Durchblick lässt sich üben:  Optikermeister Ullrich Gerlach ist ganzheitlicher Sehtrainer – Strapazen am PC

Ullrich Gerlach bei einer Sehübung mit der Fusionsschnur: Die Bilder beider Augen werden im Gehirn zu einem zusammengesetzt (fusioniert). Wie anstrengend dieser Prozess für den Einzelnen ist, hängt vom Zusammenspiel seiner Augen ab. Das lässt sich mit dem abwechselnden Anvisieren der Holzkugeln überprüfen und bei Bedarf auch verbessern.

SCHENKLENGSFELD. Immer mehr Menschen arbeiten heute täglich und viele Stunden ununterbrochen vor dem Computer-Bildschirm und verbringen auch noch große Teile ihrer Freizeit vor dem PC. Das heißt, sie fokussieren angestrengt ein zweidimensionales Bild in nächster Nähe und überlasten damit auf Dauer ihre Augen.

Die Folgen sind nachlassende Sehkraft, trockene, entzündete Augen, die räumliche Sehfähigkeit nimmt ab, die Augen haben ein Problem damit, sich im raschen Wechsel auf die Nähe und die Ferne scharf zu stellen.

Nicht nur stärkere Gläser

Die Idee, dass man dem Verfall der Sehkraft nicht nur durch die Verschreibung immer stärkerer Brillengläser entgegenwirken kann, sondern auch durch Training der Augenmuskulatur und der optischen Wahrnehmung, faszinierte Ullrich Gerlach. Das Handwerk des Augenoptikermeisters in Schenklengsfeld ist es eigentlich, seinen Kunden individuelle Sehhilfen anzupassen, Brillen zu fertigen und zu verkaufen. Trotzdem ließ er sich auf einem Seminar zum ganzheitlichen Sehtrainer ausbilden.

„Evolutionär gesehen müssten wir alle zu kurzsichtigen Zyklopen mutieren“. Diese Erkenntnis hat Gerlach aus seinem Lehrgang mitgenommen, ebenso wie die Einsicht, dass das Auge nur zu zehn Prozent am Sehprozess beteiligt ist – den Rest erledigt das Gehirn. Dabei wird das Sehen im Nahbereich vom parasympathischen Nervensystem gesteuert, das eigentlich auf Entspannung ausgelegt ist. Denn für den ursprünglichen Jäger und Sammler bedeutete die Nähe Schutz und Geborgenheit, während er angespannt und konzentriert in die Ferne spähen musste. Mit der Wirklichkeit moderner Arbeitsplätze hat das nicht mehr viel zu tun.

Gegen Kurz-Weit und Alterssichtigkeit, zur besseren Kontrastverarbeitung und zur besseren Versorgung der Augen mit Tränenflüssigkeit kann der Sehtrainer einen ganzen Katalog von Entspannungs- und Konzentrationsübungen einsetzen, die, einmal vermittelt und unter fachlicher Anleitung praktiziert, zu Hause und im Büro ohne großen Aufwand wiederholt werden können.

Am Augenmodell im Maßstab 1:3 zeigt der Optiker: Die Augenmuskeln sind im Original so stark wie ein kleiner Finger.

Das beidäugige Sehen lässt sich beispielsweise trainieren, in dem man einen Bleistift in halber Armeslänge vor die Augen hält, einen weiteren in voller Armeslänge, und dann abwechselnd die beiden Stifte sowie einen weiter dahinter liegenden Punkt fixiert. Die jeweils nicht fokussierten Objekte sollten dann als Doppelbild erscheinen. Den gleichen Effekt hat auch eine Schnur mit drei Holzperlen, die abwechselnd angepeilt werden – bei entsprechender Konzentration bildet die Schnur ein „X“ mit Schnittpunkt in der mittleren Kugel. Andere Übungen, mit denen die Augenmuskeln sanft trainiert werden, sind das Daumentor oder die liegende Acht oder man kann versuchen, einen kleinen Kreis in einen großen zu schielen. „Jede Übung sollte man drei bis fünf Minuten anwenden, aber täglich“, rät Gerlach.

Messbarer Erfolg

Der allmähliche Erfolg ist messbar: Bestimmte optische Effekte lassen sich mit immer weniger Anstrengung erzeugen, Testbilder zum Stereooder Farbsehen funktionieren auf einmal und die körperlichen Beschwerden lassen nach. Die erste Kontrolle findet nach sechs Wochen statt. Die Sehkraft werde auf jeden Fall gesteigert, sagt Gerlach. Ob der Trainingsteilnehmer letzten Endes ganz auf eine Sehhilfe verzichten könne, hänge allerdings von der Diagnose im Einzelfall ab.

(Weitere Informationen bei Ullrich Gerlach unter Telefon 06629/919000)

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