Aktiver und zufriedener leben

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Positive Effekte nach Aktivierungs-Therapien: Die Teilnehmer sind wacher, besser gelaunt, finden mehr Anschluss und zeigen mehr Eigeninitiative.

In den vergangenen zehn Jahren haben mehrere Studien mit Demenzkranken gezeigt, dass nicht-medikamentöse Aktivierungs-Therapien Patienten mehrfach helfen. So hat der Erlanger Professor für medizinische Psychologie, Elmar Gräßel, mit der sogenannten Maks-Therapie nachgewiesen, dass

sich der massive Ausbruch der Krankheit um ein bis zwei Jahre verzögern lässt. Maks steht für „motorische, alltagspraktische, kognitive und spirituelle Aktivierung“. Dennoch sind Tagesgruppen mit solchen Programmen noch lange nicht Standard.

Im Siegmund-Faber-Heim in Hersbruck, einem Haus der Diakonie Neuendettelsau, kann man sich die Pflege ohne Beschäftigungstherapie gar nicht mehr vorstellen. Die Hersbrucker haben an der vor zwei Jahren beendeten Erlanger Studie teilgenommen und wenden sie „in abgespeckter Form“ weiter an, wie Heimleiter Stephan Abt sagt. Er hat vor allem die Vitalität der Senioren im Blick. Freilich gebe es auch Medikamente, die eine Demenz und die damit einhergehende Pflegebedürftigkeit vielleicht um ein Jahr herauszögerten, räumt der Heimleiter ein, doch Beschäftigungstherapien zeigten mindestens den gleichen Effekt.

Außerdem lösten Arzneien ein anderes Problem nicht, dass Betroffene in Seniorenheimen haben. „Kein Medikament bringt die Menschen dazu, mit ihrer Zeit etwas anzufangen“, sagt Abt.

Personal wird entlastet

Außerdem sei das Personal froh über die positiven Wirkungen der Beschäftigungstherapien. Denn diese dezimieren das, was die Fachkräfte „herausfordernde Verhaltensweisen“ nennen. Alzheimer-Patienten, die beschäftigt sind, drücken seltener die Klingel und sitzen nicht laut rufend in ihren Zimmern. Das führe zu einer größeren Berufszufriedenheit bei den Pflegekräften.

Gerne würde der Heimleiter die Therapie intensiver anwenden, doch das sei vor allem eine Kostenfrage. In seinem Haus gibt es seit dem Maks-Projekt immerhin das notwendigen Know-how.

Christine Brendebach, Professorin für Gesundheit und Pflege an der Evangelischen Hochschule Nürnberg, begrüßt zwar den Ansatz der Aktivierung, mahnt indes zur Behutsamkeit. „Kranke wollen manchmal nicht von einem Programm zum anderen geschickt werden“, sagt sie: „Beregnung aus der Aktivierungs-Gießkanne lässt sicher nicht alle Pflanzen wachsen.“ (epd)

(Von Jutta Olschewski)

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PDF der Sonderseite Hilfe bei Demenz - Ausgabe Kassel

Quelle: HNA

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