betroffenen leidet unter Angstanfällen, wenn sie hinter dem Steuer eines Autos Platz nimmt. Wenn die Angst vor dem Autofahren so groß geworden ist, dass sie den Alltag der Patienten massiv behindert, setzen Ärzte in der Therapie auf die Zusammenarbeit mit Fahrschulen. So können Betroffene durch eine schrittweise Konfrontation mit der angstbesetzten Situation ihre Ängste überwinden.

Wer unter Angst vor dem Autofahren leidet, befindet sich schon als Beifahrer in ständiger Anspannung und nimmt, wenn er selbst am Steuer sitzt, oft größere Umwege in Kauf, um nicht durch einen Tunnel oder über hohe Brücken fahren zu müssen. In besonders komplizierten Verkehrssituationen drohen Panikattacken und Kontrollverlust. Chefarzt Thomas Middendorf von der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Bad Arolsen: „Die Patienten sind massiv in ihrer Mobilität eingeschränkt. Sie befürchten den Verlust ihres Arbeitsplatzes und erleben Konflikte in der Partnerschaft. Manche entwickeln schwere Depressionen.“

Dabei werde gerade das „Vermeidungsverhalten“ zum Problem. Indem Patienten Fahrten abbrechen oder gar nicht mehr antreten, zementiert sich die Angst auf längere Sicht nur umso mehr. Einmal erlebte Panikattacken mit Herzrasen, Sehstörungen, Schwindelgefühl, Schmerzen oder Druck auf der Brust erzeugen beim Patienten das Gefühl, die Kontrolle über sich und das Fahrzeug zu verlieren und andere durch einen Unfall gefährden zu können.

In der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Bad Arolsen werden solche Patienten durch Psychotherapie, aber auch durch Praxiseinheiten in Kooperation mit einer Fahrschule behandelt. „Bereits nach drei Fahrstunden erleben die Betroffenen, dass sie der lange gemiedenen und gefürchteten Situation durchaus gewachsen sind“, sagte Middendorf und verweist darauf, dass die Verhaltenstherapie mit Angstkonfrontation bei Phobien nachweislich die erfolgreichste Behandlung sei. Die Erfolgsquote liege nach fünf Jahren noch bei 80 Prozent. (mov)

 Hintergrund

Verkehrssituation gewachsen sein

Patient und Therapeut analysieren im Vorfeld die angstauslösenden Situationen. Dabei erhält der Betroffene auch medizinische Hintergrundinformationen dazu, wie zum Beispiel Herzrasen bei einer Panikattacke entsteht und warum dieses aus körperlicher Perspektive nicht so schwerwiegend ist. Ziel ist, dass der Patient seine Symptome besser einordnen kann. Nach sorgfältiger Vorbereitung begibt sich der Patient schließlich in die angstauslösende Situation. Dabei wird er während der Fahrt im Fahrschulwagen von seinem Therapeuten sowie von einem speziell geschulten Fahrschullehrer begleitet. Der Betroffene soll die Erfahrung machen, dass jene Katastrophen, die er befürchtet hat, nicht eintreten. Das Erfolgserlebnis, dieser Verkehrssituation letztendlich doch gewachsen zu sein, sei ein wichtiger Therapiebaustein. (mov) www.schoen-kliniken.de

Quelle: HNA

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