Entspannte Atmosphäre im Haarstall von Friseurmeisterin Katja Backhaus

Frisieren unterm Hirschgeweih

Die Kreativität schätzt Katja Backhaus an ihrem Beruf am meisten. Sie ist eine Friseurmeisterin, die sich Zeit nimmt für ihre Kunden im Haarstall in Gittersdorf. „Eine ausführliche Beratung ist die Grundlage für glückliche Kunden“, hat die 36-Jährige im Laufe ihrer Berufsjahre erkannt, „schließlich möchte ich wissen, was die Kunden sich wünschen.“

In ihrem gemütlichen Salon gibt es keine Hektik und kein Stress. Nostalgische Friseurstühle, antike Handwerksutensilien und ausgesuchte Gegenstände aus alten Kuhställen sorgen für den dörflichen Charakter in einem modernen Geschäft. Zufriedene Kunden hat Katja Backhaus auch, weil sie so wenig wie möglich Chemie verwendet. „Unsere Haarfarben sind frei von Silikonen, Mineralölen und Ammoniak, sie bestehen aus 90 Prozent natürlichen Essenzen“, erklärt die Frisörin, die nach dem Prinzip eines verantwortungsbewussten Lebensstils die Haare ihrer Kundinnen färbt.

Neue Typen, neue Trends

Am meisten Freude bereitet Katja Backhaus die Typveränderung an einer Kundin. Um stets über die neuesten Frisurentrends informiert zu sein, nimmt sie regelmäßig an Schulungen teil. „Ich freue mich immer, wenn ich neue Schnitte und Farbtechniken individuell umsetzen kann“, sagt die 36-Jährige. Aktuell eingearbeitet hat sie sich in die drei neuesten Trends. Den „Undone-Look“ (ungemacht, unfrisiert) -– die Frisuren mit dem verwuschelten Haarstyling - trägt sie selbst. Zu der kontrollierten Unkontrolle für alle Haarlängen gehören zerzauste Lockenfrisuren, lässige Knoten und lockere Flechtfrisuren. Der zweite Trend sind die irisierenden Metallic-Farben im Haar, ein Farbspiel aus Licht und Schatten. In der Mode längst gesetzt, erobert der Metallic-Look jetzt auch die Köpfe der Damen. Perfekt gestylt ist die Damenwelt mit dem 3. Trend, dem Boho Curl: Lockenfrisuren ohne Dauerwelle.

Zu ihrem Wunschberuf kam die Frisörin erst im zweiten Anlauf. Nach der Schule lernte die gebürtige Fuldaerin Bürokauffrau, vermisste in dem „toten Beruf“ aber die Kreativität. Mit 19 Jahren - „ich war schon alt“- begann sie die zweite Ausbildung zur Frisörin, der sie in 2000 gleich die Ausbildung zur Kosmetikerin anhängte. In 2004 komplettierte sie ihr Berufsbild mit der Ausbildung zur kosmetischen Fußpflegerin und legte 2008 die Meisterprüfung im Friseurhandwerk ab.

Beruf und Unterricht

Seit 2005 lebt die dreifache Mutter in Neuenstein-Gittersdorf, wo sie 2009 den Salon Haarstall im Wohnhaus in der Hählganser Straße eröffnete. Parallel dazu unterrichtete sie noch Meisterschüler im Berufsbildungszentrum in Kassel und hielt überbetriebliche Lehrgänge. „Ohne die Unterstützung meiner Familie, speziell meines Mannes, hätte ich das bestimmt nicht geschafft“, blickt sie zurück. Die war auch „für mich überlebenswichtig“, als im November 2011 die Diagnose Brustkrebs kam und der anschließende Kampf zurück ins Leben begann, mit dem vollen Programm Chemotherapie und Bestrahlungen. 2012 hat die junge Geschäftsfrau ihr Handwerk wieder aufgenommen, aber zur Entlastung die Mitarbeiterin Salina Mohr eingestellt.

Individuelle Perücken

Um sich dem zu stellen, was ihr am meisten Angst macht - dem Krebs - hat Katja Backhaus vor über einem Jahr auch das Individualisieren von Standard-Perücken mit in ihr Angebot genommen. Mittlerweile konnte sie vielen Kunden und Kundinnen mit Haarausfall helfen. Die Perückenrohlinge werden gemeinsam ausgesucht, an die Kopfform angepasst (Maßkonfektion) und eingeschnitten, damit sie vollkommen unsichtbar werden. „Diese Arbeit hilft mir selbst sehr gut, mit den Erlebnissen und der Angst umzugehen“, sagt die Friseurmeisterin. Auch sind einige engere Bekanntschaften auf diese Weise mit Leidensgenossinnen entstanden. Jetzt freut sie sich auf ein neues Ziel: die Eröffnung des neuen Haarstalls. Weil der Kundenstamm sehr gewachsen ist, hat das Ehepaar Backhaus die alte Scheune auf dem benachbarten eigenen Grundstück in Abstimmung und mit Mitteln der Dorferneuerung zu einem neuen urigen Salon umgebaut. Wieder in Stalloptik, mit Materialien zusammengetragen aus ganz Deutschland, die es dafür braucht. Sechs Behandlungsplätze entstehen hier, eine weitere Kollegin wird eingestellt. Die Eröffnung ist für Januar 2015 geplant.

Von Birgit Kimpel

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