Kinder brauchen Zeit zum Spielen

Gemeinsame aktive Zeit mit den Eltern ist dem Nachwuchs besonders wichtig

„Kinder brauchen Zeit!“ – so lautet das diesjährige Motto von UNICEF Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk zum Weltkindertag. Damit möchten die Kinderrechtsorganisationen das Recht der Kinder auf Spiel und Freizeit, auf elterliche Fürsorge und auf Beteiligung ins Bewusstsein rücken.

Zu enge Zeitkorsetts

Doch ein voller Stundenplan, Freizeitstress und steigende Anforderungen sowohl der Arbeitswelt als auch der Gesellschaft bestimmen in vielen Familien den Alltag. Schon im Grundschulalter sind viele Kinder in enge Zeitkorsetts gepackt und haben zu wenig Freiraum für freies Spielen und Entdecken. Während einigen Kindern kaum Zeit zur Erholung bleibt, werden andere Kinder und Jugendliche sich selbst überlassen. Manche verbringen sehr viel Zeit vor Bildschirmen, haben kaum sportlichen Ausgleich und vernachlässigen persönliche soziale Kontakte.

Besonders das Spielen draußen, im Freien und mit Freunden kommt bei zu vielen Kindern und Jugendlichen zu kurz. Dabei ist es immens wichtig: Im Spiel mit Anderen lernen Kinder sich kompetent zu bewegen, sie lernen soziale Kontakte zu knüpfen, sich in größeren Gruppen zu verhalten, sich durchzusetzen und Regeln einzuhalten. Beim Spiel im Wohnumfeld lernen sie selbstständig zu sein, sich und ihre Umwelt zu organisieren.

Das Spiel ist im Idealfall ein selbstbestimmtes Lernen. Im Spiel lernen Kinder mit allen Sinnen, mit starker emotionaler Beteiligung, mit geistigem und körperlichem Krafteinsatz. Es fordert und fördert die ganze Persönlichkeit. Im Spiel lernen die Kinder freiwillig und mit Spaß, über Versuch und Irrtum, ohne Versagensängste. Sie stellen sich ihre Fragen selbst und finden dazu die Antworten. Dafür brauchen Kinder Pausen im durchgetakteten Alltag ebenso wie Ermunterung und Motivation. Kinder brauchen die Liebe ihrer Eltern, ihre Fürsorge und Anleitung. Die meisten Mädchen und Jungen würden gerne mehr Zeit mit ihren Eltern verbringen. Das hat eine repräsentative Umfrage bestätigt, die UNICEF 2010 zusammen mit der Kinderzeitschrift GEOlino durchgeführt hat.

Dieser „Kinderwerte-Monitor“ hat auch gezeigt, dass Kinder dabei durchaus Realisten sind. Sie wissen um die Notwendigkeit von Arbeit und Berufstätigkeit ihrer Eltern. Wenn ihre Mütter berufstätig sind, finden sie das zumeist gut. Insgesamt schneiden Mütter besser ab als Väter, wenn es um gemeinsam verbrachte Zeit geht.

Gemeinsame Aktivitäten

Aus Sicht der Kinder nehmen sich Mütter unter der Woche zu 80 Prozent „viel“ oder „genügend“ Zeit für ihre Kinder, Väter kommen dagegen nur auf 44 Prozent. An den Wochenenden haben die Väter zwar ganz überwiegend „viel“ oder „genügend“ Zeit für ihre Kinder, aber auch dann liegen die Mütter vorne. Die Mehrzahl der Kinder bedauert den Verzicht auf gemeinsam verbrachte Zeit. Und viele von ihnen erleben auch Stress und Ungeduld der Eltern als Schattenseite der Berufstätigkeit.

Bedürfnisse ernst nehmen

Gemeinsame aktive Zeit mit Vätern und Müttern ist Kindern besonders wichtig. Zahlreiche Aktivitäten im häuslichen Bereich, bei Kreativwochenenden oder z. B. auch in einem Kletterwald bieten sich hierfür an. Jede Stunde davon ist deshalb ein Beitrag für das Wohlergehen der Kinder und damit der ganzen Gesellschaft. Die Bedürfnisse von Kindern ernst nehmen, ihnen zuhören und sich Zeit für sie zu nehmen, sind wichtige Bausteine für ein kinderfreundliches Deutschland. „Politik und Gesellschaft müssen stärkere Anstrengungen unternehmen, um den Zeitbedürfnissen von Kindern und Familien gerecht zu werden“, fordert UNICEF Deutschland.

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