Die Achillessehne - Der wunde Punkt an der Ferse

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Belastung vermeiden: Bei einer Reizung der Achillessehne sollte man schmerzauslösende Belastungen vermeiden. Eventuell empfiehlt der Arzt auch spezielle Bandagen oder Fersenpolster.

Immer wieder liest man von Sportlern, deren Achillessehne gerissen ist. Wie hoch ist das Risiko bei mir als Hobbysportler (ich spiele Fußball), dass so etwas passiert?

Außerdem möchte ich wissen, woher Schmerzen an der Achillessehne kommen und ob dadurch die Gefahr des Reißens steigt?

Diese Fragen von Jörn H. aus Vellmar beantwortet Dr. Marco Spielmann, Orthopäde im Medizinischen Versorgungszentrum Medikum Kassel.

Marco Spielmann

„Wenn die Achillessehne reißt, ist daran normalerweise eine sehr hohe und schnelle Belastung des Fußes im Bereich dieser Sehne schuld“, sagt Spielmann. „Oft ist mangelndes Aufwärmtraining eine Mitursache.“ Besonders gefährdet seien vor allem Springer und Sprinter in der Leichtathletik sowie Langstreckenläufer. Aber auch in allen anderen Sportarten, bei denen viel gelaufen und gesprungen wird, bestehe ein erhöhtes Risiko für Achillessehnen-Verletzungen und Überlastungsschäden. Ursache für einen Riss der Achillessehne könne auch eine Schädigung der Sehne durch Überbelastung sein.

„Durch die Überbelastung wird die Sehne gereizt“, erklärt der Facharzt, „dabei bilden sich kleinste Risse, die vernarben. Das gebildete Narbengewebe reibt bei Überbelastung schmerzhaft an dem Sehengleitgewebe. Im Ruhezustand verschwindet der Schmerz allerdings oft.“ Je mehr die Sehne in diesem Zustand belastet werde, desto mehr Narbengewebe bilde sich und die Entzündung könne chronisch werden.

Der Orthopäde und Sportmediziner rät Sportlern daher zum gründlichen Aufwärmen vor Trainingsbeginn; vor allem zum sogenannten exzentrischen Dehnen der Wadenmuskulatur. Bei Schmerzen sollten Sportler pausieren und der Fuß ausreichend geschont werden.

Achillessehnenverletzungen - auch Risse - würden in der Regel konservativ, also ohne Operation, behandelt, erläutert Spielmann. Neben medikamentöser und physikalischer Therapie müsse für eine spezielle Ruhigstellung des Fußes gesorgt werden. Diese erfolgt mit einem „Walker“, einem Spezialschuh, bei dem die Beugung und damit die Spannung der Achillessehne über Fersenkeile stufenweise reguliert werden kann, um die gerissenen Sehnenenden zusammenzuhalten. „Diese Ruhigstellung des Fußes wird ergänzt durch physikalische und medikamentöse Behandlungen“, sagt Spielmann, der auch Mannschaftsarzt des KSV Hessen Kassel ist. Eine konservative Behandlung bis zur vollständigen Wiederherstellung der Achillessehne dauere in der Regel zwei bis drei Monate. Sportliche Belastung kann je nach Sportart nach vier bis sechs Monaten erfolgen. Werde operiert, wie oft bei Profi-Sportlern üblich, könne der Fuß manchmal schon nach acht Wochen wieder belastet werden.

Hintergrund Achillessehne

Die Achillessehne ist die dickste und kräftigste Sehne unserers Körpers. Sie verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein. Bei Erwachsenen ist sie in der Regel zwischen 20 und 25 Zentimeter lang. Zieht sich die Wadenmuskulatur während der Abrollbewegung des Fußes zusammen, überträgt diese Sehne die Kraft auf die Ferse und hebt sie vom Boden ab. Dabei ist die Achillessehne Zugkräften von 60 bis 100 Newton pro Quadratmillimeter ausgesetzt. Bei einer durchschnittlichen Fläche von 80 Quadratmillimetern entspricht das einer Tragfähigkeit von bis zu 800 Kilogramm. (pdb)

Quelle: HNA

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